Statusbericht Juni 2015

Der Juni brachte reichlich Regen, Radieschen und Ribisel. (Falls es noch niemand mitgekriegt hat: Meine Muse steht auf Alliteration.)

Gelesen habe ich überraschend viel, was einerseits am miesen Wetter lag, andererseits an dem bewussten Versuch, mehr zu lesen, um den SuB endlich mal abzubauen und den kreativen Brunnen neu zu füllen. Es reicht nicht, ganz viele Bücher zu kaufen, man muss sie auch lesen 🙂
Ich beendete den ersten Teil von Sandersons erster Mistborn-Trilogie, The Final Empire. Ganz großes Kino, mit begnadeten Action-Szenen und einer Plotwendung, die ich nicht mal im Ansatz voraussah.
Ich kämpfte mich durch Lynchs The Lies of Locke Lamora, mit dem ich bis zum Schluss so meine Probleme hatte. Zu viel Erzähler, zu viel Worldbuiling, zu wenig Charakter für mich. Und ein Ende, welches genauso ablief, wie ich es mir dachte. Keine Überraschung, auf die ich so sehr wartete. Wenn ich mir die vielen begeisterten Rezis (wo dauernd von dem genialen Ende geredet wurde und meine Erwartungshaltung dementsprechend gigantisch war) so anschaue, stehe ich mit meiner Meinung eher alleine da, aber he, man kann nicht alles lieben. Mal schauen, ob die Fortsetzung für mich zugänglicher wird und Locke in meinem Charakter-Ranking von „ist mir gleichgültig“ auf „einigermaßen interessant“ wechseln kann.
Ich verschlang die ersten beiden Dangerous Ground-Novellen von Josh Lanyon (Prototypen eines fast-paced read und ein großer Spaß), und mein traditioneller monatlicher Schreibratgeber war ebenfalls von ihm: Man oh Man. Writing Quality M/M Fiction. Das war einer der hilfreichsten Ratgeber, die ich je gelesen habe. Die eine Hälfte beschäftigt sich mit den Gesetzmäßigkeiten des (US-) M/M-Romance-Marktes und bringt nur Autoren dieses Genres wirklich viel, aber die erste Hälfte ist randvoll mit allgemeingültigen Infos für alle Autoren… ich sah selten zuvor eine so gute, präzise und dabei witzige Zusammenfassung von Elementen eines guten Romans. Wobei es egal ist, welcher sexuellen Orientierung die HCs angehören, die Einsichten in Charakter- und Plotentwicklung einer romance sind universeller Natur. Auch Autoren, die mehr über die männliche Psyche erfahren wollen, lege ich dieses Buch ans Herz.

Gesehen haben wir The Return of the Jedi. Nicht mein Liebling der Star Wars-Filme, aber er hat seine Momente.

Gehört habe ich Season 7 und 8 von Writing Excuses. Ja, ich höre mich durch alle durch 🙂 Einige der Themen sind mittlerweile Wiederholungen, aber noch immer hörenswert, und es gibt tolle Gastredner. Ich mag Scott Lynchs Erstlingsroman nicht besonders toll finden, aber er selbst hat einen herrlich trockenen Sinn für Humor.

Geschrieben … ich hab was geschrieben? Echt? Es waren nur diverse Anschlussbits für die Überarbeitung von Stein und Stahl , wo ich immerhin das schöne Erlebnis hatte, dass eine längere Szene dabei war, die richtig Spaß machte zu schreiben. Es hilft, als Autor eine Neigung zum Sadismus zu haben, weil ich es sehr erbaulich finde, meine Charaktere ins Gefängnis zu werfen und dort leiden zu lassen 😀 (character miserable, Jery happy)

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAHighlights:

  • Zum ersten Mal bei Kickstarter mitgemacht, bei gleich 2 Fantasy-Buchprojekten. Beide sind mittlerweile finanziert, und ich bekomme im Herbst/Winter die Ebooks dazu, sowie ein paar Goodies
  • Im Rahmen von Recherche zum ersten Mal in meinem Leben auf einem Schießstand gewesen. Ich durfte mit 2 verschiedenen Pistolen schießen und habe zu meiner grenzenlosen Verwunderung sogar die Zielscheibe getroffen. Nicht wirklich mit tödlicher Präzision *hüstel*, aber ein paar Mal hab ich am Rand das Schwarze erwischt. Wenn mir das öfter beim Bogenschießen gelingen würde, müsste ich nicht dauernd meine Pfeile im angrenzenden Wald suchen gehen…
  • Neuen Physiotherapeuten bekommen, der echt gut ist. Es ist zwar eine Schinderei, aber es bringt was. Ich leugnete die Existenz meiner tiefen Bauchmuskeln. Wir fanden sie. Sie haben die Konsistenz von Pudding.
  • Im 3. Anlauf endlich Cookie-Eis bei Valentino ergattert. Dass das Zeug auch immer aus ist, wenn ich dort auftauche. Ich musste mich vorher mit Whisky-Creme begnügen.
  • Projekt Hochbeet brachte bereits reiche Ernte an Radieschen. Ich wusste auch nicht, dass das Grün an Karotten so hoch werden kann. Muss an der neuen Perspektive direkt vor mir auf Hüfthöhe liegen.

