Sprache in Fantasy-Romanen

„Kanan fühlte, wie das Adrenalin durch seinen Körper raste und die Schmerzen zurückdrängte. Das hatte er davon, dass er Dampf ablassen wollte. In wenigen Sekunden würde die Stadtwache auftauchen und ihn festnehmen, und das alles wegen eines kurzen Schwertkampfes.“

Zugegeben, eine solche Ballung problematischer Ausdrücke findet sich selten in Fantasy-Romanen, aber ich habe mehr als ein Buch gelesen, in dem „Adrenalinrausch“ und „verdammt“ zuhauf vorkamen, ohne dass diese Begriffe durch einem entsprechenden medizinischen oder religiösen Hintergrund erklärt wurden.
Welche Sprache in Fantasy-Geschichten verwendet wird, hängt in erster Linie von den Präferenzen des Autors ab. Ich rede hier nicht von Elbisch, Zwergisch, Orkisch oder einer sonstigen Fantasie-Sprache, die sich der Autor mit mehr oder weniger Geschick und Fachwissen ausdenkt.
Mir geht es um die Wortwahl in Werken, die der Fantasy zuzuordnen sind, und zwar klassischer secondary fantasy, in der sich die Welt in mindestens einem Punkt von unserer realen Primärwelt unterscheidet, sei es Geografie, Tier- und Pflanzenwelt oder die Existenz von Magie. Nicht dazu zähle ich Urban Fantasy, wo unserer Welt Magie und übernatürliche Wesen hinzugefügt werden. Bei dieser kann man vom heutigen Wissensstand ausgehen, ebenso in alternativen Zeitlinien.

Fantasy-Autoren schreiben aus der Sicht von Charakteren, die kein Wissen über unsere Welt haben, sondern in einem völlig anderen kulturellen Umfeld aufwuchsen, welches in den meisten Fällen einer früheren Zeitepoche unserer Erde ähnelt, aber eben nicht gleich ist. Sie schreiben das Buch allerdings auf Deutsch, nicht in der Sprache des Charakters, und sind gezwungen, Wörter zu benutzen, für die es in ihrer erfundenen Welt und Kultur keine Entsprechung gibt.
Damit kann man prinzipiell alle Fantasy-Geschichten als Übersetzungen ansehen. Eine wortwörtliche Übersetzung ist selten eine gute Übersetzung, es geht immer auch um Kulturtransfer. Mit dieser Ansicht gewinnen die Autoren mehr Freiheit, aber dennoch bleiben eine Menge problematischer Ausdrücke.

Normales Deutsch ist durchsetzt mit Redewendungen und Phrasen, die bei genauerer Betrachtung keinen Platz haben in einer erfundenen Fantasy-Welt, in der es keine Bezugspunkte für diese Begriffe gibt.
Manche sind so offensichtlich, dass sie von Autoren bewusst nicht verwendet werden. Man liest in Fantasy nicht von Sisyphusarbeit, hört Charaktere nicht Jesus Christus um Hilfe anflehen und niemand versteht nur „Bahnhof“. Bei einer Vielzahl anderer Begriffe wird es schwieriger – entweder ist ihre Herkunft den Autoren nicht bekannt, oder sie werden benutzt, weil die ursprüngliche Referenz nicht mehr relevant ist und der Ausdruck nur mehr im übertragenen Sinn verwendet wird.

Anachronismen:
Diese sind am häufigsten anzutreffen – sie beziehen sich auf etwas, das in den meisten Fantasy-Welten, die sich an ein europäisches Mittelalter anlehnen, (noch) nicht existiert.

