NaNo 2014 – Gewinner!

Winner-2014-Web-BannerDieser NaNo war der erste, der mir relativ leicht fiel. Kein verzweifeltes ich-muss-15k-in-3-Tagen-aufholen-Schreiben, kein Durchhänger von fünf Tagen hintereinander ohne Wordcount, keine größeren Krisen und keine Panikattacken. Es war nahezu langweilig 😉

Das lag zum einen daran, dass ich das Spiel ja schon kenne und weiß, wie ich es angehen muss, damit ich den NaNo schaffe:

  • eine Planung der zu schreibenden Szenen, nicht unbedingt im Detail, aber doch eine so genau Handlungsplanung, damit ich weiß, was als nächstes in der Chronologie ansteht, und ich nicht ins Schwimmen komme. Oder Ausreden habe wie „ich weiß nicht, wie es weitergeht, ich muss erst darüber nachdenken“.
  • die Tage wissen, an denen ich nicht zum Schreiben kommen werde, und die Anzahl verdoppeln. Diesmal waren es 2 Tage, wo ich soziale Verpflichtungen hatte. An 4 Tagen habe ich nichts geschrieben, also scheint die Rechnung bei mir zu stimmen.
  • Den täglich zu erreichenden Wordcount dementsprechend hochschrauben. Ich gab mir selbst statt der üblichen 1.667 Wörter pro Tag 2.000 vor und hielt mich meistens daran.
  • ein paar Tage auf Vorrat schreiben. Am Wochenende schaffte ich pro Tag 3 – 4,5k, was für mich eine ziemliche Menge ist. Damit schrieb ich mir immer einen kleinen Vorsprung raus, den ich unter der Woche zwar nicht vergrößern, aber halten konnte.
  • Motivationsmuffins. Wirken Wunder bei mir. Nach dem vierten hab ich so ein schlechtes Gewissen, weil ich die ja vor dem Schreiben bekomme, dass ich mich pflichtschuldigst hinsetze und mindestens 3k raushaue. Der Deal war so was wie „1.000 Wörter pro Muffin“ (ich konnte den BEVA runterhandeln von seinen vorgeschlagenen 10k/Muffin), und weil die Dinger so gut sind und ich nicht aufhören kann, muss ich nach dem Verschlingen viel schreiben, um sie mir wenigstens im Nachhinein verdient zu haben.
  • Motivationsfreunde. Dieses Jahr hatte ich zum ersten Mal verstärkten Kontakt mit anderen NaNo-Teilnehmern, womit die Bürde des einsamen Streiters etwas aufgehoben wurde. Es war sehr spaßig, sich gegenseitig Motivations-Mails zu schreiben, anzufeuern, zu beglückwünschen und vorzujammern, wie langweilig die Story ist, wie dämlich die Charaktere und wie sehr einem real life in die besten Absichten reinpfuscht. Jetzt hoffe ich, das eine oder andere im NaNo begonnene Projekt einmal lesen zu dürfen *hint*

Zum anderen trickste ich die Muse aus. Bis jetzt hielt sie sich nie an meinen Plan, was wir schreiben würden, was schon mal für 1-2 Tage Verzögerung sorgte, weil ich damit beschäftigt war, mir im Schnellverfahren einen Plot für eine neue Sache aus den Fingern zu saugen. Diesmal stellte ich mich auf eine zeitgenössische Liebesgeschichte ein, plottete sie – bis auf den Showdown – brav durch und war nicht mal ansatzweise überrascht, als es pünktlich am 1.11. was anderes wurde. Zum Glück etwas, das schon lange fertigeschrieben gehört, und so saß ich – bis auf 2 Szenen – die ganze Zeit an Stein und Stahl.
Ich hatte mit dem Projekt 2011 angefangen, als ich dringend eine Pause von meinem ersten Roman brauchte. Das Problem war, dass ich damals nur eine grobe Idee hatte und einfach wild drauflos schrieb und noch wilder in der Chronologie rumhüpfte, von Candy Bar Scene zu Candy Bar Scene, wie ein Schmetterling auf der Suche nach der nächsten hübschen Blüte. Diese ganzen Szenen beschäftigten sich mit Charakterentwicklung und der Beziehung der Charaktere untereinander, hatten aber nur rudimentär mit dem Hauptplot zu tun. Da ich mit anderen Projekten beschäftigt war, schob ich Stein und Stahl erst mal vor mir her, um es „irgendwann“ abzuschließen.