Lowlights:

    • Mein Ex-Hund Keely aka „Socke“ wurde von uns in einer einstimmigen Entscheidung den ewigen Jagdgründen übergeben. Eine Entscheidung, die allen das Herz gebrochen hat, die Socke näher kannten. Man sieht nicht oft eine Tierärztin weinen.
      Wenn man eine treue Wegbegleiterin der letzten 14 Jahre verloren hat, sind alle anderen Lowlights nicht der Rede wert.

Im Juli steht mir die weiterhin die Überarbeitung von Stein und Stahl bevor (ein Autor braucht ein longterm project, sonst wär es doch zu einfach, immer nur neue Sachen zu schreiben). Allerdings denke ich, ich werde langsam was Neues angehen, damit ich meine kreativen Impulse beim Schreiben eines neuen Romans austoben kann und nicht nur brütend auf den Monitor starre und mich frage, wie ich diesen Plot zum Funktionieren bringen soll.
Und was will die Muse an Neuem? Was Zeitgenössisches. Mit Thriller-Elementen. Ohne einen Hauch Fantasy. Ich bin schockiert. Ich hätte niemals eine Waffe abfeuern sollen. Jetzt will die Muse das auch.

Jery
KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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13 Antworten zu Statusbericht Juni 2015

  1. para68 schreibt:

    Na toll, nach Deiner Kurz-Rezi muss ich mir den Schreibratgeber „Man oh Man“ nun auch besorgen. Die letzten Ratgeber, die ich gelesen habe, waren alle nicht so berauschend. Es wird wieder einmal Zeit für einen, der tatsächlich mit sinnvollen Tipps aufwartet – und schließlich bin ich gerade mal wieder mitten in einer Gay Romance.

    Um Keely tut es selbst mir Leid, obwohl ich sie nie kennen gelernt habe. Sie war ein bildhübscher Hund und nach Deiner Beschreibung absolut liebenswert. Möge sie im Hundehimmel ganz viel Spaß haben!

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    • Jery Schober schreibt:

      Schon ’ne Kurz-Rezi reicht für einen Kauf? Dabei liegt das Buch auf dem Stapel für Lang-Rezis 🙂 Allein der „Spickzettel für Frauen, die Gay Romance schreiben“ ist den Preis des Buches wert 😉 Ich hab mir das Taschenbuch gegönnt und wild mit Leuchtstift markiert. Und seitdem 2 Kurzgeschichten, 4 Novellen und 3 Romane von Lanyon gelesen. Einen Krimischreiber. In 3 Wochen. Ich glaub‘ ich bin süchtig. Und dabei mag ich Krimis nicht mal! Ich hab die Befürchtung, dass ich mich durch sein ganzes, umfangreiches Oevre lesen werde… Es war das erste Mal, dass ich direkt nach dem Ende eines Buches noch vom Kindle aus die Fortsetzung gekauft habe. Und am Wochenende kaufe ich die nächsten beiden Romane, weil ich dann mit dem aktuellen durch bin. Verdammt, ich bin süchtig nach Lanyon-Geschichten.

