Statusbericht September 2014

Der September brachte den lang ersehnten Urlaub mit viel Entspannung und neuen Eindrücken durch einige Ausflüge, auch wenn es vier Anläufe brauchte, um ein Feld mit Kürbissen in Reihen zu finden, die noch nicht zerhäkselt waren.
Um hier mit einem Missverständnis aufzuräumen (mit einem Zwinkern an meine norddeutschen Freunde): Nein, in der Steiermark sind keine Halloween-Fanatiker beheimatet, hier wird aus den unzähligen Kürbissen Kernöl gewonnen. Und Salat, der nicht dunkelgrün schimmert, ist das Essen nicht wert. Schmeckt auch zu Vanilleeis. Nicht das Gesicht verziehen, einfach mal probieren…

Gelesen habe ich vor allem meine alten Cinema-Hefte, um mal auf Gleichstand zu kommen, und ein bisschen was auf dem Kindle, wovon aber nichts richtig hängengeblieben ist.

Gehört habe ich Melissa Etheridge und Falco, als Reminiszenz an die 80er und 90er.

Gesehen habe ich den Rest der 6. Season von Mash und einige Filme: Sherlock Holmes – Spiel im Schatten (hatte seine Momente, aber das Potential aller weiblicher Figuren wurde verschenkt; dafür war Stephen Fry göttlich wie immer), Arsen und Spitzenhäubchen (es ist immer wieder ein Vergnügen, Cary Grant dabei zuzusehen, wie er auf einen Nervenzusammenbruch zusteuert), Ein irrer Typ (Belmondo in Höchstform und Raquel Welch, die mehr Erotik verströmt, als die meisten heutigen zu Tode gestylten Stars es je vermögen werden) und Journey to Promethea.
Letzterer ist zu Recht völlig unbekannt und findet sich in einer Fantasy-Filme-Sammelbox. Ist vermutlich der schlechteste Film, den ich je gesehen habe (und ich habe in meiner Jugend viel Schrott geschaut). Mit einer Flasche Wein und ätzenden Kommentaren eigentlich hervorragend für ein Trash-Fest geeignet, aber ohne einen Funken Selbstironie machte auch das nur bedingt Spaß. Die Statisten sehen aus wie der nächstbesten Renaissance Fair entnommen (so, wie sich Amerikaner das Mittelalter vorstellen – bunt, glänzend und jeder hat einen Bierkrug am Gürtel), die beiden Pferde wurden nie geritten, dafür an einem blauen Nylon-Führstrick herumgeführt (muss ich hier wirklich was von Anachronismus schreiben?), die Rüstungen sahen frisch verchromt aus, die Story war ein Klische nach dem anderen und so vorhersehbar, dass man jede „Überraschung“ bereits beim Vorspann kommen sah, die Tricks waren unterirdisch und machten aus den Schwertern schlecht gemachte Lichtsäbel.
Ich habe nichts gegen Filme, die aufgrund des geringen Budgets mit Notlösungen arbeiten, aber dann erwarte ich mir zumindest eine innovative Story und ein paar Einfälle des Regisseurs. Nicht bei diesem Film. Es hätte ausreichend Warnung sein sollen, als gleich zu Beginn statt gehäkelter Kettenhemden gestrickte auftauchten (auch in den Nahaufnahmen). Mit Bündchen!!! Ritter ohne Pferd, dafür mit silbergrauen Pullundern – den Anblick kann man nur mit viel Wein durchstehen.

SONY DSC
Ich gab meinen Plan, Stein und Stahl handschriftlich fertig zu plotten, bald auf. Schuld daran sind einige nicht geplante Arztbesuche (ich arbeite fleißig auf meine Urkunde „Patient des Jahres“ hin), ein betrunkener Elf (lapidare Mitteilung von selbigem an den Autor: „Weck mich erst, wenn ich jemanden verprügeln soll“), ein viel zu neugieriger Dieb (Autor: „Du kannst nicht an der Tür lauschen. – Dieb: „Dann lausche ich am Fenster.“ – Autor: „Keiner macht hier, was ich will. Schreibt euren Schei… doch allein.“) und die Notrettung des elterlichen PCs („Schau, Mama, das ist ein Tablet.“ – „Brauch ich nicht.“ – „Damit kannst du auch Mahjong spielen.“ – „Was kostet es, und wie schnell kannst du es besorgen?“).
Nachdem ich zurzeit sowieso nicht weiß, wie es mit dem Schreiben weitergehen soll, gab ich es im Urlaub gleich ganz auf und konzentrierte mich auf Dinge, die mich entspannen. Wie die Umgestaltung des Abstellraums, Weinreben fotografieren und einen Rahmen für meinen Dürer-Druck besorgen. Schwieriger war es, Platz für das Bild zu finden in einem Haus voller Dachschrägen. Es musste die hübsche Landkarte von meinem fiktiven Fantasy-Kontinent weichen.