Alle Referenzen auf Schusswaffen sind mit Vorsicht zu genießen, weil sich diese erst später zu einer Massenwaffe entwickelten, und noch länger dauerte es, bis diese Begriffe in den normalen Sprachgebrauch übergingen. Darunter fallen Ausdrücke wie „Kanonenfutter“, „die Lunte riechen“, „jemanden aufs Korn nehmen“ oder „das Ziel anvisieren“. Die Redewendung „das kannst du dir an den Hut stecken“ stammt aus der Musketier-Ära. Selbst das simple „abfeuern“ wurde erst viel später im Zusammenhang mit Pfeil und Bogen benutzt, weil dies das Entzünden von Schießpulver voraussetzt.

„Auf den Wecker gehen“ setzt die Erfindung von eben diesem voraus, und „in die Röhre schauen“ kommt erst mit der Erfindung des Fernsehens auf. Für „alle Register ziehen“ braucht man Orgelpfeifen, und zum „Dampf ablassen“ Kenntnis von Dampfkraft.

SONY DSCMythologie:
Schwierig wird die Sache bei Wortursprüngen, an die heute niemand mehr denkt. „Vulkan“ stammt vom griechischen Gott gleichen Namens, ohne Hermes gäbe es kein „hermetisch abgeriegelt“ und ohne Sparta keine „spartanische Einrichtung“. „Stark wie Herkules“ oder „schön wie Aphrodite“ wird ohnehin kaum mehr verwendet, aber was ist mit einer „platonischen Beziehung“?
„Albtraum“ kommt von den Alben der germanischen Mythologie. Natürlich kann ich einfach „schlechter Traum“ verwenden, aber Albtraum ist kürzer, und generell gilt, wenn ich statt zwei Wörtern eines benutzen kann, das das gleiche ausdrückt, dann sollte ich das auch.

Religion:
Ausdrücke wie „Schutzengel“, „rettender Engel“, „Teufel in Menschengestalt“ werfen die Frage auf, ob es in der vorherrschenden Religion überhaupt Engel und Teufel gibt. „Ich schwöre bei Gott“ wird problematisch bei Polytheismus. Im Deutschen eher nicht (mehr) gebräuchlich sind Ausrufe wie „Jesus Christus!“ oder „Jesus und Maria“ (von meiner Oma gern benutzt als „jessasmaria!“).
Vor allem bei Flüchen wird die Hölle („Fahr zur Hölle“, „zum Teufel“) angesprochen. „Verdammt“ setzt ein Leben nach dem Tod voraus, in dem es überhaupt eine Verdammnis gibt.

Modernen englischsprachigen Fantasy-Romanen wird gerne der übermäßige Gebrauch von fuck vorgeworfen, womit ich keinerlei Probleme habe. Solche Wörter aus der Fäkalsprache werden seit Jahrhunderten, wenn nicht gar seit Jahrtausenden benutzt, während es bis ins 19. Jahrhundert als verpönt galt, Flüche zu benutzen, die einen religiösen Hintergrund haben, was ein simples damn it inkludierte.

Maßangaben:
Eine Angabe von „Metern“ macht für die meisten Leser keinen Sinn in einer Welt, in der das metrische System nie eingeführt wurde. Andererseits funktioniert es für diejenigen, die einen Fantasy-Roman als Übersetzung eines Ursprungstextes ansehen, hervorragend.
Es ist weit weniger verwirrend, als wenn der Leser versucht herauszufinden, welche Entfernungen mit Elle, Spanne, Yard oder Zoll gemeint sind, zumal manche dieser Maßeinheiten nicht einmal in unserer Vergangenheit überall die gleiche Länge bedeuteten.

Zeitangaben:
Die Einteilung in Stunden und Minuten gibt es seit dem Altertum, aber sie setzte sich bei der breiten Bevölkerung erst durch, als Uhren zum Massengut wurden. Selbst bis ins 20. Jahrhundert hinein waren Begriffe wie „wir treffen uns in fünf Minuten“ unter der einfachen Bevölkerungsschicht nicht bekannt, da war die kleinste Einheit eine Viertelstunde.