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  2. Christian Weis schreibt:

    R.I.P. Socke …

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  3. chickinwhite schreibt:

    Oh my! Tut mir so leid für dich, dass deine Socke nun wirklich gegangen ist… So sehr man sich darauf vorbereitet und weiß dass es bald soweit sein wird, sie reißen doch immer ein Stück aus dem Herzchen und nehmen es mit, wenn sie gehen…
    Aber dafür lassen sie ganz wunderbare Erinnerungen zurück…
    *drückt dich mal*
    Und sie war wirklich ne richtige Schönheit!
    <<<<<<<<>>>>>>>>

    Oh, du kanntest die Mistborn Trilogie noch nicht? Na dann freu dich auf die nächsten Teile!
    Ich habe in den letzten 2 Jahren halb Sanderson auf Hörbuch gehört! Jaja, ich weiß, das ist nicht jedermanns Sache, aber… mit einem wirklich genialen Sprecher und meinem Mangel an Kraft war das ne Weile die einzig mögliche Variante des Lesens. Und mittlerweile hör ich so manches Buch ein zweites Mal, jetzt auch schon mal aus Gründen der Weiterbildung. (ganz weit vorne: Die Königsmörder Chronik/Patrick Rothfuss! Tolle Bücher! Leider warte ich noch immer auf den nächsten/letzten Teil…) – Und selten ist Hausarbeit so erträglich, wie wenn sie mit einer spannenden Geschichte im Ohr durchgestanden wird… 😛
    Mit dem Schreiben bist du mit einigen Anschlussbits immerhin besser als ich: nachdem im Urlaub in Frankreisch so einiges passiert ist, hab ich danach so gut wie nichts mehr auf die Reihe gekriegt.
    (Klar, es hatte ja auch mörderische 40 ° und ich bin vorm Computer schier zerflossen, aber ich glaube ich hab einfach ein Problem mit Tom! Und der muss nun mal so langsam gefälligst seine Rolle spielen…, der Blödmann * Grummel, grummel…*
    Naja, auf jeden Fall drück ich dir alle Daumen dass du gut weiterkommst mit deiner Überarbeitung!
    🙂

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    • Jery Schober schreibt:

      Ich hab nur die besten Erinnerungen an Socke, und sobald ich nicht mehr in Tränen davonschwimme, wenn ich Fotos von ihr sehe, gibt’s ein dickes Fotobuch zu ihren Ehren.

      Ich hab Mistborn noch nie schön der Reihe nach und komplett gelesen und dachte mir, Zeit wird’s, dass ich es von vorne bis hinten durchlese. Ich war zwar gespoilert, was das Ende anging, aber es war trotzdem toll. Wunderbares Foreshadowing, ein witziger HC und eine wirklich außergewöhnliche Welt. Momentan ist mir allerdings nicht nach Band 2, nach 2 dicken Fantasy-Büchern brauche ich Abwechslung.
      Mit Rothfuss warte ich, bis Teil 3 draußen ist, das gibt mir noch ein paar Jahre 😉

      Ich hab ein paar Hörbücher, allerdings noch nie eines fertig angehört. Ich brauche dazu volle Konzentration, wenn ich das Buch noch nicht kenne, und kann nebenbei nicht mal bügeln. Ich hab’s ausprobiert. Vielleicht sollte ich mir zuerst die Bücher anhören, die ich schon kenne. Bei der Hitze der letzten Tage klingt es verlockend, im Schatten zu liegen, keinen Muskel zu rühren und sich was vorlesen zu lassen.

      Na, na, muss ich jetzt böse gucken? Nichts mehr geschrieben, nachdem du im Urlaub so in Schwung warst? Ts, ts *erhobener Zeigefinger* So wird das nichts, junge Dame. Zurück an die Tasten. Die Welt braucht deine Geschichten.
      Wenn Tom Zicken macht, schick ihn zu mir, er kommt ins Bootcamp für Fieslinge, wo er lernt, ein vorbildlicher Idiot/Bösewicht/Handlanger/Befehlsempfänger zu sein. Wo kommen wir denn hin, wenn Charaktere bestimmen dürfen, wie sie sich entwickeln? Das ist noch immer Sache des Autor *sagte sie und ignorierte das Lachen ihrer eigenen Charaktere im Hintergrund*

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  4. chickinwhite schreibt:

    Bootcamp der Schurken? LOL! Gute Idee!
    Und die „Junge Dame“ *guckt geschmeichelt* hockt schön brav am PC und tut ihr Bestes. Hab Tom einfach nochmal ad acta gelegt. Der kriegt erst am Wochenende wieder ne Chance.
    Dafür hat sich gerade einen netter Assassin um nen Job im Buch beworben. Und so wie er sich vorstellt könnt ich mir sogar ne Festanstellung überlegen… *grinst*

    Sonst alles gut bei dir? Also außer Socke´s Abschied?
    Ich glaub ich muß mich mal wieder ausführlicher melden…
    *winkt*
    hockt schon

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  5. Carmilla DeWinter schreibt:

    Ich danke für den Tipp mit dem Ratgeber und sende unbekannterweise Grüße in die ewigen Jagdgründe.