Highlights des Monats September:

    • Ein Kurztrip nach Bratislava
    • Ein Besuch im Tiergarten Herberstein. Dieses Mal hatten wir Glück und sahen alle 3 Geparde. Die Luchse waren mit Putzen beschäftigt, der Puma ließ sich erst nach unserem 3. Abstecher zu seinem Gehege blicken (aber er tauchte auf!), die Löwen schliefen, ebenso wie ein Timberwolf. Dafür glitt der andere einmal an uns vorbei. Was für ein wunderschönes Tier. Und wie dämlich, dass ich ausgerechnet dann nicht vor, sondern oberhalb des Zauns stand und vor lauter Maschendraht keinen Wolf vor die Linse bekam.
    • Die Gartenarbeit nähert sich dem Ende. Endlich. Ich kann keine Brombeeren mehr sehen.
    • Ich genoss es, den Kachelofen anzumachen. Im September ist das durchaus ok 🙂

Lowlights des Monats September:

      • Mein Martyrium beim Zahnarzt ging in eine weitere Runde… Mein Vorschlag einer Extraktion wurde erneut von meinem Zahnarzt abgelehnt. Er kriegt das verfluchte Miststück schon noch geheilt. Immerhin bekam ich endlich die guten Drogen. Die ich eigentlich aufgrund von Wechselwirkungen nicht nehmen sollte… Körper, da musst du durch.
      • Ein hochgelobtes Buch gelesen, das mich an meinem Geschmack und Literaturverständnis zweifeln ließ, weil ich anscheinend eine der wenigen bin, die es nicht mag. Sorry, aber logische Fehler lasse ich nicht durchgehen. Schon gar nicht, wenn sie wiederholt auftauchen. Liebe Autoren, wenn ihr schon meint, Schusswaffen reinschreiben zu müssen, obwohl es offensichtlich ist, dass ihr davon keine Ahnung habt, dann recherchiert darüber.
      • So gut wie nichts geschrieben *schulterzuck* Davon geht die Welt auch nicht unter.
      • Nichts gebloggt. Macht auch nichts. Wenn ich nichts zu sagen habe, halte ich einfach die Klappe und lese die Blogs von anderen 🙂

SONY DSC
Auf in den Oktober, wo ich mich auf Sturm (das Getränk) und Kastanien freue. Und auf herbstlich-buntes Laub. Der nächste Kalender muss mit Fotos gefüllt werden…

Jery

Advertisements

Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
Dieser Beitrag wurde unter Statusbericht abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Statusbericht September 2014

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Ich oute mich hiermit als furchtbare Kinobanausin, aber ich kenne Stephen Fry nur als Autor von „Geschichte machen“ ^^.

    Von gehypten Büchern lasse ich ja (einzige Ausnahme bildete Harry Potter, weil ich damit quasi aufwuchs) in der Regel so lange die Finger, bis ihre Verfilmungen im Fernsehen laufen. Dann erst, dann erst…
    Aber nur in der Regel, weshalb jetzt Teil 3 von „Panem“ darauf wartet, dass ich mein aktuelles Buch beendete und Teil 2 vom englischen GoT mich im Laden angelacht hat… *g*
    Das Problem mit Hypes ist, dass man dann nämlich sonstwas für Wunder erwartet und selbstredend nur enttäuscht werden kann, da kein Buch an so ein Wunder ranreicht, das man sich erträumt.
    Wenn dann auch noch wirklich Fehler drinstehen… args… 😦

