Statusbericht April 2015

Irgendwie kriege ich in letzter Zeit meine Monatsberichte nicht zeitgerecht hin. Bevor der Mai vorbei ist, deshalb ganz schnell eine Rückschau:

Gelesen habe ich die Schreibratgeber Spannung – der Unterleib der Literatur von Hans Peter Roentgen und Self-Publishing Attack! The 5 Absolutely Unbreakable Laws for Creating Steady Income Publishing Your Own Books von James Scott Bell. Beide waren ganz nett. Keine Pflichtlektüre, aber durchaus mit interessanten Punkten. An Spannung mochte ich besonders die Interviews mit Autoren, weil mich immer interessiert, wenn Profis ihre Methoden verraten, und die Positivbeispiele, wie Spannung erzeugt wird. Eine Leseprobe war so gut, dass ich jetzt den ganzen Roman auf meine Wunschliste gesetzt habe. Und vorher genau analysierte, warum mich dieser Ausschnitt so ansprach 🙂
Self-Publishing Attack! verrät keine neuen Geheimnisse, nur die altbekannten Fakten, dies aber auf kurzweilige und charmante Weise. Außerdem lese ich treue Seele jeden Ratgeber von Bell, weil er mir vor einigen Jahren mit seinem Klassiker Plot & Structure die Augen öffnete, was Struktur angeht.

Gesehen habe ich die erste Hälfte der 2. Staffel von Chuck (weiterhin witzig, allerdings nerven mich die B-Plots im Buy More Store zusehends), ein paar MASH-Folgen (wir kommen da irgendwie nicht richtig weiter) und Star Wars – The Empire Strikes Back, für den BEVA zum ersten Mal auf Englisch. Brilliant wie immer.
Wir kamen auch drauf, dass je mehr Sender wir zur Verfügung haben, desto weniger wir uns im Fernsehen anschauen. Wenn, dann wird DVD geguckt.

Gehört habe ich die ersten beiden Seasons von Writing Excuses. Der Podcast von Brandon Sanderson, Dan Wells und Howard Tayler (später kam mit Mary Robinette Kowal noch eine Autorin dazu) ist nur 15 Minuten lang, weil „you’re in a hurry, and we’re not that smart“, beinhaltet aber dermaßen viel Information, Inspiration und Unterhaltung, dass davon ganze Fernsehsender eine Menge lernen könnten. Und Autoren erst Recht. Darin wurden meine Schreibrituale endlich bestätigt (ich hatte schon befürchtet, ich bin die einzige, die eine lange Aufwärm- und Abkühlphase braucht) und meine Zweifel, was meine viel zu langen Romane angeht, etwas beseitigt – he, wenn das Manuskript so furchtbar lang ist, heißt das nur, dass das erste Kapitel umso überzeugender sein muss 🙂

Geschrieben habe ich nichts. Ich war mit dem Überarbeiten von Stein und Stahl beschäftigt. Was hauptsächlich in 2 umfassenden Kürzungsdurchgängen bestand und einer Menge Notizen, was noch alles fehlt, welche Querverbindungen ich herstellen muss, welche Infos aus den gestrichenen Szenen erhalten bleiben müssen und welche Szenen ich neu einfügen muss, damit der Ablauf der Handlung Gleiche bleiben kann.

Ich hab lange überlegt, am Camp NaNo teilzunehmen, aber die Zeit war ohnehin schon knapp, und nach 1.000 herausgequälten Wörtern des anvisierten Projekts hab ich mich von dem Gedanken verabschiedet. Ich bin mehr der klassische November-NaNo-Teilnehmer und sehe auch schwarz für den Juli. Bei Sommerhitze sind meine Gehirnwindungen träge und die Muse arbeitsunwillig.


Highlights:

  • Blütenexplosion am Apfelbaum. Nicht an dem, den ich geschnitten hab (der hatte 3 Blüten), sondern an dem, den ich in Ruhe lasse. Soll mir das etwas sagen?
  • Alles ist saftig grün, was die Laune gleich hebt.
  • Den Belastungstest beim Internisten geschafft – mit Müh und Not, aber ich hab durchgehalten. Was mir das sagt, war eindeutig: Nach dem Winter hab ich Null Kondition.
  • Draufgekommen, dass mein Manuskript kein totaler Fall für die Schublade ist, sondern dass sich mit einigen (zugegeben radikalen) Änderungen ein richtiger Roman draus machen lässt. Keiner mit kommerziellem Potential, aber einer, mit dem ich zufrieden sein kann. Sofern ich weiter dabei bleibe, bei der Überarbeitung gnadenlos vorzuehen. Wie heißt es so schön? Schreib ohne Furcht, überarbeite ohne Gnade.
  • 2 x als Betaleser beworben. 1x angenommen, die 2. Rückmeldung steht noch aus.

