Camp NaNo Juli 2014 – Die Rache der Muse

Das war ja klar. Dieses Biest hat mich gelinkt.
Nicht zum ersten Mal. Sicher nicht zum letzten Mal.

Im November 2013 hat sie so brav beim NaNo mitgearbeitet, dass es die reinste Freude war. Kein Abschweifen, kein „ich will aber lieber die Schlussszene schreiben“, keine gedanklichen Ausflüge in andere Projekte. Sie blieb bei Frost, hielt sich an die Chronologie (zu ihrer und meiner Überraschung) und schaffte den vorgegebenen Wordcount. Und das, obwohl ich gesundheitlich angeschlagen war. Anscheinend ist irgendwo in ihrem Musen-Herz Mitleid vorhanden.
Natürlich gab es die eine oder andere Erweiterung einer Szene und ein paar weitere Plotverwicklungen, die sich einfach „ergeben haben“ (Musisch für: Plante ich schon lange, hab nur dem Autor nichts davon gesagt). Sie wollte Pferde stehlen, ich durfte mir überlegen wie. Sie schickte dem HC nicht 2, sondern 4 Gegner entgegen, ich und der HC durften einen Weg finden, wie wir da mit heiler Haut rauskamen. Sie platzierte eine Bombe unter dem Bett, ich durfte in einer Fantasy-Welt einen Zeitzünder erfinden.
Ja, ich geb’s zu, ich hatte eine Menge Spaß 🙂

Dieser NaNo? Pfff. Ein Fiasko.
Der Plan: Wir schreiben Stein und Stahl fertig. Oder zumindest soweit, wie wir kommen. 78k haben wir bereits, angelegt habe ich das Ganze auf 120k.
Nach einem guten Start an den ersten beiden Tagen kamen wir ins Stocken. Ok, kann passieren. Kein Grund zur Panik. Stress in der Arbeit, zuhause auch genug zu tun, da steckte ich meine Freizeit lieber in Chillen, um meine Nerven zu regenieren. Dann kamen noch zwei weitere zahntechnische Katastrophen dazu, die mir die Lust auf so ziemlich alles nahmen.

2014-Participant-Twitter-Header-2Heute ging ich voll guter Vorsätze an den Start. Ich hatte eine Menge aufzuholen, eh „nur“ gute 10.000 Wörter. Zumindest die Hälfte wollte ich schaffen. Also iTunes auf Shuffle eingestellt, um ein bisschen Abwechslung zu haben, und nicht meinen selbst zusammengestellten Soundtrack zum Roman. Böser Fehler.
An die Szene gesetzt. Mühsam einen Anfang aus den Fingern gesaugt. Flott ist was anderes. Kampf um jedes Wort, jeden Satz. 200 Wörter geschafft, das sind grad mal 4 Absätze.
Aus dem Lautsprecher kommt ein Lied, dass die Muse zum theme song für ein anderes Projekt auserkoren hat. Ein Projekt, zu dem ich weder einen Titel, noch eine genaue Szeneneinteilung habe. Ich habe Anfang und Ende, und dazwischen gibt es einen groben Plot. Das Irritierende: Es ist nicht Fantasy. Ein absolutes Novum für die Muse und mich. Eine Liebesgeschichte. Eine echte, richtige, reine romance. Zeitgenössisch *weiterhin verwirrt schau*

Die Muse stemmt die metaphorischen Hufe in den Sand und weigert sich, auch nur noch ein Wort zu Stein und Stahl zu schreiben. Sie will nach München. Jetzt sofort. In ein Café, dort wo die erste Szene ihres neuen titellosen Lieblings spielt.
Nach kurzer, heftiger Diskussion gab ich nach. Und schreibe jetzt über Leo, den Kellner, und schau ihm beim Anschmachten zu.

Ich hasse meine Muse. Das ist sicher ihre Rache dafür, dass sie im November so brav nach meinen Regeln spielte. Jetzt hat sie mir wieder gezeigt, nach welcher Pfeife wir tanzen.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Ich will endlich Stein und Stahl fertig bekommen, weil mir da auch noch ein Pakt im Nacken sitzt. Wir werden noch sehen, wer diesen Machtkampf gewinnt…

Jery

P.S. Es wäre nett, wenn irgendjemand in diesem Kampf auf mich setzt, aber mir ist klar, dass die Chancen, dass ich mich durchsetze, gering sind.