    Gefällt mir

    • Jery Schober schreibt:

      Der Hype war nicht so schlimm, dass ich mir bei dem Buch Wunder erwartet hatte. Die vielen ausschließlich positiven Rezensionen veranlassten mich zum Kauf, obwohl mich die Leseprobe hätte warnen sollen. Was mich wirklich geärgert hat, waren die logischen Fehler, die vermeidbar gewesen wären, wenn man gesunden Menschenverstand und ein wenig Recherche eingesetzt hätte.
      Zumindest weiß ich jetzt, dass viele Leser das nicht so schlimm finden wie ich und so ziemlich alles durchgehen lassen, wenn sie den Autor und/oder die Charaktere mögen, was mich dazu brachte, lange über meine Ansprüche und Maßstäbe nachzudenken. Ist ja auch was 😉

      Gefällt 1 Person

  2. chickinwhite schreibt:

    haha, passt alles! Arsen und Spitzenhäubchen ist eine der großartigsten Komödien schlechthin, fast gleichauf mit Katherine Hepburns „Leoparden küßt man nicht“… 🙂 und Melissa Etheridge… *grinst* YEP!!
    Ich kann mir nicht helfen, aber Du bist eine klasse Verriß-Schreiberin! Da macht selbst der übelste Film noch gute Laune wenn du ihn in der Luft zerreißt LOL! Gut, dass ich ihn dafür nicht selber gucken muss… (blauer Nylon im Mittelalter? Ha, da war bestimmt noch Stoff für ne billige Zeitreise drin, oder??)
    Kachelofen?? *neidisch guck*… Hmm, ich spar mir das Heizen für diesen Monat auf. September rechten noch die decken und ein Glaserl Wein… 😉
    Gib mir doch bitte mal nen Tipp: wo krieg ich den Button her für
    „NaNoWriMo
    noch 30 Tage“ ?? Will ich haben! Danke!!
    und sonnige Grüße aus unserem Spätsommer am Rhein! *winkt*

    Gefällt mir

    • Jery Schober schreibt:

      Wir zwei scheinen eine Menge Gemeinsamkeiten zu haben 🙂 „Leoparden…“ steht noch auf meiner Wunschliste. Wobei so ziemlich alles mit Cary Grant herrlich ist. „Unternehmen Petticoat“ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Warum schreibt heute keiner mehr solche Dialoge?
      Du kommst nicht zufällig mal ins südliche Österreich? Ich hab den Eindruck, wir würden uns grandios unterhalten.

      Danke fürs Kompliment. Ich schreibe zwar lieber Lobeshymnen, aber manche Werke lassen nur Verrisse zu. Und ganz ehrlich, Kettenhemdbündchen aus hellgrauem Lurexgarn sind selbst mit einer Flasche Wein schwer zu ertragen.

      Der NaNo-Button ist „selbstgemacht“: Bei den Widgets (im Dashboard unter „Design“) gibt es eine Countdown-Funktion, die kannst du einfügen und frei benennen.

      Gefällt mir

      • chickinwhite schreibt:

        Ha super! Jetzt hab ich auch meinen NaNo Countdown… Danke!
        Hmm, ich glaub auch wir hätten Spass! Wenn´s mich also mal nach SüdKürbisland verschlägt lass ich es dich wissen! Auf ein Tröpfchen Kürbisöl vorm KAchelofen (immer noch neidisch!) schau ich dann bestimmt mal rein… 😉
        Du hast wirklich noch nicht Leoparden Küßt Man Nicht gesehn?? Katherine Hepburn als früh-emanzipierter-unladyliker Tollpatsch mit Professor Cary Grant??
        Lass SOFORT!! alles stehn und liegen und hol dir den Film!
        SOFORT! – und dann möchte ich KEINEN!! Verriß bitte…. 🙂

        Gefällt mir

        • Jery Schober schreibt:

          Ich hab „Leoparden…“ natürlich schon gesehen (Hepburn UND Grant, wie könnte ich da nein sagen?), hab den Film nur nicht auf DVD, aber das kommt noch 🙂