Lowlights:

  • Verregnete, kalte Ostern. Ok, damit hab ich ja gerechnet, aber mussten die Schneeschauer wirklich sein?
  • Aufgrund von Gartenarbeit zu sonst nicht viel gekommen. Wer im Sommer/Herbst was ernten will, muss sich im Frühling um die Pflanzen kümmern. Leider geht dafür der Großteil der Wochenenden drauf.
  • Den Pakt verloren. Ich sah Mitte März ein, dass es sich nicht ausgehen würde, Stein und Stahl soweit zu bringen, dass ich es an einen Verlag schicken kann. Grummelnd ergab ich mich meinem Schicksal und darf am 1. Mai alles, was ich zu Echo 1 und 2 geschrieben habe, an meinen Mit-Paktierer schicken. Und auch wenn mir das keiner glauben mag – das ist schlimm für mich. Meine ersten Fassungen sind nur für mich und triefen vor Kitsch, Melodrama und überbordenden Emotionen. Ein Großteil davon fliegt bei der Überarbeitung raus, was kein Trost ist, wenn jemand meine mir überaus peinlichen Ergüsse liest. Zumal diese voll sind von Ungereimtheiten, nie beendeten Szenen, fehlenden Szenen, wozu es gerade mal Stichworte gibt, Recherchelücken… meine Erstfassungen schwanken zwischen schiefem Rohbau, gegen den Turm von Pisa auf stabilem Grund gebaut wurde, und kompletter Baustelle.

Im Mai steht mir die weitere Überarbeitung von Stein und Stahl bevor (und im Juni und im Juli…) und eine Woche Urlaub, die dem Gartenprojekt 2015 dient – Arbeitstitel „Übungsbau für eine Kathedrale“.

Jery

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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10 Antworten zu Statusbericht April 2015

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Mary Robinette Kowal ist irgendwie cool… ich folge ihr auf Twitter und finde es spannend, was sie dort so schreibt.
    Bin eigentlich kein Podcast-Fan, aber vielleicht höre ich mal rein, wer weiß :).

    Und was das Manuskript angeht… Schön, dass du jetzt einen anderen Blickwinkel darauf hast! 😀

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    • Jery Schober schreibt:

      Ich hab mir vor Kurzem Shades of Milk and Honey (Glamourist Histories #1) von Kowal gekauft, hab aber noch nicht mal reingelesen. In einer der ersten Seasons war sie einmal als Gast da, ab da, wo sie regulär zum Podcast gehört, komme ich erst (bin jetzt in Season 4, 2010).
      Writing Excuses finde ich immer besser – heute hab ich in 15 min mehr über epic fantasy gelernt als aus jedem Ratgeber, und es hat mir gezeigt, warum das (noch) nichts für meine Romane ist. Und eine Folge ist so kurz, dass sie sich wirklich schnell irgendwo einschieben lässt 🙂

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  2. para68 schreibt:

    Ich möchte unbedingt ein Foto von eurer „Garten-Kathedrale“ sehen! 🙂

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  3. dreamertalks schreibt:

    Oh, ja, die Garten-Kathedrale interessiert mich auch!
    Ich kenn die Schreibratgeber nicht, die Du genannt hast, und bin gerade in Versuchung, sie zu besorgen. Aber nein! Ich wollte doch keine mehr lesen – obwohl, dass mit dem ebook… Nein, ich bleibe standhaft… vorläufig!
    Ich habe das Camp geschafft, aber nur so halbherzig, dass ich mir nicht mal meine Winner-Icons runtergeladen habe. Es füllt sich irgendwie falsch an. Vielleicht bin ich auch nur der klassische NaNoWriMo Typ? Da macht mir das ganze Drumrum auf jeden Fall mehr Spaß

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    • Jery Schober schreibt:

      Ich bin auf jeden Fall der klassische Herbst/Winter-Schreiber. Vielleicht sehen wir uns ja beim nächsten richtigen NaNo? Ich stell schon mal die Cheerleader-Pompoms bereit.

      Was ich bei Schreibratgebern wirklich empfehlen kann, sind Plot & Structure (der Titel ist Programm) und The Art of War For Writers (kurze Artikel zu jeder Krise, die man haben kann) von James Scott Bell sowie die beiden Ratgeber von Lawrence Block (Krimiautor, ältere Bücher, aber noch immer relevant) und alles von Donald Maass (geschrieben aus seiner einzigartigen Position als Autor, Lektor und Literaturagent extraordinaire).
      Ratgeber habe ich lieber als Printbuch, weil ich mich da mit Textmarkern austobe, kaufe aber mittlerweile nur mehr selten welche, weil sich die meisten wiederholen und für mich nichts Neues mehr bieten. Nach den ersten 50 muss mal Schluss sein 😉

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  4. wiesenirja schreibt:

    Vielleicht schmollt der geschnittene Apfelbaum. Oder findet, er hat für dieses Jahr mit Schnitte-Verschließen genug getan. – Bei mir blühen 2 geschnittene wie blöd und 1 mag nicht. Was folgt daraus? 🙂

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    • Jery Schober schreibt:

      Dass du 2:1 führst, was blühende Bäume angeht 😉
      Der Baum mit den Blutäpfeln hat das Pech/Glück, am weitesten entfernt zu stehen, und weil es mir zu mühsam ist, die gesamte Wiese zu überqueren, lasse ich ihn in Ruhe. Das gefällt ihm anscheinend. Im September gibt das literweise rosa Apfelmus. Wenn nur nicht das Ernten, Kisten-Schleppen und Vierteln wäre…

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      • wiesenirja schreibt:

        Ohne Schweißverguss kein Apfelmus … 😉
        Irgendwie beruhigend, dass auch andere gerade mehr mit Garten als mit Schreiben beschäftigt sind.

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        • Jery Schober schreibt:

          Heute damit beschäftigt gewesen, die Reste der Kapkörbchen zu entsorgen, denen der Hagel zugesetzt hat. Ansonsten: Ab Juni wird’s besser, was die Pflege des Gartens angeht. Da hab ich ungefähr eine freie Woche, ehe die Ernte anfängt 😉

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