Statusbericht Juni 2016

Der Juni war so schnell vorüber, dass ich mich mehr als einmal fragte, wo die Zeit hin ist. Je mehr man zu tun hat, desto weniger bekommt man das Verrinnen der Zeit mit (weise Worte des Sommers).

Gelesen habe ich ein paar erotische Kurzgeschichten, über die wir allesamt den Mantel des Schweigens breiten wollen, sowie Fantasy und Schreibratgeber:
A Question of Honor von Lindsay Buroker, die erste Novelle der Swords & Salt-Reihe um den jungen Kampfmagier Yanko. Schöne asiatisch angehauchte Fantasy-Welt, nette Handlung, sympathische Charaktere, über die ich mehr wissen will. Werde die Reihe definitiv weiter verfolgen.
52 Ways to Get Unstuck: Exercises to Break Through Writer’s Block von Chris Mandeville, ein Ratgeber für alle Autoren, die irgendwie und irgendwo in ihrer Story hängen. Einige Tipps waren gut, einige kurios, die meisten logisch. Also nichts Neues unter der Sonne, aber auch keine Zeitverschwendung.
How to Write Fiction Sales Copy von Dean Wesley Smith war ein Reinfall für mich. Das Büchlein behandelt das Schreiben von Klappentexten für Kurzgeschichten und die verschiedenen Muster, nach denen man vorgehen kann, exemplarisch dargestellt an 32 Stories von DWS selbst. Mein Problem war, dass mich kein einziger dieser Klappentexte dazu veranlasst hat, die betreffende Story lesen zu wollen, in der Mehrzahl fand ich sie generisch und langweilig. Für Romane sind die Tipps auch nur bedingt geeignet, weil man da nicht darum herumkommt, ein bissi mehr über die Charaktere und deren Konflikte zu verraten.
Write. Publish. Repeat. von Sean Platt und Johnny Truant fand ich hingegen ausgezeichnet. Das laaange Buch erzählt vom Weg zweier (bzw. dreier) Selfpublisher, verheimlicht nicht die Fehler, die sie gemacht haben, und bietet, obwohl es schon 3 Jahre alt ist, noch immer relevante Information. Es ist kein Schreibratgeber im eigentlichen Sinn, sondern ein Business-Ratgeber, der Schreiben als Job darstellt und vermitteln will, was man alles tun muss und kann, um in diesem Job Erfolg zu haben.

Gesehen habe ich bis auf das eine oder andere unvermeidliche Fußballspiel überraschenderweise nichts. Keinen Film, keine Serie. Relativ TV-loser Monat.

Gehört habe ich Bruce Springsteen als Einstimmung fürs Konzert.

Geschrieben habe ich eine Kurzgeschichte als Fortsetzung einer anderen. So etwas verschlingt nicht gleich Monate, bringt mir das Erfolgserlebnis einer fertigen Story und lehrt mich, nicht gar so ausufernd zu schreiben. Jetzt darf sie erst mal in Ruhe abliegen.
Bei der Story zeigte sich leider wieder meine Unart, viel zu sehr zu schwafeln, die ich zumindest bei KGs ablegen wollte *seufz* Immer gefährlich, wenn ich einen neuen POV-Charakter zum ersten Mal schreibe, da erkläre ich mir ausführlich, wie die Figur tickt. Alles Zeug, was dann in der Überarbeitung rausfliegt. Ökonomisch schreiben kann ich noch nicht *doppel-seufz*Highlights:

  • Bruce Springsteen Konzert war wie immer grandios. Dieses Mal hat der Boss fast nichts geredet, sondern ein Lied nach dem anderen gespielt, als müsste er mit steigendem Alter was aufholen. Ich hatte auch nur zwei Mal Wasser in den Augen – „The River“ geht mir jedes Mal nahe, und wir bekamen eine zwar unkommentierte, aber höchst emotionale Version von „41 Shots“, ein Lied, das leider immer topaktuell ist, gerade vor dem Hintergrund des Amoklaufs in Orlando.
  • München-Trip zu diesem Konzert. Die Stadt ist immer eine Reise wert, hat die lustigsten U-Bahn-Sprecher, die ich kenne, tolles Essen und dieses Mal leider unglaublich viele Besucher. Es war fast kein Durchkommen in der Innenstadt.
  • Ich bin zu Höchstleistungen fähig, wenn ich brutalen Druck von außen bekomme. Nicht, wenn ich mir selbst Deadlines setze, aber wenn andere das tun – hui wui, da kann ich richtig ranklotzen!
  • Der Gemüsegarten hat einen neuen Zaun, und ich bin froh, wenn ich die nächsten 15 Jahre (so lange muss der mindestens halten) keine U-Hackerl mehr sehe. Habe unzählige davon aus dem alten Gitter entfernt, um selbiges wiederverwenden zu können.
  • Zum 1. Mal Belegexemplare bekommen. Nicht von einem meiner Bücher, sondern von einer Übersetzung. War trotzdem cool 😀

Lowlights:

  • Nachspiel des München-Ausflugs: Ein Brief vom Bayrischen Polizeiverwaltungsgericht. Wir haben jetzt einen Punkt in Flensburg 😛
  • Eine Fichte musste aus dem Garten weichen. Kollateralschaden: 2 Essigbäume (wurscht), 2 Holunderstauden (schnief). Wenn ich gewusst hätte, dass der Bauer mit dem Ausleger an dem Tag kommt, hätte ich noch schnell die Blüten geerntet.
  • Die Gelsen haben mich entdeckt. Heuer sehr früh.
  • Meine Muse hat mir in 30 Minuten den kompletten Plot eines Science Fiction Romans diktiert. Was eigentlich zu den Highlights gehören sollte, wenn ich nicht so beleidigt wäre. Wenn ICH was plotten will, herrscht Schweigen im Walde. Wenn die gnädige Frau eine neue Idee hat, muss sie SOFORT niedergeschrieben werden *schnaub*. Ich dachte, ich krieg sie ran, als ich mich weigerte, den Plot aufzuschreiben, ehe wir kein Universum dafür haben. BAM. 10 Minuten später hatte ich eines *leise schluchz*. Nie hilft sie mir, wenn ich was will. Egostisches Biest.

Im Juli möchte ich 3 Kurzgeschichten schreiben, 2 für Ausschreibungen, 1 für eine Anthologie, zu der ich noch nichts sagen darf *geheimnisvolltu*. Macht 2 x Fantasy und 1 x Science Fiction.
Da ich mit dem Dayjob voll ausgelastet bin (Deadlines! Das Zauberwort für Produktivität), wird das ein bissi hektisch, aber Schlaf wird sowieso überbewertet.

Wegen des Camp NaNo im Juli überlege ich noch. Nachdem ich einiges schreiben muss, wäre es keine schlechte Idee, andererseits habe ich mit den Sommer-Camps nur bedingt gute Erfahrungen. Mal gucken.

Ist irgendjemand von euch beim Camp dabei?

Jery

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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15 Antworten zu Statusbericht Juni 2016

  1. para68 schreibt:

    Wow! Ihr als Österreicher habt einen Punkt in Flensburg! Das habe ich als Deutsche während fast 30 Jahren Autofahren nicht geschafft! 🙂

    Ich weiß nicht, warum Du so auf Deine Muse schimpfst. Also ich finde Science Fiction toll und würde gern einen SF-Roman von Dir lesen. Und vielleicht ist das ja Deine Chance, effektiver zu schreiben, weil es keine Fantasy ist, bei der fast jeder Autor zum weitschweifigen Erzählen neigt. 🙂

    Ich muss peinlich berührt eingestehen, dass ich noch nie in München gewesen bin. Andererseits ist eure Fahrtstrecke wohl wesentlich kürzer, da ich ein Mal durch ganz Deutschland muss (fast). Aber London ist ja ja auch sehr schön! London dieses Jahr, München nächstes Jahr. Das halte ich für einen guten Plan. 🙂

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    • udo75 schreibt:

      Hättest halt mal schneller fahren sollen, ist aber auch gar nicht so leicht bei dem, was Ihr Deutschen so als Autobahn bezeichnet (Strecke Salzbug bis Holzkirchen, bei uns heißt sowas Bundesstraße, eine schlechte dazu).