Nach einer Woche im diesjährigen NaNo brauchte ich auch einen Tag, um den restlichen Plot aufzuschlüsseln, damit ich endlich weiß, wo die ganzen Elf-Mensch-Kind-Szenen hinkommen und wie der Plot genau abläuft. Also der fade Teil, in dem ich sauschlecht bin. Hauptproblem war dabei, den Hauptplot (eine eher banale Rachegeschichte) so zu gestalten, dass der Leser dabei nicht einschläft und nicht jede Entwicklung nach dem 3. Kapitel schon kommen sieht, und es so zu tun, dass ich mit 3 POV-Charakteren auskomme. Hab lange überlegt, ob ich den Bösewicht als POV dazu nehme, und mich dagegen entschieden. Er hätte nur wenige Szenen gehabt, vielleicht 3 oder 4, und keine davon ist so gestaltet, dass die Ereignisse darin nicht in andere Szenen (als Ergebnis der Handlungen des Bösewichts) eingebaut werden könnten. Ist zwar manchmal mühselig, aber he, wir wollen doch nicht, dass das Schreiben einfach ist.

Bleibt folgendes Fazit:
Geschriebene Wörter: 53.757
Ziel von 50k erreicht am: 27.11.2014
NaNo-Goodies: eine Schachtel Pralinen (von mir an mich) und das offizielle NaNo-Winner-Shirt, das mit dem Drachen. Hat der BEVA am 3.11. bestellt. Das nenne ich Optimismus. Er überraschte mich am 27.11. damit, was auch permanente Meldungen wie „du hast heute nur 1.800 Wörter geschrieben. Schwach. So wirst du den NaNo nie gewinnen“ erklärt. Ich durfte das Shirt ja nur haben, wenn ich auch gewonnen habe, und er wollte nicht auf dem Leiberl sitzenbleiben.

Das Ausbleiben der sonstigen Euphorie nach dem Gewinn eines NaNo führe ich darauf zurück, dass nochmal 50k vor mir liegen, um Stein und Stahl abzuschließen, um dann aus der fertigen Erstfassung 100k herauszuschneiden. Ich wünschte, ich hätte eine ökonomischere Schreibweise, aber bis jetzt ist das leider die einzige Art, auf die ich anscheinend arbeiten kann *grummel*

Allen anderen Gewinnern meine herzlichsten Glückwünsche, an alle, die es nicht geschafft haben: Ihr habt es immerhin versucht und habt etwas geschrieben, was ihr vorher noch nicht hattet, und allen Autoren, die es noch nie versucht haben: Probiert es aus. Für manche ändert sich nichts durch den NaNo, für andere öffnet es neue Welten.

Jery

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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24 Antworten zu NaNo 2014 – Gewinner!

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Glückwunsch! Ich freu mich für dich *-* Trag dein T-Shirt mit Stolz!

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  2. Iris schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch! Ich hab’s nicht geschafft…

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  3. Martina Riemer schreibt:

    Gratuliere dir zum bestandenen Nano!! Bei mir hat es ja nicht gereicht… aber ich schreib einfach im Dezember weiter :p

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    • Jery Schober schreibt:

      Macht doch nichts, du bist eben ein Halb-NaNo-Gewinner, ist doch auch super. Schreib weiter in dem Tempo, dass dir genehm ist. Wichtiger als schnell fertig zu sein ist, dass das Buch gut ist, also besser mit Ruhe und Muße, als sich zu stressen. Und irgendwas will man ja auch von der Weihnachtsstimmung mitkriegen 😉

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  4. para68 schreibt:

    Herzlich Glückwunsch zum mehr als rechtzeitig beendeten NaNo! Das T-Shirt und die Muffins hast Du Dir redlich verdient. Ich gehe davon aus, dass Du die Erstfassung von „Stein und Stahl“ spätestens bis zum 30. April 2015 fertig hast (Pakt) und ich dann auch mal Betaleserin sein darf. 🙂

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    • Jery Schober schreibt:

      So, danke vielmals, jetzt hab ich die Panikattacke, die ich bislang vermisste. Ich hab nur mehr 5 Monate, um das Buch zu beenden, zu überarbeiten, an Betaleser zu schicken, nochmals zu überarbeiten und abzuschicken *nach Luft schnapp* 5 Monate! Fünf!!! Das geht sich nie aus *sniff* Warum hab ich bloß ja gesagt zu diesem Wahnsinn mit dem Pakt?

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      • para68 schreibt:

        Ich wollte keinesfalls eine Panikattacke bei Dir auslösen. Offenbar habe ich bezüglich des Pakts etwas missverstanden. Ich dachte, dass es darum ginge, die Erstfassung eines Romans fertig zu haben. Das würdest mit Stahl in fünf Monaten schaffen. Was passiert eigentlich, wenn keiner von euch beiden bis Mai einen Roman „verlagsfertig“ hat? Alle Haare bei beiden ab? 🙂

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        • Jery Schober schreibt:

          Ich hab jetzt lange genug in ein Papiersackerl geatmet und bin wieder ganz ruhig 🙂 Es geht beim Pakt darum, bis zum 1.5.2015 Verlage angeschrieben zu haben, und das geht meines Erachtens nur mit einem fertigen Buch. Deshalb hab ich bissi Druck… Bei Nichteinhaltung verliert der Mitpaktierende seinen Bart, ich muss alles, was ich zu Echo geschrieben habe, herausrücken. Da sind so viele Sachen dabei, die mir über die Maßen peinlich sind, dass ich mir langsam denke, dass Haare abschneiden die bessere Wahl gewesen wäre.
          Na, mal schauen, ich hab noch 5 Monate. Um etwas zu überarbeiten, was noch nicht mal ansatzweise fertig ist. Ok, wo ist mein Papiersackerl?

