Woran Sie (und andere) erkennen, dass Sie Fantasy-Autor sind

Für den 100. Blogpost machte ich mir Gedanken, wie sich das Leben als Fantasy-Autor von dem anderer Autoren unterschreidet. Träumen, lauschen, beobachten und recherchieren ist allen Autoren gemein, aber die aus der Zunft der Phantastik gehen dabei oft absonderliche Wege.
In dem Sinne eine Auflistung von 20 persönlichen Begebenheiten, die mich und vermutlich einige andere als Fantasy-Autor kennzeichnen. Und nur eine davon entspricht nicht ganz der Wahrheit 😉

1. Sie besitzen neun Bücher über Waffen und Rüstungen. Nur drei davon beinhalten Schusswaffen und davon sind zwei über antike Schusswaffen. Für den Fall, dass Sie einmal Flintlock Fantasy schreiben. Wofür Sie natürlich schon eine Idee haben.

2. Als Sie 18 sind, beschwert sich Ihr Vater, dass Sie immer nur „dieses Zeug mit Drachen, Rittern und Magie lesen“. Sie sollten doch mal „was Vernünftiges lesen“.
Als Sie 22 sind, macht Ihr Vater den Vorschlag, ob Sie nicht was Ähnliches wie Harry Potter schreiben könnten. So etwas „scheint sich gut zu verkaufen.“

3. Sie sitzen an einem heißen Augusttag in Triest in einem Cafe unter einem Sonnenschirm. Vor Ihnen geht ein Assassine aus Assassin’s Creed über die Piazza della Libertà. Alle Menschen drehen sich nach ihm um und starren ihm nach. Sie nippen nonchalant an ihrem Aperol Sprizz, drehen sich zu Ihrem Begleiter um und fragen: „Ist das Altair oder Ezio?“
Er sieht der weiß gekleideten Gestalt mit der Kapuze nach und antwortet: „Kann ich von hinten schwer sagen, ich müsste ihn von vorne sehen. Aber rein von der Umgebung her wäre Ezio passender.“

4. Ihr perfekter Urlaub ist eine Rundreise durch Südengland, wo Sie in 12 Tagen 11 Schlösser und Burgen besichtigen.

5. Nicht nur, dass Sie in 12 Tagen 11 Burgen gesehen haben, Sie kaufen auch zu jeder Burg alle Infobücher mit Grundrissen, Fotos und Geschichte, um später Recherchematerial zu haben und sind dem National Trust wirklich dankbar für die Nachschlagewerke.

6. Sie verdonnern einen Freund/Partner/Kollegen mit grafischem Geschick dazu, eine Landkarte Ihrer fiktiven Fantasy-Welt zu zeichnen.

7. An der Wand hinter Ihrem Schreibtisch hängt besagte Landkarte Ihrer fiktiven Fantasy-Welt im Format DIN-A0. Damit Sie nicht aufstehen müssen, um die Namen der Orte lesen zu können.

8. Auf einem Mittelaltermarkt interessiert Sie hauptsächlich der Schmied. Sie quetschen ihn aus, wie man Schwerter herstellt, und probieren jede der ausgestellten Waffen aus.

9. Bei einer Vorführung einer Schaukampftruppe fotografieren Sie jeden Kampf im Detail, um ein besseres Gefühl für die Schwertkampfszenen in Ihrem Roman zu bekommen.

10. Sie stellen die Kampfszenen in Ihrem Roman nicht mit Kegeln aus Mensch ärgere dich nicht nach, sondern mit selbstbemalten Zinnfiguren.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

11. Eine ehemalige Kollegin Ihres Mannes erwähnt ihm gegenüber, dass ihr Sohn gerne Fantasy liest. Der Sohn wird sofort als Testleser verpflichtet, auch wenn Sie ihn nicht kennen.

12. Jedes Mal, wenn Sie der Meinung sind, Sie hätten sich ein originelles Magiesystem ausgedacht, stellen Sie fest, dass Brandon Sanderson es bereits vor Ihnen entwickelt hat. Und viel besser.

