Statusbericht August 2014

Der August verlief recht kühl und entspannter als der Juli, wo ich nervlich strapaziert war (Stress im Job und Camp NaNo waren eine schlechte Kombination).

Gelesen habe ich u.a. Die Nacht der Schlange, einen Kriminalroman aus Aventurien, der Welt des Rollenspiels Das Schwarze Auge. Es ist mein erstes Buch von Bernhard Hennen, der für seinen Elfen-Zyklus bekannt ist. Ich gehe davon aus, dass diese Bücher wesentlich besser sind, weil der DSA-Roman furchtbar ist und Hennen seine Fans wegen anderer Werke gewonnen haben muss.
Mal abgesehen davon, dass der Plot unspannend ist und nach 5 Kapiteln klar war, wer der Mörder ist (und das erkannte sogar ich, die ich sonst kaum Krimis lese), ist es unglaublich schlecht geschrieben. Keiner der vielen Charaktere lässt Sympathie entstehen, wer lebt und stirbt war mir ziemlich egal, und nicht mal am Schicksal des weiblichen HC war ich interessiert. Für jedes Ausrufezeichen, das nicht in einer direkten Rede vorkommt, gehört der Autor ins Auge gepickst, und für jedes zweite, das in einer direkten Rede auftaucht.

Ausrufezeichen haben im Erzähltext nichts zu suchen und sind ein Zeichen dafür, dass zu schwache Wörter genommen worden und man den Zusatz eines plakativen Satzzeichens braucht, um die Leser auf etwas Neues, Spannendes, Überraschendes etc. hinzuweisen.
Ich toleriere Ausrufezeichen ausschließlich in einer direkten Rede, wenn ein Charakter brüllt. Ansonsten: Keine Ausrufezeichen im Erzähltext. Gibt es Ausnahmen von dieser Regel? Nein.

Dagegen war Robin of Sherwood von Richard Carpenter hohe Kunst, und dieses Buch war schon schlecht. Ich liebe die Fernsehserie, die mich als Jugendliche endgültig zu Fantasy bekehrte. Dieses Buch gibt die Episoden der ersten Staffel wieder, und mehr ist es nicht. Dialoge und etwas Zwischentext, ein etwas ausformulierteres Drehbuch. Und so viel tell ohne show, dass man heute damit nicht mehr durchkommen würde.
Zeigte mir wieder einmal, wie sich der Geschmack ändern kann. Bis in die 80er Jahre war es normal, den Lesern die Gefühle der Charaktere mitzuteilen, noch dazu möglichst aller Charaktere, die in einer Szene auftauchen (POV-Wechsel alle paar Absätze). Das wird heute als schlecht angekreidet. Ich schließe mich dieser Meinung an, weil ich es heute nicht mehr lesen will. Früher, als ich anfing, romances zu lesen, hat es mich nicht gestört. Heute bevorzuge ich einen einzigen Blickwinkel pro Szene und keine Erklärung, was ein Charakter fühlt, sondern eine Demonstration. Ich will nicht lesen „XY war wütend“, sondern ich will erleben, wie sich diese Wut äußert und darstellt.

Gehört habe ich The Baseballs und The Best of Bond. Von letzterer Doppel-CD wanderte einiges auf meine Playlist von Stein und Stahl.

Gesehen habe ich nur eine weitere Folge von Birds of Prey (auch mein Hang zum Masochismus hat Grenzen) und das erste Drittel der 6. Season von Mash. Dazu noch Drachenzähmen leicht gemacht (perfekter fluffy stuff), Ich bin Nummer 4 (schreibt Science Fiction drauf, und ich guck es mir an, selbst wenn es eine Teenie-Romanze ist) und Hänsel und Gretel – Hexenjäger (Gretel rocks!).

Die Überarbeitung von Echo 1 schritt nicht voran, mit Absicht, weil ich weiß, dass ich das besser im Winter angehe, wenn Outdoor-Aktivitäten wegfallen. Ich fing an, den Teil von Stein und Stahl, der mir noch fehlt (sozusagen der A-Plot), handschriftlich zu plotten. Angeblich soll es andere Gehirnwindungen stimulieren, wenn man mit der Hand schreibt, als wenn man etwas in den PC tippt. Mal sehen, ob das bei mir auch zutrifft.