Beispiel aus meinen eigenen Romanen: Ich habe einen Charakter mit einem hohen Bildungsgrad, der Begriffe wie „wir haben 90 Sekunden“ verwendet, weil er damit aufgewachsen ist, im Gegensatz zu seinem Freund, der statt Sekunden Herzschläge zählt.

Medizin:
In einer pseudomittelalterlichen Welt gehe ich davon aus, dass weder Existenz noch Funktionsweise von Hormonen bekannt ist. „Adrenalinschub“ reißt mich aber sofort aus dem Text heraus, weil ich mich frage, wie weit die medizinische Forschung dieser Welt gediehen ist. Gleiches gilt für Ausdrücke und auch Anwendungen aus der Psychotherapie. Traumabewältigung kann durchaus in einem Fantasy-Roman vorkommen, aber bitte nicht mit „kognitiver Verhaltenstherapie“.

Erfundene Ausdrücke können hilfreich sein, um die Illusion aufrecht zu erhalten, dass alles in einer anderen Welt und Kultur spielt.
Die Bedeutung sollte klar aus dem Kontext hervorgehen, allgemeingültige Konzepte wie Eltern, Farben oder Gefühle brauchen keine neue Ausdrücke. Sie sollten sparsam benutzt werden, um die Leser nicht zu überfordern, und für besonders wichtige Dinge, die öfter wiederholt werden.
Andererseits können sie auch bei trivialen Dingen eingesetzt werden, um der Kultur größere Authentizität zu verleihen. Dabei empfiehlt es sich, zB nicht generell „Wein“ mit einem neuen Wort zu benennen, sondern eine bestimmte Sorte.

SONY DSCWie sollen wir nun mit diesem Problem umgehen?
Das muss jeder Autor selbst entscheiden. Die einen denken einfach nicht darüber nach, was die einfachste Lösung ist und v.a. bei humorvollen Romanen wenig stört.

Man kann eine Erklärung anbieten. Dabei wird die Illusion aufrecht erhalten, dass es sich bei der Geschichte um eine „Übersetzung“ aus einer fiktionalen Sprache handelt, mit der eine Analogie zu unserer Welt gefunden werden soll.

Der Autor erfindet seine eigene Etymologie. Jeder Ausdruck unserer Welt, der merkwürdig im Fantasy-Setting klingt, wird zu einem Begriff umgemodelt, der dem Setting entspricht (besonders bei Eigennamen): Sisyphusarbeit wird zu Hedriansarbeit. Das funktioniert bei einzelnen Ausdrücken gut, wenn der Kontext klar ist, wird bei langen Werken und dutzenden Namen aber mühsam.

Der aufwendigste Weg ist eine vollständige erfundene Sprache. Wenn man gerne neue Sprachen erfindet, eine wunderbare Möglichkeit, mit dem Nachteil, dass man den Lesern auch klarmachen muss, was die neuen Begriffe bedeuten. Nicht jeder Leser will sich durch 100 Seiten Appendix durcharbeiten, um den Roman zu verstehen.

Es ist wichtiger, sich dieses Problems bewusst zu sein, als jedes Wort in einem Text darauf abzuklopfen, ob es stimmig ist. Sonst sitzt man nur mehr mit einem etymologischen Lexikon vor dem Bildschirm oder Ausdruck und braucht Monate, um jeden Hinweis auf Ausdrücke aus unserer Welt auszumerzen. Das kann zu Lasten des Leseflusses und vor allem des Verständnisses gehen.
Am wichtigsten ist es, dass die Leser den Inhalt verstehen, die verwendeten Begriffe sie nicht aus dem Lesefluss reißen und damit in unsere reale Welt zurückschleudern, wo sie vorher in der erfundenen Welt der Autoren abgetaucht waren.
Die Verwendung einer gestelzten, altertümlichen Sprache in dem Bemühen, ein pseudomittelalterliches Sprachgefühl zu erzeugen, zwingt den Leser, mehr Mühe für den Text aufzuwenden, was auf Kosten des Genusses geht. Sprache verdient Aufmerksamkeit, doch weder Autoren noch Leser sollten sich von ihr gestört oder irritiert fühlen.