13. Mit 10 Jahren kennen Sie mehr lateinische Bezeichnungen von Sauriern als englische Vokabel. Ihre Mutter sieht Sie bereits als Star der Archäologie. Sie denken sich nur, dass Saurier auf diesem Planeten Drachen am nächsten sind, und finden sie deshalb faszinierend.

14. Ein Spielzeugritter aus Hartgummi auf einem Pferd steht auf Ihrem Bücherregal. Gegenüber von einem Drachen. Er bewacht eine Elfe. Die auf einem Einhorn sitzt.
Und Sie finden das völlig normal für jemanden über 30.

15. Sie erstellen seit Sie schreiben können Listen mit Fantasynamen für Helden, Orte und Pferde. Als sie älter werden, entwickeln Sie zum Spaß verschiedene Sprachsysteme mit Grammatik und Vokabeln, weil sie eines davon für ein Volk in Ihrem Roman brauchen könnten.

16. Neben Ihrem Schreibtisch liegt die Replik eines Renaissance-Dolches. Nicht als Brieföffner, sondern zur Inspiration.

17. Sie sind dankbar, dass Sie als Kind Reitunterricht hatten, weil Sie so authentischer Reisen zu Pferd beschreiben können.

18. Als Ihre neue Kollegin erzählt, dass sie ein Pferd besitzt, sind Ihre ersten Fragen: „Welche Rasse, wie groß, und welche Strecke schafft es an einem Tag?“
Sie müssen gerade ausrechnen, wie schnell Ihre Heldengruppe zu Pferd von Ort A nach Ort B kommt, und es trifft sich, dass Sie eine neue Informationsquelle aufgetan haben.

19. Sie haben die Extras auf den Herr der Ringe-DVDs öfter gesehen als die Filme selbst, um mehr über Waffen, Rüstungen und Kleidung zu erfahren.

20. Ihr perfektes Weihnachtsgeschenk ist ein Rapier. Als sie einer Kollegin davon berichten, werden Sie verständnislos angesehen. „Was ist ein Rapier?“
„Ein Schwert.“
„Warum hast du dir ausgerechnet ein Schwert gewünscht?“
Sie verstehen die Frage nicht. Wie kann sich jemand kein Schwert wünschen?

Bonuspunkt 21:
Der Heiratsantrag Ihres Freundes basiert auf einem Zitat Tolkiens zu dem „einen Ring“.

Jery
one ring 001

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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11 Antworten zu Woran Sie (und andere) erkennen, dass Sie Fantasy-Autor sind

  1. chickinwhite schreibt:

    Oh WOW! 100. er Post??
    GRATULIERE!!! – Ich sag ja du bist ein fleißiges Menschenkind 😉
    Deine 20 Punkte sprechen wirklich eine deutliche Sprache *lacht*. Du bist auf keinen Fall der Typ Rosamunde Pilcher… Hihi…
    Lass mal sehen… Hmm…
    Punkt 4 und 5 unterschreib ich blind. Nirgends gibt´s so wunderbare Inspiration wie in Südengland. Schaurig schön! (Ausser natürlich Neuseeland… für das ausschweifende Landschaftsepos… Du weißt was ich meine 😉
    Punkt 11 – ohja, ich habe plötzlich ganz neue Freunde, manche kenn ich nicht mal… Aber sie werden dran glauben müssen…
    Punkt 12°°° Oh my! Der Moment an dem die Euphorie aber so was von in Staub zerfällt… Mist!! Aber er kann´s halt…
    13, 15, 17, 18 YES!!! Es wird sicherlich nie eine Story geben in der nicht ein paar Pferde mitspielen… GANZ sicher.
    (Oh, hab ich dir erzählt dass in Broken Chains ein Pferd eine der …tragenden Rollen spielt (Und das ist jetzt nicht nur im reiterlichen Sinn zu verstehen… Vlt. solltest du doch lesen??? *guckt unschuldig*)
    19? Oh, neben Herr der Ringe hab ich auch sämtliche Extras einer gewissen Serie schier auswendig gelernt, Kostüme, Making of… ALLES! Passt!! 😀

    Nun 20 *seufzt* nöööö…. 😦
    und an DEN!! Sonderpunkt 21 – kommt ja nun so rein GAR NIX mehr ran…

    Gratuliere! Also nicht nur zum Post, sondern auch zum Inhalt. Und ganz herzlich zum Sonderpunkt…
    *smirks*

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    • Jery Schober schreibt:

      Ich bin froh, dass ich nicht die einzige bin, denen es so geht 🙂

      Hm, ein besonderes Pferd in Broken Chains… ich überleg’s mir *guckt auf ihre Leseliste* Ich muss sehr alt werden, um all das lesen zu können, was ich lesen will.

