Pre-NaNo: Leben und Leiden mit einer Muse

Diejenigen unter euch, die mich schon ein wenig länger kennen, wissen, dass ich im November in der Versenkung verschwinde und mich dem Wahnsinn des National Novel Writing Month, kurz NaNo, hingebe. Da mich diese Versenkung heuer bereits zum 5. Mal aufnimmt, betrachte ich mich als kleinen Veteranen.

Was habe ich aus meinen bislang 4 NaNos gelernt? Dass meine Muse ein zickiges kleines Biest ist und nichts von Kooperation hält. Ein Rückblick auf die letzten 4 November zeigt vor allem eines: Mein Durchsetzungsvermögen gegenüber meiner Muse ist gleich Null.

Ein kurzer Rückblick:
1.11.2010:
Ich: Los geht’s, lass uns diesen Fantasy-Roman angehen, von dem wir ein grobes Plotgerüst haben.
Muse: Nee, lass mal, ich will lieber diese Science Fiction Sache machen.
Ich: Von der haben wir keinen Plot, nur eine Grundidee.
Muse: Hast du dich auf der Homepage nicht informiert? Das Motto des NaNo lautet „No plot, no problem.“

1.11.2011:
Ich: Ich brauche Abwechslung von dem Fantasy-Roman, den wir grad schreiben.
Muse: Du willst Abwechslung von den Jungs aus Echo 1? Sicher. Wir schreiben das Prequel.

1.11.2012:
Ich: So, ich bin bereit. Wir haben gestern Echo 1 abgeschlossen. Was gönnst du mir zur Abwechslung? Vielleicht was Zeitgenössisches?
Muse: Die Fortsetzung.
Ich: Wir haben nur einen rudimentären Plot zu Echo 2.
Muse: Kein Problem. Schreib auf, ich diktiere…

(Zur Ehrenrettung der Muse sei gesagt, dass sie es tatsächlich schaffte, sich einen detaillierten Plot inkl. Szeneneinteilung für den kompletten Roman einfallen zu lassen und ich am nächsten Tag damit beginnen konnte. Ein bis heute einmaliges Erlebnis, weil wir sonst Tage, wenn nicht Wochen zum Plotten brauchen.)

1.11.2013:
Ich: Ich wollte ja Frost und Feuer fertigschreiben, aber du hast sicher andere Ideen, deshalb hab ich erst gar versucht, mir den Plot fertig auszudenken.
Muse: Schade. Ich wär für Frost.
Ich: Willst du, dass ich dich umbringe?
Muse: Kannst du nicht, weil ich ein Teil von dir bin. Und jetzt setz dich an den Laptop, plotten wir das Ding halt schnell durch…
SONY DSCSo ist es mit einer Muse – ich kann nicht mit ihr leben, aber ohne sie geht es auch nicht. Sie ist für die spannenden Einfälle verantwortlich, sie hat alle Querverbindungen zu Szenen, die für mich keinen Zusammenhang haben, und wenn sich ein cooler Twist ergibt, dann sicher nicht, weil ich ihn mir mit voller Absicht einfallen ließ, sondern weil die Muse das ausspukte.
Uns verbindet eine gesunde Hassliebe.

Für dieses Jahr plane ich, ausnahmsweise etwas außerhalb des Fantasy-Genres zu schreiben, eine schlichte zeitgenössische Liebesgeschichte um einen Kellner in München. (Als Hacker, Codeschlüssel, eine Glock und ein alter Fiat auftauchten, war klar, dass ich „schlicht“ nicht kann.)
Wie gesagt, das ist mein Plan. Was die Muse vorhat? Keine Ahnung. Ich fürchte mich davor.
In den letzten Wochen wurde ich konfrontiert mit Echo 3 (vollkommen aussichtslos, da mache ich sicher nicht mit, solange Band 1 nicht überarbeitet wurde), Frost und Feuer (hat nur Sinn, wenn der Vorgänger Stein und Stahl beendet ist, was er nicht ist), dem erwähnten Stahl (da wär ich stark dafür, weil mir ja ein Pakt im Nacken sitzt), der Kellner-Sache und – oh großer Gott – Urban Fantasy. Ich lese das so selten, warum sollte ich es schreiben?