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          • wiesenirja schreibt:

            Autsch! :->=>

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          • para68 schreibt:

            Gaaaanz ruhig bleiben! Es geht hier immerhin um einen Mann, der einen Bart hat, seit ihm einer wächst. Da ist es für ihn die absolute Horror-Vorstellung, sich das Prachtsrück abzurasieren. Wart mal ab, wenn beide Romane nicht verlagsreif sind, wird er Dir einen Vergleich anbieten: er darf seinen Bart behalten, und Du musst ihm „Echo“ nicht zum Lesen geben.
            Wenn alle Stricke reißen, hier folgende Rechnung: Du kannst es schaffen in 5 Monaten die erste Fassung zu beenden, ein tolles Exposé zu schreiben und die ersten ca. 50 Seiten gründlich zu überarbeiten. Mehr brauchst Du für eine Bewerbung bei einem Verlag nicht. Während Du auf Reaktionen von den Verlagen wartest, kannst Du in Ruhe den Rest des Manuskripts überarbeiten. Also weg mit der Papiertüte! 🙂

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          • Jery Schober schreibt:

            Aber ich mag mein Papiersackerl… ich hab schon eine persönliche Beziehung zu ihm aufgebaut. Es heißt Anton. Anton sitzt auf dem Schreibtisch und sieht mir zu, wenn ich schreibe. Anton und ich sind dicke Kumpels geworden.

            Ich brauche wirklich dringend Urlaub, sonst male ich Anton bald Augen.

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  5. Hanna M. schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch!

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    • Jery Schober schreibt:

      Danke! Bin deinem motivierenden Vorbild gefolgt und hab mich von Schnupfenviren nicht unterkriegen lassen (es ist eine Allergie, es ist ganz sicher eine Allergie…*nies*).

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      • Hanna M. schreibt:

        Wobei ich schon fand, dass das Denken nur sehr zäh geht, wenn die Kanäle im Kopf verstopft sind. Aber, was uns nicht umbringt … 😄 Gute Besserung!

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        • Jery Schober schreibt:

          Bei mir hilft es anscheinend, wenn ich beim Schreiben nicht allzu viel denke *g* Brauche keine Genesungswünsche mehr, danke trotzdem. Die Erkältung wurde im Keim erstickt durch Autosuggestion („blöde Pollen im November…“) und Magenspülungen mit Schilcher. In der Steiermark gilt: Schilcher hilft gegen und für alles. Und wenn es nichts hilft, dann ist dir nach 3 Gläsern immerhin egal, wie du dich fühlst 😉

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    • para68 schreibt:

      Aha, sehr aufschlussreich. Mit wem fährst Du in den nächsten Urlaub? Mit Anton oder dem BEVA? 🙂

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  6. chickinwhite schreibt:

    LA OLA!!! Von mir bekommst du eine Begeisterungswelle! Und wenn dir deine Euphorie nicht ausreicht: ich hab genug und kann teilen 🙂
    Ja, verdient ist verdient! Und an irgendeinem Punkt wirst du dich auch nicht mehr rausreden können mit „ist noch nicht fertig“ sondern das Prachtstück wirklich mal öffentlich machen… Da bin ich dann auch schon sehr gespannt drauf! Zumal ich den HC schon unbekannterweise sehr sympathisch finde 🙂
    Ein Hoch auf NaNo! Ohne diesen Monat wären wir (ähm, also ich) noch immer nur am reden von den großen Plänen… Und ich hab ja keine Erfahrung wie´s ohne Buddy ist, aber ich sag von Herzen DANKE! Hat echt Spaß gemacht! (und ich hab dir noch ne NaNoMail geschickt für künftige PepTalks… 😀

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    • Jery Schober schreibt:

      Danke, ich fühl schon etwas von deiner Euphorie auf mich überschwappen… 🙂
      Ich sag auch danke fürs Anfeuern – nächstes Jahr, gleiche Zeit? Weil einmal NaNo, immer NaNo…

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  7. luisahenke schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch! 🙂
    Vielleicht sollte ich mir mal ein paar Motivationstricks von dir abgucken 🙂

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