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  2. Carmilla DeWinter schreibt:

    Hmm. Kann nicht bei vielem unterschreiben, aber so ähnlich, ja. Ein knapper Regalmeter Magie und vergleichendende Religion, ein knapper Regalmeter historische Sachbücher und Karten zum Rumlesen und ggf. Vertiefen. Ansonsten: Sporadisch, aber dann intensiv genutzte Karte der lokalen Bücherei für die Fachliteratur. (Meine Leutchen prügeln sich so selten mit Waffen. Wozu auch, wenn sie zaubern können?)
    Bei einer Diskussion im Kino hinter mir umdrehen können und den Jungs erklären, dass Captain Americas Schild aus Vibranium besteht, welches sich von Adamantium unerscheidet.
    Capslock-MEINUNGEN zum Thema Religion haben, und darüber, ob Fantasy grundsätzlich keine Wahrheit beinhaltet.
    Eine halbe Stunde lang darüber lästern können, warum der dritte Hobbit-Film nichts taugt, mit Buchbezügen.
    … Offensichtlich nähern wir uns dem selben Genre aus zwei unterschiedlichen Richtungen (aber anders wäre ja auch langweilig).

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    • Jery Schober schreibt:

      Meine armen Nicht-Zauberer müssen noch ganz klassisch zu Waffen greifen (was im Antreten gegen Magier ihre Überlebenschancen drastisch verringert).
      Den 3. Hobbit-Film hab ich noch nicht gesehen, aber die Meinungen darüber, die ich gehört habe, sind eher… gemischt. Mit Tendenz zur negativen Seite.
      Ein Hoch auf Büchereien, v.a. die gut sortierten, die Sachbücher abseits von Diäten, Gartenarbeit und Reiseführern führen.

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  3. para68 schreibt:

    Natürlich habe ich mich sofort gefragt, welcher Punkt nicht so ganz der Wahrheit entspricht. Die Dinosaurier, die bemalten Zinnfiguren, der Harry Potter-Ratschlag und das Rapier sind ohne Abstriche wahr. Bei den anderen muss ich noch überlegen. 🙂

    Mir ist durch Deinen Beitrag klar geworden, dass ich wohl nicht die Richtige bin, um jemals Fantasy zu schreiben. Waffenkunde ist mir nicht nur völlig fremd, sondern reizt mein Interesse auch nur rudimentär. Durch Südengland würde ich unglaublich gern mal reisen, aber eine Burg-Besichtigung würde mir allemal reichen. Dafür würde ich lieber stundenlang an der Jurassic Coast nach Fossilien suchen. 🙂

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    • Jery Schober schreibt:

      Gegen Fossiliensuche hätte ich auch nichts einzuwenden, egal an welcher Küste.
      Fantasy beinhaltet nichts zwangsläufig Waffen. Das Genre ist recht dehnbar, nicht mal Magie ist zwingend erforderlich. Also sag niemals nie, vielleicht kommt mal eine Idee dahergeflattert… 😉

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  4. dreamertalks schreibt:

    Bei Punkt Nr. 14 mußte ich so lachen, dass ich den Drachen, die Elfe, den Waldwanderer, die Mäuse und den Zauberer aus Versehen umgeworfen habe. Die auf meinem Schreibtisch stehen. Direkt vor mir. Bei der Gelegenheit hätte ich eigentlich Staub wischen können, aber jetzt mußte ich erst mal die richtige Ordnung wieder herstellen *gg*
    (ja, ich bin über 30)

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