Ich lasse mich überraschen, was am 1.11. wirklich geschrieben wird. Sollte ich meine Liebesgeschichte durchsetzen, wäre es das erste Mal, dass die Muse macht, was ich will. Ich hätte gewonnen. Ob sie das zulassen kann?

Jery

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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15 Antworten zu Pre-NaNo: Leben und Leiden mit einer Muse

  1. para68 schreibt:

    Dann wünsche ich Dir trotz zickender Muse schon mal ganz viel Spaß und Erfolg beim Schreiben! Ich bin auf das Ergebnis sehr gespannt. 🙂

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    • Jery Schober schreibt:

      Danke. Der Spaß wird wie immer gemischt sein mit Panikattacken, Verzweiflungsanfällen und Phasen tiefer Mutlosigkeit, kombiniert mit Trotz-Mentalität, Ungläubigkeit und Scheuklappenschreiben.
      Ich bin momentan nicht auf der Ergebnis, sondern das Projekt gespannt. Noch habe ich auf der NaNo-HP keins erstellt, weil ich keine Lust habe, das wieder mal am 1.11. ändern zu dürfen…

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  2. chickinwhite schreibt:

    Na, das hört sich ja wirklich spannend an… 😉
    Deine Muse scheint mir ein sehr selbstbewusstes Wesen zu sein. Es würde mich nicht wundern wenn sie nach der Vorgeschichte nun mit etwas komplett anderem um die Ecke kommt. Ich drück dir jedenfalls die Daumen für einen einigermaßen einträchtigen Start in NaNo.
    Ansich hat ja eine Muse die weiß was sie will (und das auch vehement gegen ihre Autorin verteidigt) auch was Gutes. Ok, vielleicht nicht auf Anhieb, aber wenn du so zurückschaust hat sie dir doch immerhin schon einiges an Geschriebenem Wort beschert, von dem du zumindest im Vorfeld nicht mal wusstest, dass es in deinem Hinterkopf hauste…

    Deinen Pakt finde ich sehr interessant! Dein ehemaliger Co-Autor macht aber nicht mit bei NaNo? Immerhin ist ja Mai nicht mehr soooo lange hin…
    Auf jede Fall bist du bestens gerüstet für November! Mit einem Gatten inkl. NerfGun, einer Muse mit spontanen Ideen, nem schönen Weinfass im Keller, in dem gefesselt und geknebelt der innere Kritiker sitzt…
    – oh, und ´nem neuen Buddy *grinst* 🙂

    Ich bin da wohl eher der Einzelkämpfer… *seufzt* Mein Umfeld hatte bisher weder größeren Sinn und Verständnis für meine Schreiberei, noch irgendwelches Interesse daran. Bleibt also meine Muse mit der ich Plots und Charaktereigenschaften bequatsche. Und die gibt sich immer wieder, sagen wir mal…. eigen. Obwohl sie im Großen Ganzen und dafür dass wir uns ja erst vor ein paar Jährchen begegnet sind, auch schon ganz zutraulich und knuffig sein kann… Aber natürlich nur wenn es ihr in den Kram passt… 😉

    Ich drück uns beiden die Daumen, dass die beiden Ladies ordentlich mitspielen ab nächster Woche!! Bin schon sehr gespannt welches Ass deine aus dem Ärmel zaubert… 🙂
    *winkt*
    Mo

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    • Jery Schober schreibt:

      Ob mein Pakt-Teilnehmer ebenfalls beim NaNo dabei ist, weiß ich noch nicht *winkt an CoA* Ich weiß, dass es bis Mai nicht mehr so lange, und bis dahin muss der Roman nicht nur geschrieben, sondern komplett überarbeitet sein *bibber*
      Ich tröste mich damit, dass ich im Winter immer besser vorankomme als im Sommer und hoffe auf eine kooperative Muse und ein Wunder.
      Im Keller sitzt der innere Kritiker schon lange, und unter seinem Weinfass habe ich in einer Schleuse des Panama-Kanals die Selbstzweifel verscharrt, die zwar gerne zombiemäßig wiederauferstehen würden, aber jedes Mal von den Jungs im Keller eins mit der Schaufel übergebraten kriegen. Die Jungs sind übrigens die eigentlichen Arbeiter und schuften unter dem Kommando der Muse. Ob es beginnende Schizophrenie ist, wenn sich in meinem Unterbewusstsein so viele verschiedene Personen tummeln?