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    • Jery Schober schreibt:

      Ich bezweifle, dass sich bei SF etwas an meinem Schreibsystem ändert. Wenn es Grund zum Schwafeln gibt, werde ich ihn finden – Jery’s Law.
      München ist eine tolle Stadt, aber wie alle Großstädte im Sommer nicht mein Fall. Zu stickig. Ich erinnere mich noch mit Schauern an Wien letzten Sommer, wo es um Mitternacht 30° hatte und der Nachmittag zuvor an der Grenze zu dem war, was mein Kreislauf packt. Ich würde Sommer ja am liebsten an einem See verbringen, aber in Ermangelung eines solchen in der Umgebung muss die Gartenbrause herhalten 🙂
      In London war ich noch nie (Flughafen zählt nicht), ist aber sicher eine Reise wert.

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  2. para68 schreibt:

    Hm, ist es Mitte August in Wien auch so brüllend heiß? Ich plane gerade um.

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    • Jery Schober schreibt:

      2015 waren wir am 8./9. August draußen und hatten 38°. In der Nacht kühlte es nicht mehr ab. Seitdem weiß ich, was kochender Asphalt ist 😛
      Ich hab natürlich keine Ahnung, wie das Wetter heuer sein wird, vielleicht ist es dann schon kühler.

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  3. Christian Weis schreibt:

    Wieso „Mantel des Schweigens“? Waren die Geschichten so schlecht? 😀

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    • Jery Schober schreibt:

      Yep 😀 Zwischen völlig unlogisch (das muss man erst mal bei einer Erotikstory schaffen!), dilettantisch geschrieben und unfreiwillig komisch schwankend. Aber he, ich sage immer, wenn man kein leuchtendes Vorbild sein kann, dann ist man eben ein abschreckendes Beispiel.

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  4. para68 schreibt:

    Der Himmel auf dem Foto sieht übrigens aus wie in einer Fantasy-Welt. Zog da ein Gewitter auf?

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    • Jery Schober schreibt:

      Ja, war direkt vor einem Unwetter. Das ist unsere Wetterseite, von dort kommen die meisten Gewitter. Wir sehen den Regen näherkommen, was uns immerhin 10 Minuten Vorwarnzeit gibt. Manchmal ist es kurios, wenn es 500 m weiter bereits regnet, bei uns aber noch die Sonne scheint.

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  5. Stella Delaney schreibt:

    Du weisst ja, dass meine Wenigkeit beim Camp dabei ist. Lass mich unbedingt wissen, wenn du doch noch teilnimmst ^^

    „Bei der Story zeigte sich leider wieder meine Unart, viel zu sehr zu schwafeln, die ich zumindest bei KGs ablegen wollte *seufz*“

    You are reading my mind. Again.
    Ich hab exakt dasselbe Problem. Bei jeder Überarbeitung versuche ich deswegen , irgendwas zu kürzen. Aber ja mehr mir die Figuren ans Herz gewachsen sind, desto mehr möchte ich dem Leser ihre ganze Lebensgeschichte vermitteln… ja ja, ich weiss, dass das nicht geht. Grade in einer KG nicht. Ich wollte, ich könnte mir das endlich mal merken 😉

    Für deine KG Projekte wünsche ich dir auf jeden Fall ganz viel Erfolg. Und bitte updaten, was das Ergebnis angeht. Ich bin gespannt 🙂

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    • Jery Schober schreibt:

      So, hab mich jetzt doch zum Camp angemeldet. Ein Versuch kann nicht schaden, und ich setz das Ziel ganz niedrig für ein erreichbares Erfolgserlebnis 😛

      Oh ja, genau DAS – da hat man endlich tolle Charaktere, und über die darf man dann nichts erzählen. Dabei gäbe doch ihre Lebensgeschichte so viel her, und dann wird die KG länger, mutiert zur Novelle und endet im Roman. Es ist immer das Gleiche *seufz* Ich versuch jetzt, eine Reihe von KGs mit den gleichen Charakteren, in der Hoffnung, dass die einzelnen Episoden kurz bleiben, wenn die Muse weiß, dass sie mit den Figuren noch länger spielen darf.

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