          Und kein Neid auf den Kachelofen, selbiger inkludiert auch, dass jemand das Holz dafür aufarbeiten muss, und bis er Wärme abgibt, vergeht ein halber Tag, also nichts für Eilige. Und es beinhaltet, dass ich keine Fernwärme bekomme, sondern jeden Herbst den Ofen im Nebengebäude anwerfen muss, damit ich den Winter über die Heizkörper warm kriege. Seit 3 Jahren immerhin mit Pellets, was man echt zu schätzen weiß, wenn man 15 Jahre lang mit Schichtholz geheizt hat. Keine Holzfuhren mehr in den Heizraum karren, kein stundenlanges Schlichten, kein Nachheizen mindestens 2 x täglich und weniger Putzarbeit. Dafür ist es teurer 😦

          Gefällt mir

  3. para68 schreibt:

    Ja, ja, mach mich nur neidisch! Wir hier in Niedersachsen haben keine Kürbisfelder, dabei finde ich die soooo schön! Bekomme ich Fotos, bitte, bitte?
    Dafür brauchte ich bisher keinerlei Gedanken daran zu verschwenden, die Heizung einzuschalten. Die Temperatur und die drückend feuchte Luft heute fühlen sich eher wie Mitte August als wie Anfang Oktober an. Das einzig Herbstliche ist das schöne Oktober-Bild auf Deinem Kalender. 🙂

    Ein weiterer – ironischer – Dank dafür, dass Du mich jetzt am Haken hast. Obwohl Krimis nicht mein Fall sind, nicht einmal die mit Sherlock Holmes, kommt der Film wegen Stephen Fry jetzt auf meine Wunschliste. Du WEISST, dass ich ein großer Fan von ihm bin! Warum tust Du das meinem Portemonnaie an?

    Zum Glück habe ich „Arsen und Spitzenhäubchen“ seit ein paar Jahren auf DVD. Das gucke ich mir jedes Jahr zu Silvester an und lache immer wieder schallend, obwohl ich weiß, was kommt. 🙂

    Hm, bei einem Dieb, der an einem Fenster lauschen will, hätte ich auch gestreikt und ihm den Plot vor die Füße geschmissen, bis er sich wieder benimmt. 🙂

    Ich glaube, ich habe das „hochgelobte Buch“, das Du meinst, auch gelesen. Kann es sein, dass das mit den Schusswaffen nicht der einzige logische Fehler war?

    Viele Grüße aus dem erstaunlich windstillen und milden Niedersachen! 🙂

    Gefällt mir

    • Jery Schober schreibt:

      Ich arbeite an der Übermittlung der Kürbisfotos, sie müssen noch aufbereitet werden.

      Ich weiß nicht, ob sich „Sherlock Holmes“ nur wegen Fry lohnt. Es sind im Prinzip nur 3 Szenen, wo er groß rauskommt. Eines ist allerdings eine Nacktszene 😉 Vielleicht wirst Du auf YouTube fündig? Wobei ich die Chemie zwischen Holmes und Watson in den neuen Filmen sehr mag, es ist nur der Umgang mit den Frauenfiguren, der nicht meine Zustimmung findet. Die Action ist ok, der Witz könnte mehr rauskommen, und das Ende mochte ich sehr. Ich steh drauf, wenn sich Helden für ihre Freunde opfern *seufz*
      Außerdem revanchiere ich mich nur dafür, dass ich jetzt wegen Dir „Making History“ auf der Wunschliste habe, und verkneife mir ein infantiles „ätsch“.

      Ich habe dem Dieb den Plot vor die Füsse geschmissen, aber das war ihm egal. Jetzt hängt er unterm Fenster im dritten Stock. Selber schuld, wenn ihn seine Neugier umbringt *schnaub* Und falls er doch nicht in den Tod stürzt, erledigt das der Typ, dem er das Pferd klaute und der hinter dem Fenster wartet (über dieses nicht unwesentliche Plotdetail informierte mich die Muse gnädigerweise heute mitten im Wald).

      Ja, wir haben beide das Buch gelesen, wo nicht nur der Schusswaffengebrauch für Kopfschütteln sorgte. Ich hab den Email-Beweis, dass wir den gesamten Plot bereits nach Kenntnis der ersten beiden Kapitel voraussagten, bis hin zum „Twist“, der keiner war 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s