Worum es geht

Autoren sind merkwürdige Wesen. Sie leben in ihrer eigenen Welt und teilen sich diese mit einer Muse – dem Unterbewusstsein, das ein erschreckendes Eigenleben entwickeln kann. Doch ohne Muse sind die Geschichten nur halb so gut, deshalb tun wir Autoren auch alles, um die Muse bei Laune zu halten.

Wie man das anstellt, welche Tipps und Tricks wir zur Förderung von Kreativität haben, wie man die Muse zur Mitarbeit anregt und gleichzeitig einbremst, um sie bei einem Projekt zu halten und wie man dabei nicht den Verstand verliert – um all das geht es in Marmor und Ton – kurz MUT, und davon brauchen Autoren eine Menge.

Wir kehren unser Innerstes nach außen, wir zeigen jedem, der es lesen will, unsere nackte, verletzliche Seele, und wir betteln um Kritik, von der wir wissen, dass sie uns weh tun wird – das ist kein Job für Weicheier. Hinzu kommen unregelmäßige, lange Arbeitszeiten, wenig Sozialkontakt und die ständige Gefahr, wegen zu vieler Selbstgespräche in einer geschlossene Anstalt eingewiesen zu werden.

Der Titel dieses Blogs bezieht sich auf zwei Gruppen von Autoren, analog zu den Bildenden Künsten: die einen haben einen Marmorblock (ein gigantisches Manuskript) und meißeln davon alles weg, was zu viel ist, bis die Statue (das Buch) übrig bleibt.
Die anderen nehmen ein Stück Ton nach dem anderen (Szenen) und fügen es dem Grundgerüst hinzu, bis das Werk fertig ist.

Willkommen in der Welt der Muse, wo Wahnsinn, Schizophrenie und Angst regieren, wo wir gleichzeitig Herrscher und Untergebene sind und wo es die besseren Cookies gibt.

Jery

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4 Antworten zu Worum es geht

  1. para68 schreibt:

    Vermutlich hört sich die Arbeit des Ton-Schreibers leichter und effizienter an. Das ist sie wohl auch, solange man mit seiner Muse im Elfenbeinturm sitzt, nur den inneren Kritiker unter Kontrolle halten muss und eifrig eine Tonscholle nach der anderen formt. Tja, und dann bekommt die Lektorin den Text in die Finger und das einzig Positives, was bleibt, ist, dass man nicht 50k oder mehr kürzen muss. Dafür liegen die Schwerpunkte falsch (Ton weg und an anderer Stelle dranklatschen, auch wenn es einem nicht gefällt) oder die Form eines der Protagonisten wirkt abstoßend auf potenzielle Leser und muss daher komplett um-modelliert werden. Da vergeht dem „Bildhauer“ schon mal die Lust …

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    • Jery Schober schreibt:

      Keine der beiden Arbeitsweisen ist leicht oder effizient. Jede hat Vor- und Nachteile, und am häufigsten kommen wohl die Misch-Bildhauer vor, die mal die eine, mal die andere Technik bevorzugen. Schreiben ist ein brutaler Job, und Schreiben ist zum Großteil Umschreiben. Wenn jede 1. Fassung bereits veröffentlichungsreif wäre, dann hätten wir viel mehr Bücher auf dem Markt 😉 Also nicht unterkriegen lassen, wenn am Ende ein besseres Buch herauskommt, ist es die Mühe wert.

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  2. Roland W schreibt:

    Obwohl ordentlich verspätet (ich bin erst kürzlich auf deine Webseite gestoßen) will ich hiermit mein außerordentliches Wohlgefallen über die lockere, menschliche und unprätentiöse Art (im Sinne von Kunst) in deinem Blog, deiner Selbstdarstellung und des ‚worum es dir geht‘ hier kund zu tun. Selten so Erfrischendes gelesen!

    Von Herzen viel Freude weiterhin am Schreiben – und natürlich auch Erfolg.

    Roland

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