Wer sich weiter für dieses Thema interessiert, dem empfehle ich zwei Artikel von Django Wexler auf Fantasy-Faction:
http://fantasy-faction.com/2014/the-fantasy-language-problem
http://fantasy-faction.com/2014/the-fantaasy-language-problem-continued

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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12 Antworten zu Sprache in Fantasy-Romanen

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Ein sehr schöner Artkel.
    Aufpassen muss man auch bei:
    – Anglizismen
    – sonstigen recht spezifischen Lehnwörtern (ich weiß immer noch nicht, wie ich das aus einer in Indien gebräuchlichen Sprache ins Englische übernommene Wort „Verranda“ vernünftig ersetzen soll und belasse es darum vorerst dabei)
    – Begriffen und Wendungen aus der Literatur (also z.B. allerlei Verweisen auf z.B. die Artussaga, das Märchen über Jack und seine Bohnenstange etc.)
    – Begriffen und Wendungen, die auf Pflanzen und Tieren aus unserer Welt beruhen (Bohnenstange, Schweinehund)
    Ich fürchte, die Liste der zu beachtenden Dinge ist endlos und ich passe auch immer sehr beim Schreiben auf, aber irgendwas rutscht einfach immer durch.
    Dafür nimmt es mir teilweise sehr den Lesespaß bei an sich tollen Büchern, weil ich mich über Worte wie „Snobismus“ in einem Jugendfantasy-Buch stundenlang aufregen kann 😛

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    • Jery Schober schreibt:

      Ich bin da bei Büchern recht großzügig und sehe über vieles hinweg, weil es für mich „Übersetzungen“ aus einer anderen (Fantasy-)Sprache sind. Snobismus würde mich nicht aufregen, ebenso wenig wie die meisten Redewendungen. Einzig Ausdrücke, denen die Basis fehlt (wie High Tech Begriffe in einer präindustriellen Welt oder Fachausdrücke aus der Psychologie bei Pseudo-Wikingern), stören mich.

      Der beste Anglizismus, den ich in letzter Zeit las, war nach einer direkten Rede „hisste er.“ Ich wartete automatisch auf eine Flagge, aber es tauchte keine auf… 😉 Klassischer Fall von „zu viel auf Englisch gelesen“. Wer dann noch englische Fan Fiction schreibt (wie der Autor dieser wunderbaren Stilblüte), sollte aufpassen, die beiden Sprachen auseinanderzuhalten und keine Ausdrücke zu übernehmen, die (noch) keine Lehnwörter sind.

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      • Carmilla DeWinter schreibt:

        Yay, erzähl mir davon. Anglizismen auf Deutsch, meh. („Feuer bauen“, „ganz“ für „entirely“ statt „vollkommen“ …) Wobei ich eher meinen Konsum englischer Texte verantwortlich sehe. Geschätzt habe ich in meinem Leben wahrscheinlich vierzig Prozent aller fiktionalen Texte auf Englisch inhaliert. Dabei bin ich mittlerweile so sensibilisiert, dass ich auf „Sinn ergeben“ und „Sinn machen“ achte, mir aber anderes durchrutscht.
        Dafür benutze ich gelegentlich das Englisch-Deutsch-Wörterbuch, weil mir manchmal ein passendes englisches Wort einfällt, aber das benötigte Gegenstück nicht.
        Wobei ich auch auf Englisch gelegentlich mit der Sprache aufpassen muss. Zum Beispiel dürfen meine Transformers nicht „okay“ sagen, und bei meinen späteren StarWars-Werken habe ich es auch sein gelassen. Zwecks Verfremdung und so.