Zwischendurch kam die Muse mit einer zweiten zeitgenössischen romance um die Ecke *mit Kopf auf Tastatur sink*. Und letzte Woche mit ihrer ersten Idee zu Urban Fantasy *mit Kopf auf Tastatur schlag*. Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis sie entdeckt, dass sich Fantasy mit allem kombinieren lässt und sie sich nicht auf fiktive Welten beschränken muss, nein, sie kann unsere reale Welt nehmen.

SONY DSC
Highlights des Monats August:

  • Ich kam endlich dazu, die „Was ich schreibe“-Seite auf diesem Blog anzugehen, und ein wenig über meine Projekte zu verraten.
  • Schilerol. Zu süß, um es pur zu trinken, und gespritzt merkt man den Alkohol kaum. Teufliches Zeug. Aber sooo gut.
  • Die Brombeere trägt trotz viel Regen und niedriger Temperaturen reichlich. Die Marmeladenproduktion ist gesichert.
  • Mein Artikel „Sprache in Fantasy-Romanen“ wurde von der Weltenschmiede empfohlen.
  • Mehrere Fotoausflüge gemacht und endlich das Geheimnis der Blende verstanden 😉

Lowlights des Monats August:

  • Mein Martyrium beim Zahnarzt geht in die nächste Runde… Ich war soweit, dass ich den Zahn aufgegeben hatte und reißen lassen wollte. Mein Zahnarzt sieht das anders und kämpft weiter um ihn. Nächste Entscheidung Ende September.
  • Ich weigere mich, im August den Kachelofen anzumachen. Nicht im August. Nein. Lieber dicke Socken und eine Fleecejacke, aber keine Heizung anmachen.
  • Ich hab mal wieder 2 Topfpflanzen getötet.
  • Wenig geschrieben aufgrund von Parkemed-induzierter Dauerbenebelung.

Auf in den September, wo ich schon zufrieden bin, wenn ich Stein und Stahl fertig plotten kann und weniger als zwei Mal zum Zahnarzt muss. Ich habe bald zwei Wochen Urlaub und freue mich auf einen Kurztrip in die Slowakei.

Jery

Advertisements

Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
Dieser Beitrag wurde unter Statusbericht abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu Statusbericht August 2014

  1. chickinwhite schreibt:

    Ohjaaaa!! Drachenzähmen ist wirklich absolut perfekt! Ich hab´s glaub ich schon 5 x gesehn (und garantiert wird´s an einem trüben kalten Herbstabend ein sechstes Mal in den Ring geschickt)… Die Buchrezension hat mir ein ziemlich breites Grinsen beschert. Danke dafür. Allerdings hab ich mich ein bisschen schuldbewusst geduckt wenn du die Ausrufezeichen so gnadenlos abschießt. Ich muss gestehen: ich liebe meine Ausrufezeichen. Sie sind eigentlich in direkter Rede als Stimmverstärkung gedacht, aber… hmm…wahrscheinlich werfe ich damit doch viel zu großzügig um mich…(mentale Notiz: Ausrufezeichen reduzieren!)
    Toitoitoi für die Zahntortur! Ich weiß wovon ich rede,,, (hält sich schon mal die Backe, rein vorsorglich…)

    Gefällt mir

    • Jery Schober schreibt:

      Kein Wort mehr zu meinen Zähnen, ich will nicht mehr daran denken. Mir reichte der letzte Besuch beim Zahnarzt am Mittwoch wieder 😦

      Ich hab absolut nichts gegen Ausrufezeichen in einer direkten Rede. Wenn jemand rumschreit, darf das gerne durch ein Satzzeichen unterstrichen werden. Nur im Erzähltext dazwischen stört es immens. „Er musste sie retten!“ wirkt auch ohne Ausrufezeichen. „Die Armbrust war sogar gespannt!“ – Auch ohne dieses plakative Rufzeichen ist mir als Leser klar, dass dies eine bedrohliche Situation ist. Ausrufezeichen im narrativen Teil (nicht den Dialogen) ist für mich eine Holzhammer-Methode, um den Lesern zu zeigen: Achtung, wichtige Information! Spannungsanstieg!! Dramatik!!!
      Es ist, als ob der Autor mit einem Gong läuten muss, weil er Angst hat, die Leser kriegen nicht mit, was er meint. Es ist kein Stilmittel, es ist ein Zeichen für Nachlässigkeit. Die Spannung soll sich aus Inhalt und Sprache ergeben und nicht vom Gebrauch eines Rufzeichens abhängen *end of rant* 😉

      Gefällt mir

  2. para68 schreibt:

    Ich bin erleichtert, dass ich Ausrufezeichen nur sehr spärlich in Dialogen verwende, niemals im Erzähltext. Wer weiß, was sonst passieren würde, bei einer Frau, die Pflanzen meuchelt und mich nach Synonymen für das Wort „Killer“ fragt. 🙂

    Animiert das handschriftliche Plotten wirklich die Gehirnwindungen? Wenn ja, werde ich es demnächst ausprobieren.