      Hab mir erlaubt, dich beim NaNo als Schreibkumpel zu „adden“, wie man so schön auf Neudeutsch sagt 🙂

      Musen sind allesamt egoistische, anmaßende, zickige Biester, die nur solange zutraulich sind und mitspielen, solange sich alle nach ihrer Pfeife richten. Lass dich nicht täuschen, die sind nur zufrieden, wenn sie Charaktere und Autoren an den Rand des Wahnsinns bringen.
      Falls du eine Schulter zum Ausheulen brauchst, wenn dich das Einzelkämpfertum zu sehr mitnimmt, dann klag mir dein Leid, ich bin immer froh, wenn ich eine Ausrede zum Nicht-Schreiben habe, äh, ich meine natürlich helfen kann 😉 Ich habe das Glück, einen Mann zu haben, der mich beim Schreiben voll unterstützt, und gute Freunde, die sich meine Jammerei anhören und verständnisvoll nicken, wenn ich ihnen von der Muse erzählen (auch wenn sie die meiste Zeit meinen, ich hätte ein Rad ab und würde viel zu viel nachdenken). Allerdings halte ich mich meistens auch sehr bedeckt und erzähle nur wenigen Menschen, was ich in meiner Freizeit so treibe. Und natürlich denen, die von der Existenz dieses Blogs wissen 🙂

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      • chickinwhite schreibt:

        *lacht*
        Yep, manche nennen es Schizophrenie, andere nennen es … einen ziemlich bevölkerten Keller… LOL!
        Und dass die Steiermark so direkt an den (verlängerten und umgeleiteten) Panamakanal grenzt war mir auch neu, aber ich frag mich eh ab und zu was ich eigentlich in meinem Geographiestudium gelernt habe… *zuckt die Schultern*

        Nee,nee! Verdirb mir mal nicht mein Musenvertrauen! Ich kann nicht so kurz vor knapp anfangen an ihrem guten Wesen (welches irgendwo unter dem zickigen Divagehabe vergraben liegt) zweifeln, sonst dreh ich durch! Wie soll ich die erste Novemberwoche überstehen, geschweige denn auch nur annähernd an die 50k kommen wennn ich jetzt schon zweifle…
        😉 Die Schulter könnte wirklich zum Gebrauch kommen. Danke für´s Angebot! Aber wer weiß, vielleicht kannst du ja mein Geheule ganz schnell gar nicht mehr ertragen und sperrst mich virtuell zu dem netten Völkchen in deinem Keller… Ich reservier mir vorsorglich schon mal den 2. Platz im Weinfass…. 🙂

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        • Jery Schober schreibt:

          Ich weiß aus zuverlässiger Quelle (Teddy Roosevelt) dass der Panamakanal überall dort ist, wo Verrückte zuhause sind 😉

          Ich lass dir ja gern dein Vertrauen in die Muse, auch wenn meines zerstört wurde. Vielleicht ist deine Muse eine Ausnahme?
          Du kommst auf keinen Fall in ein Weinfass. Das könnte dir so passen, einfach mich und meinen Keller als Ausrede nehmen, wenn dir nicht nach schreiben ist… Nee, du wirst von mir aufgebaut und getröstet, sofern es in meiner Macht steht, und bist herzlich eingeladen zur Selbsthilfegruppe für Musengeschädigte. Ein elitärer Verein, der sich mehrmals im Monat, in Krisenzeiten gerne auch mehrmals täglich darüber austauscht, mit welchen neuen Ideen uns die Muse in den Wahnsinn treibt. Bis jetzt sind nur Sylvia und ich Mitglieder (wie gesagt, elitär), aber wir bräuchten noch einen Schriftführer…

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  3. chickinwhite schreibt:

    Oooooohhh, good old Teddy! Now I got it!! 😉

    Na, wo Teddy die Schleuse zum Panama Kanal gräbt gibt´s ja bekanntlich immer eine gesunde kleine Vesper für verzweifelte (Musen-)Seelen… 🙂

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  4. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Du hast die Musenfights bei CampNaNoWriMo diesen Juli vergessen 😛
    ich wünsche dir viel Erfolg, werde dieses Jahr aber leider nicht dabei sein. Bachelorarbeit geht vor.

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