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        • Jery Schober schreibt:

          *g* Ja, das mit dem Wörterbuch kenne ich… Wenn ich den perfekten Ausdruck gefunden habe, nur dummerweise nicht in der Sprache, in der ich schreibe, greife ich notgedrungen zum Langenscheidt oder google schnell, wie das verdammte Wort auf „schön Deutsch“ heißt.
          Es hat auch Nachteile, wenn man viel im Original liest, wobei ich das eh nur auf Englisch zusammenbringe. Ich konnte mal gut Französisch, hab das aber erfolgreich verdrängt. Lese seit Jahren fast nur mehr auf Englisch, was jetzt wieder richtig viel Spaß macht, nachdem ich es freiwillig tue und nicht mehr muss. Was auf der Uni als Lektüre für nötig erachtet wird und wurde, deckte sich nur äußerst marginal mit meinen Vorstellungen. Ich genieße es jetzt umso mehr, allen möglichen Kram zu lesen, der garantiert keine Weltliteratur ist, sondern einzig und allein Unterhaltungsanspruch hat 🙂
          Anglizismen stören mich meistens nicht wirklich, ich hab da eine hohe Toleranzschwelle. Außer, es geht um englische Titel für eine deutschsprachige Geschichte. An das kann und will ich mich nicht gewöhnen.

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      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Okay, bei mir kommt hinzu, dass ich ein Schreibforum leite und was ich da teilweise als Betaleserin zu sehen bekomme, sich dann darauf auswirkt, wie ich bereits veröffentlichte Bücher wahrnehme. (Figuren aus High-Fantasy-Mittelalterwelten, die „Ey cool!“ rufen ist da noch die Spitze des Eisbergs ^^) Vielleicht bin ich darum ein wenig überempfindlich – ich darf bei besonders argen Fällen den Autoren ja schließlich sämtliche Anachronismen, Anglizismen und sonstigen Unsinn aufzeigen und erstmal ausführlich begründen, wieso die wegmüssen. Und im Zweifelsfall dann auch noch mehrere Tage hin- und herdiskutieren…

        „Hisste er“ ist gut… manchmal ist das englische Wort sooo viel treffender (vom Klang her) als das Deutsche… ich musste mir nach einer sehr langen Englischlesesession erstmal abgewöhnen, sowas im Real Life zu sagen…

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  2. para68 schreibt:

    Ich muss zugeben, dass mich ein „verdammt“ in einem Fantasy-Roman nicht stören würde. Das Wort ist in der Alltagssprache so gebräuchlich, dass ich es mittlerweile abgekoppelt von seinem religiösen Ursprung sehe. Aber das ist nur mein persönliches Empfinden. Ich kann verstehen, dass sich andere Leser durchaus daran stören könnten und Fantasy-Autoren es daher meiden sollten.
    Schlimmer finde ich tatsächlich Anrufungen wie „Mein Gott“ oder „Jesus!“. Zu letzterem sollte in einer Fantasy-Welt jeglicher Bezug fehlen, bei ersterem muss ganz klar sein, dass es in dieser Welt tatsächlich nur einen Gott gibt.
    Ansonsten empfinde ich – unnötige – Anglizismen in jedem Roman als Stolperstein, der mich aus dem Lesefluss reißt. Mein erster Gedanke ist immer: „Da wollte wieder mal ein Autor beweisen, wie gut er Englisch spricht, oder dass er vom Klang seiner eigenen Muttersprache nichts hält und daher nach einem Ersatz sucht“. Das ärgert mich und lässt das Buch sofort in einem schlechteren Licht erscheinen.