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  6. dreamertalks schreibt:

    Hi,
    durch Deinen Kommentar in meinem Blog habe ich mich daran erinnert, dass ich zu Deinem eigenen Eintrag noch was sagen wollte! Danke also! 😉
    Ich habe Josh Lanyons Buch auch gelesen, ist schon eine ganze Weile her, aber weil es mich genauso begeistert hat wie Dich, habe ich versucht eine Rezension in meinem Blog zu schreiben, was dann irgendwie eine 4teilige Nacherzählung geworden ist *schäm* aber immerhin hab ich so immer ganz schnell die Tipps greifbar. Wenn Du magst, kannst Du ja mal reinschauen, was ich wovon hielt https://dreamertalks.wordpress.com/2012/03/22/josh-lanyon-writing-mm-for-cash-and-kinks-teil-eins/
    Seine anderen Bücher dagegen waren irgendwie nicht so meines. Ich habe zwei versucht und relativ schnell abgebrochen. Waren die nicht sogar in der Ich-Perspektive? Jedenfalls nicht meine Welt.

    Es tut mir leid um Deinen Hund.
    Meine kleine Hündin ist jetzt 5 Jahre alt und sieht Deine sogar etwas ähnlich. Aber unser großer, dicker, alter Rüde ist jetzt etwas über 12 und insofern hören wir die Uhr auch sehr laut ticken und ich kann mit Dir nachempfinden.
    Aber im Hundehimmel gibt es einen endlosen Knochenvorrat, hab ich mir sagen lassen, und jede Menge Hasen und Mäuse zum Erjagen (darauf würde mein Mädchen Wert legen, da ich ihr das hier unten immer verbiete) 😉

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    • Jery Schober schreibt:

      Ich hab’s meistens auch nicht so mit der Ich-Perspektive, ich bevorzuge mehrere POVs. Vermutlich hab ich deshalb auch einen Bogen um die bekanntesten Serien von Lanyon gemacht. Liegt auch daran, dass ich kein Krimi-Fan bin. Fair Game hat mir sehr gut gefallen, hat zwar nur eine Perspektive, ist aber in der 3. Person geschrieben(Elliot ist ein herrlicher unreliable narrator), und ich liebe die Dangerous Ground-Reihe, wo abwechselnd aus der Sicht der beiden HCs erzählt wird. Da steht aber auch weniger eine Mörderjagd und mehr Thriller-Action im Vordergrund, was mich mehr anspricht (sag „Agent“, und meine Muse will es lesen).

      Socke fände Häschen toll zum Spielen, bloß jagen… nö, gejagt wurde nur der Ball. Alles andere könnte sich wehren 😀 Wir trösten uns mit dem Gedanken, dass ihr Kreislauf die Hitzewelle nicht mehr verkraftet hätte. Ihr erstes halbes Jahr auf der Straße war nicht so toll, aber die nächsten 14 Jahren taten wir unser Bestes, ihr den Himmel auf Erden zu bereiten. Was nichts daran ändert, dass ich ein Loch im Herzen hab, was lange brauchen wird, um zu verheilen. Aber das machen wir alle mit, die wir Haustiere haben. Wir wissen, dass wir (vermutlich) unsere Lieblinge überleben werden, und genießen jede Minute mit ihnen. Was man zurückbekommt, ist unbezahlbar.

      *off to read your blog*

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  7. wiesenirja schreibt:

    Ach, das tut mir leid um Socke! (Gerade erst gelesen.) Ja, so etwas hinterlässt ein großes Loch …
    Lanyon hört sich wirklich interessant an. Soll ich ihn mir nun antun? Um dann rauszufinden, dass ich alles in D.T.B. falsch gemacht habe? 😉
    Grüßle und – Ohren steif halten!

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    • Jery Schober schreibt:

      Willkommen zurück, wo auch immer du Kreativität getankt hast 🙂
      Wenn du Krimis magst, kann ich Lanyon auf jeden Fall empfehlen. Es ist auch immer eine Lovestory mit dabei, die mal viel, mal weniger Raum einnimmt. Er schreibt ausschließlich M/M, also wenn das nichts für dich ist, dann Finger weg.

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      • wiesenirja schreibt:

        Mit Krimis muss ich mich ohnehin mehr auseinandersetzen. Und m/m … Lol! Meine „Drei Tropfen Blut“ sind von einem Verlag genau wegen solchen Inhalts abgelehnt worden! Ich schätze, ich sollte mir diesen Lanyon mal antun.

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