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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12 Antworten zu Camp NaNo Juli 2014 – Die Rache der Muse

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Ich glaube, es ist nicht Sinn des NaNos, dich zu knechten – vielleicht bringt ein Ausflug zu Leo dich ja viel schneller zu „Stahl und Stein“ zurück, als eine eher sträubende Haltung, wer weiß.

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  2. udo75 schreibt:

    Ich seh das so wie Evanesca, beim NaNo gehts ums schreiben wenn es mit dem einem Projekt nicht klappen will, dann eben ein anderes. Hauptsache schreiben *g*

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  3. Carmilla DeWinter schreibt:

    Tja, ich muss mich wohl den Vorredner*innen anschließen. Hauptsache, was geschrieben? Und wer weiß, wenn Leo fertiggeschmachtet hat, geht’s mit dem anderen Projekt vielleicht besser. Manchmal muss eins sich den Platz im Hirn freischreiben.
    Dass Leute Musik beim Schreiben hören können, wundert mich aber immer wieder … alles was verständliche Sprache ist, irritiert mich sowohl beim Lesen wie beim Schreiben.

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    • Jery Schober schreibt:

      Ich höre immer Musik beim Schreiben und stell mir eigene Soundtracks für jede Geschichte zusammen. Während des Schreibens blende ich die Musik komplett aus, aber sie gräbt sich ins Unterbewusstsein, und wenn ich den gleichen Soundtrack später wieder anwerfe, weiß die Muse, dass jetzt Zeit für Projekt XY ist. Für intensives Schreiben hab ich gerne instrumentale Musik, für Planung lieber was mit Text.
      Ich hoffe, das mit dem „Platz im Hirn freischreiben“ klappt auch tatsächlich und ich verrenne mich nicht im nächsten Projekt, das nicht beendet wird. Mal gucken, wohin mich Leo führt…

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  4. para68 schreibt:

    Ich kann bei Schreiben keine Musik hören, jedenfalls nichts mit Text. Wenn ich jetzt lese, wie Deine Muse reagiert, bin ich ganz froh darüber. 🙂
    Allerdings finde ich auch, dass Du Dich nicht zu sehr über ihre „Abschweifung“ ärgern solltest. Hauptsache, Du schreibst etwas. Verwertbar wird es auf alle Fälle sein. Dann hast Du eben den Anfang für ein neues Projekt. Hoffe einfach darauf, dass die Muse sich irgendwann vorerst verausgabt hat und reumütig zu „Stahl und Stein“ zurückkehrt. Ob das innerhalb des NaNo oder danach passiert, finde ich irrelevant.
    Also, Zähne zusammenbeißen, weiterschreiben und sich von der Muse nicht die Laune verderben lassen. 🙂

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    • Jery Schober schreibt:

      Zähne zusammenbeißen ist grad eine ganze schlechte Idee, weil mir sonst wieder irgendwo was ausbricht ;–)
      Och, die Muse kam gestern schon reumütig angekrochen… Na ja, nicht wirklich reumütig. Ich hab ihr die freie Wahl gelassen, und weil sie mit Leo nicht weiterkam, durfte sie bei Stahl eine Candy Bar Szene schreiben. Alles, um sie bei Laune zu halten…

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      • para68 schreibt:

        Nein, meinen Tipp mit den Zähnen vergiss lieber ganz schnell wieder. Ich möchte nicht, dass Du Dich vor Schmerzen windend auf dem Boden liegst. Schließlich brauche ich Dich und Deine Muse dringend auf dem Autorentreffen. 🙂

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      • para68 schreibt:

        Kette die Muse dieses Mal am besten an, lass sie nicht wieder entkommen! Auch wenn es vielleicht fies klingt… gut, dass sie mit Leo erst mal nicht weiterkommt, dann hat „Stahl“ eine echte Chance. Und es ist wirklich überhaupt kein Problem, wenn Du während unseres Autorentreffen schreiben möchtest. Ich habe selbst genug zu überarbeiten, plotten, schreiben… und Du hast einen zweiten Laptop, den Du mir leihen kannst. 🙂

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        • Jery Schober schreibt:

          Ich seh uns schon bei 35° im Schatten des Nussbaums sitzen, über spiegelnde Monitore fluchen und literweise Eistee in uns hineinschütten, während wir uns gegenseitig vorjammern, welche Biester unsere Musen sind und welch irren Ideen sie jetzt schon wieder haben… geteiltes Leid ist doppelte Schreibfreude, oder so ähnlich.

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