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    • Jery Schober schreibt:

      Anglizismen sind so eine Sache – manchmal sind sie mir egal, wenn das Wort mittlerweile so gebräuchlich bei uns ist, dass ich einfach drüberlese. Besonders in Dialogen in zeitgenössischen Romanen hab ich selten ein Problem damit. Manchmal stören sie mich unglaublich, weil sie herausstechen und so leicht durch ein deutsches Wort zu ersetzen wären. Es klingt für mich nicht „cooler“, wenn man „Subway“ statt „U-Bahn“ schreibt, sondern irritiert mich, wenn alles andere ebenfalls auf Deutsch ist. Und wenn noch viel mehr englische Ausdrücke auftauchen, frage ich mich, warum nicht gleich auf Englisch geschrieben wurde.
      Bei deutschsprachigen und auch ins Deutsche übersetzter Fantasy ist das noch nicht so schlimm, im Gegenteil, oft wird eine betont altertümliche Sprache genommen, was mir auch nicht besonders gut gefällt. Letztens las ich „mir dünkt“, und das hat mich mehr rausgerissen als es ein „ok“ hätte können 🙂

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  3. Pingback: Weltengeflüster Juli/August 2014 | Weltenschmiede

  4. luisahenke schreibt:

    Hi
    interessanter Artikel. Ich versuche auch solche Dinge zu vermeiden, allerdings bin ich da nicht ganz so streng. Bei Metern zum Beispiel. Klar dürfen die Charaktere in den Geschichten, das eigentlich nicht kennen. Aber sonst ist es ziemlich schwer, Entfernungen so anzugeben, dass Leser es verstehen.
    Oder kennt ihr dafür eine gute Löung?
    Lg Luisa

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    • Jery Schober schreibt:

      Solange es einigermaßen stimmig ist, hab ich als Leser keine Probleme mit Metern. Zumindest kann ich mir darunter was vorstellen, was besser ist, als wenn es eine Fantasieeinheit ist, die eines Glossars bedarf, damit ich mir unter der Länge was vorstellen kann. Es gibt allerdings Leser, die gar keine Parallelen zu unserer Welt dulden, was soweit geht, dass diese sogar was gegen lateinisch- oder griechischstämmige Fremdwörter haben.
      Ich denke, jeder Autor muss selbst entscheiden, womit er sich wohl fühlt. Oberstes Ziel sollte es sein, die Leser nicht zu verwirren, sondern ein klares Bild der Welt zu vermitteln. Wenn das leichter durch den Einsatz von Metern geht als durch Yard, Schritt, Elle etc., warum nicht? Ich bin kein Freund von Anhängen, wo ich jedes Mal nachschlagen muss, um zu verstehen, wie groß eine Distanz ist, wie schwer etwas ist oder welche Jahreszeit gerade herrscht. Aber es gibt jede Menge Fantasy-Leser, die ein Glossar lieben. Schreib, womit du dich am wohlsten fühlst. Mir ist wichtiger, dass die Geschichte und die Charaktere überzeugen, als dass jeder Bezug zu unserer Welt krampfhaft vermieden wird.

      Gefällt 1 Person

  5. jtaelling schreibt:

    Interessanter Text und ohne Zweifel ein Thema. Da ich selbst damit hadere erlaube ich mir in der Regel sehr große Freiheiten . Ich will den Leser sanft in die Welt einbinden und ihm soviele Bezugspunkte als irgendwie möglich schaffen. Das ist eine Herausforderung, aber alles in allem nehme ich dann doch nicht alles so ernst und habe auch kein Problem damit mögliche Regeln radikal zu sprengen. Das muss drin sein. Trotzdem, so umfassend und fundiert hatte ich das bisher noch nirgendwo gelesen.

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    • Jery Schober schreibt:

      Danke für das Kompliment 🙂
      Ich habe kein Problem mit Freiheiten in Fantasy und sehe das eher locker, solange es stimmig und plausibel bleibt, kenne aber Leser, die beim ersten „ok“ das Buch in eine Ecke pfeffern. Wie immer gilt, Geschmäcker sind verschieden, und in unserer Welt gibt’s auch genug Ausdrücke, wo kaum ein Mensch mehr weiß, woher sie stammen, und das stört auch keinen.

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