    Gefällt mir

  3. wiesenirja schreibt:

    Fantasy in der realen Welt: Ja, sicher. Wird ja immer häufiger.
    Stellt sich einmal mehr die Frage: „Wozu Fantasy?“
    Und auch: Woran liegt das, dass immer weniger Menschen mit „fremden“ Welten zurande kommen, sondern selbst noch in „Fantasy“ ihre eigene brauchen?
    (Was ich Dir nicht unterstelle, aber das Thema springt mich hier wieder an. ;–) )

    Und was Heizung, Öfen usw. im August angeht: Ich hatte keine Wahl. Meine Heizung sprang einfach an …

    Gefällt mir

    • Jery Schober schreibt:

      Anscheinend glauben viele Autoren von Urban Fantasy/UF – irrtümlich -, dass ihnen das Wordlbuilding erspart bleibt, wenn sie ihre Geschichte in unserer Welt ansiedeln. Ein paar haben tatsächlich eine Geschichte, die sich bestens mit einem realen Setting kombinieren lässt und wo sich Setting und Plot ergänzen und unterstützen, aber immer öfter habe ich den Eindruck, dass UF eine „Abkürzung“ darstellt – „oh guck, ich kann Unsterblichkeit, Superkräfte, Magie und fremde Wesen haben, ohne mir gleich eine ganze Welt ausdenken zu müssen!“ Vielleicht ist der Markt auch einfach übersättigt, und ich stoße deshalb laufend auf Titel, wo der Fantasy-Anteil entweder entbehrlich ist oder nur dazu dient, eine Liebesgeschichte mit einem Spezialguss zu verzieren, weil es ja so „banal“ ist, wenn zwei normale Menschen sich finden…
      Den Lesern gefällt’s, vermutlich, weil sie sofort ein Bild vor Augen haben, wenn jemand „New York“ oder „London“ hinschreibt und es sich sparen können, ein Bild entstehen zu lassen, dass der Autor mit Worten erzeugt. Möglich, dass die Identifikation leichter ist, wenn die HCs der gleichen Epoche entstammen wie die Leser. Auch möglich, dass gerade Leserinnen UF bevorzugen, weil weibliche Identifikationsfiguren in klassischer high fantasy weiterhin eher rar gesät sind, während in UF die „kick-ass heroine“ zum Rollenklischee gehört wie der auserwählte Waise mit verborgenen Kräften zu high fantasy 😉
      Es gibt ausreichend gute secondary world Fantasy-Romane, und solange es die gibt, werde ich sie lesen, auch wenn sie gerade nicht sehr populär sind im Vergleich zu der Schwemme an UF Titeln, die seit den 90ern über uns hereinbricht.

      Gefällt mir

      • wiesenirja schreibt:

        Interessante Überlegungen. – Doch, mich interessiert das wirklich, woher dieser UF-, Unsere-Welt-Fantasy- und Steampunk-Hype kommen könnte!
        Alles von Dir Genannte dürfte wohl eine Rolle spielen. Dazu vielleicht auch eine gewisse neue Technikgläubigkeit und Verachtung von „Altem“, auf die ich in vielen Lebensbereichen stoße?
        Ebenfalls interessant: Die verbreitete Meinung, nur weil etwas in einer anderen Welt spielt, habe es mit „uns“ und unseren Problemen nichts zu tun. – Haben die ewigen Anti-Phantastik-Unker nun doch gesiegt?

        Gefällt mir

        • Jery Schober schreibt:

          Sie werden nie siegen, solange es Menschen gibt, die gerne Phantastik in all ihren Facetten lesen. Und natürlich schreiben 😉 Ich rüste mich mit Laptop und Bücherregalen voller Fantasy, die auf erdachten Welten spielt, und stemme mich den Unkern entgegen. Bei mir zuhause dürfen nur Kröten unken, sonst niemand.

          Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s