NaNo 2015: Jery vs. The Muse – 1:0

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Ich hab die Muse gezähmt.
Zumindest temporär.
Und ein wenig in den Wahnsinn getrieben.

Wie immer vor dem NaNo stellte sich mir die Frage, was ich schreiben sollte. Und wie immer befürchtete ich, dass es sowieso was ganz anderes sein würde, als ich mir ausgedacht hatte. Die Muse hat ihre eigenen Ideen, worauf sie Lust hat.

Dieses Jahr startete ich sehr spät in den NaNo und fing erst am 9.11. an. Ja, ich weiß, Schande über mein Haupt, aber manchmal hält sich real life nicht an meine Wünsche, mich im November in Ruhe zu lassen. Mein Plan war, Vienna Calling, die Liebesgeschichte, die ich letztes Jahr schon schreiben wollte, endlich anzugehen. Immerhin steht der Plot bis auf ein paar Kleinigkeiten bereits seit über einem Jahr. Plan B war eine Fantasy-Idee, die ich schon länger mit mir herumtrage und die ich in Ermangelung eines Titels einfach Chroniken I nenne. Nicht wundern wegen der I: Ich hab mir in meinem ganzen Leben noch nie etwas ausgedacht, was nicht zumindest Potential für eine Fortsetzung hat. Die Muse denkt nur in mehrbändigen Reihen.

Als ich endlich dazu kam, mich hinzusetzen und anzufangen, war die Muse natürlich nicht mit an Bord. Ich sagte ihr, dass das Ding mit ihr oder ohne sie laufen würde, aber es würde laufen. Sie kicherte nur.
Keine Chance für Vienna Calling, was ich wirklich endlich schreiben möchte. Also her mit der Fantasy-Datei.
Ich fing an, über Kuchen zu schreiben. Genau, Kuchen. Nichts schreit mehr Fantasy! als Kuchen. Drei Menschen sitzen herum und essen Kuchen. Nach 3 Absätzen meldete sich die Muse:
Muse: Können wir was anderes schreiben? Das ist fad.
Ich: Nein.
Muse: Faaad.
Ich: Das oder Vienna Calling.
Muse: Nö.
Ich: Dann gibt’s weiter Kuchen.

2 Stunden später waren die essentiellen Fragen um den Kuchen noch nicht alle beantwortet: Wo kommt er her? Wie teilt man ihn auf? Wer bekommt ein Stück? Und was für eine Sorte Kuchen ist es überhaupt? Ich tippte munter weiter.
Die Muse meldete sich, diesmal mit Schaum vor dem Mund:
Muse: Okay, okay, ich hab’s kapiert. Entweder langweilst du mich zu Tode oder ich fange mit dieser Wien-Story an.
Ich: Yep.
Muse: Na schön. Dann lass uns das andere schreiben. Alles, nur damit ich von dem Kuchen wegkomme. Mir kommen schon Krümel aus den Haaren.
Ich: Wenn du das unbedingt willst… gerne. Du erinnerst dich noch, wo wir vor einem Jahr aufgehört haben?
Muse: Nö. Wir haben doch höchstens 2 Szenen geschrieben?
Ich: 3. Und mitten in der dritten haben wir aufgehört. Leo sitzt in einem Café und …
Muse: Und was?
Ich: Du weißt es echt nicht mehr, oder?
Muse: Sag schon.
Ich: … und isst Kuchen.
Muse: *Pause* Ich hol mir einen Strick.

Tja, schauen wir mal, wie es weitergeht. Momentan schreiben wir alternierend an 2 Projekten, bin gespannt, ob ich eines davon fertig bekomme. Mit ziemlicher Sicherheit keines während des NaNo, dazu habe ich zu spät angefangen. Aber ich bin recht zuversichtlich für 2016.
Sofern die Muse das Ruder nicht wieder herumreißt und mit einer 3. Idee daherkommt …

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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5 Antworten zu NaNo 2015: Jery vs. The Muse – 1:0

  1. chickinwhite schreibt:

    Hurray! Zeig´s ihr, Du schaffst das. 😀
    Es ist doch immer wieder erstaunlich, worauf so ne kleine Zicke alles reagiert. Das mit dem kuchen würde bei mir schon mal nicht funktionieren. Nicht nur, weil in meinen Geschichten Kuchen (bisher) einfach nicht vorkam (mag daran liegen, dass wir, meine Muse und ich, kein Getreide essen), sondern weil sie´s wahrscheinlich nicht mal registrieren würde, wenn sie keinen Bock hat.
    Aber der Trick mit dem zu Tode langweilen wird vorgemerkt…
    Allerdings kannst du dich nicht wirklich beschweren! Du bist längst mit Vollgas auf der Überholspur!!
    Und ich bin mal wieder enorm beeindruckt, wieviel man mit Disziplin und Motivation schaffen kann, wenn mann kein weißes Huhn ist.
    Du schaffst das! So wie ich das sehe, hast du die Muse, Leo und den Kuchen voll im Griff.
    GO!GO!GO!!
    Wir sehen uns beim Nano, Buddy! 😉

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    • Jery Schober schreibt:

      Disziplin? Was? Wo? Nie gehört. Falls du sie triffst, schick sie zu mir. Ich wehre mich entschieden gegen Unterstellungen, ich hätte welche.
      Die Muse zu Tode langweilen ist das Einzige, auf das sie wirklich reagiert. Wenn ich erst mal zwei Seiten über die Inneneinrichtung eines Zimmers geschwafelt habe, muss sie aus ihrem Keller kommen und was Besseres vorschlagen, nur um zu beweisen, dass ihr was Spannenderes einfällt. Aber ich fürchte, das Biest hat mich wieder gelinkt, und ihre Rache bade ich gerade aus. Stay tuned for The Revenge of the Muse! Coming soon to a theatre near you …

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  2. para68 schreibt:

    Du hast Dich tatsächlich mit Deiner Muse angelegt. Wow! Aber eigentlich solltest Du wissen, dass man eine Muse nicht wirklich zähmen kann. Sie ist wie ein wildes Tier, ein bengalischer Tiger, ein Grizzly oder ein Velociraptor. Die täuschen Dir eine Zeitlang vor, dass Du die Kontrolle hast und dann … machen sie happs! 😀

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    • Jery Schober schreibt:

      Meine Muse? Ein Velociraptor? *kicher* Sie ist eine Fünfjährige mit Trotzanfall. Keine Klauen, keine spitzen Zähne. Nur jede Menge Sturheit. Und leider gute Ideen.

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      • para68 schreibt:

        Was willst Du eigentlich? Es gab bestimmt auch fünfjährige Raptoren, und die Viecher waren viel kleiner, als uns Jurassic Park vortäuschen will! Und Deine Muse versteckt Klauen und Reißzähne bestimmt nur. 🙂

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