Revision # 2 – Aller Anfang ist mühsam

Mit Beginn der Fastenzeit gab ich ja mein liebstes Computerspiel ab, in der Absicht, die frei gewordene halbe bis ganze Stunde für Sinnvolleres zu nützen. Wie der Überarbeitung meines ersten Romans, weiterhin mit dem Platzhaltertitel Echo 1 versehen, die ich seit einem Jahr vor mir herschiebe.
Es geht voran, wenn auch unendlich langsam. Eine Schnecke ist ein Ferrari dagegen. Ich schaffe nur ein Kapitel pro Tag, wenn überhaupt, weil ich auch nicht jeden Tag Zeit habe, mich dazuzusetzen. Heute ging ich das 6. Kapitel durch (von 36). Dummerweise schreibe ich Kapitel, die furchtbar lang sind, um die 10k. Es dauert also schon mal über eine Stunde, mir eines durchzulesen, da ich sie natürlich mit größtmöglicher Aufmerksamkeit lese.

Bewaffnet bin ich mit:
– einem Ausdruck des Manuskripts (leider mit zu kleiner Schrift, aber ich wollte nicht den ganzen Toner für ein einziges Buch verwenden)
– einem Notizbuch
– einem Bleistift (nicht, weil ich dauernd was wegradieren will, sondern weil ich damit am schönsten schreibe)
– mehreren Leuchtstiften in verschiedenen Farben

In das Notizbuch schreibe ich pro Szene ein paar Worte:
Wer ist der Charakter, aus dessen Blickwinkel erzählt wird ? (bei mir ganz simpel durch das Charakterkürzel mit 3 Buchstaben angegeben)
Was geschieht in der Szene? (in einem Satz)
Welche Dinge fallen mir auf bezüglich foreshadowing, Unklarheiten, logischen Fehlern etc.? Diese werden auch mit Leuchtstift im Manuskript markiert und erhalten direkt dort Bemerkungen, damit ich nicht vergesse, was ich mir dabei dachte. Gelber Leuchtstift heißt bei mir „Achtung, hier muss ich was ändern“, rosa ist „schlecht, geht gar nicht“ und grün ist „diese Info drin lassen“.
Ich bekomme so 3 Szenen auf eine Seite des Notizbuches, mit Platz für weitere, spätere Anmerkungen.

Gerade am Anfang befinden sich einige meiner absoluten Lieblingsszenen. Von denen etliche fliegen werden *seufz* Aber das hat noch Zeit. Vorerst geht es mir darum, mir einen genauen Überblick über das ganze Buch zu verschaffen, damit ich weiß, was ich in der nächsten Runde ändern und streichen muss.

Eine Überarbeitung bleibt keinem Autor erspart. Es ist wie mit dem Wetter. Ob ihr euch drüber freut oder nicht, ändert nichts am Wetter. Also könnt ihr euch genauso gut über Regen und Schnee freuen, weil das nicht beeinflussbar ist. Eure Laune schon.
Das Gleiche gilt für die Revision – ihr kommt nicht darum herum, also freundet euch damit an.

Oh, und um eines gleich klarzustellen: Überarbeiten heißt nicht, die Tippfehler auszumerzen. Das ist das allerletzte, was bei einer Überarbeitung gemacht wird. Es erstaunt mich immer wieder, wenn sogar manche Autoren meinen, dass Überarbeiten sich darauf beschränkt, das Manuskript Korrektur zu lesen. Ich halte immer dagegen, dass ich nicht die Fehler einer Szene ausbessern werde, von der noch nicht feststeht, ob sie überhaupt in dieser Form im Buch drinbleibt. Ich muss mir nicht noch mehr Arbeit aufhalsen, danke vielmals, ich hab genug zu tun.

Überarbeitet mit Freude!
Ein Schelm, wer hier Sarkasmus rausliest.

J

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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5 Antworten zu Revision # 2 – Aller Anfang ist mühsam

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Deine Methode zu überarbeiten finde ich sehr interessant – besonders bei langen Kapiteln ist sie bestimmt wirklich hilfreich.
    Die Kapitel in meinem fertigen Roman (den ich gerade überarbeite) sind ganz selten länger als 2.000 Wörter und während normalerweise beim Überarbeiten darum gekämpft wird, überflüssige Seiten zu entfernen, ist bei mir das Gegenteil der Fall, das Buch muss eigentlich dringend viel länger werden als es ist, denn einige der Kapitel sind doch sehr dürftig und sehr trocken erzählt (und einige sind schlicht schlecht).
    Das Manuskript hatte ich mir auch mal ausgedruckt und versucht, es mit Hilfe eines Notizblocks und Markern zu überarbeiten, aber irgendwie ist das nicht meine Arbeitsweise (es hat ja jeder so seine eigene dabei).
    Am Liebsten würde ich dir erzählen, wie ich es mache (für den Austausch), ABER ich überarbeite jedes Mal völlig anders, je nach Werk… -.-
    Kennst du das? Dass die Herangehensweise an jedes Buch ein bisschen anders ist?

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    • jery22 schreibt:

      Du kannst mir gerne sagen, wie Du was überarbeitest bzw. überarbeitet hast, bin immer an den Methoden anderer Autoren interessiert.
      Über verschiedene Herangehensweisen kann ich noch nichts sagen, weil das der erste Roman ist, den ich überarbeite. Die Novellen vorher waren leichter, weil weniger umfangreich, die mussten auch nicht umstrukturiert werden. Oder gar massivst gekürzt wie mein Monster. Ich versuche, eine Methode zu finden, die bei jedem weiteren Buch funktionieren wird und mich nicht in den Wahnsinn treibt.
      Da jedes Buch ein wenig anders ist, selbst wenn es sich um eine Trilogie handelt, kann ich mir vorstellen, dass auch das Überarbeiten nicht immer nach dem ganz gleichen Schema abläuft. Um eines werde ich aber vermutlich nie herumkommen: zuerst grober Überblick, danach gnadenlos die Szenen streichen, die die Handlung nicht vorantreiben, und dann das, was übrig bleibt, zu einem harmonischem Ganzen verschmelzen.
      Ich hoffe, dass das bei weiteren Romanen nicht mehr ganz so lange dauern wird, und bin optimistisch, dass der nächste nicht mehr so ein gewaltiges Monster ist, sondern nur mehr ein kleines 🙂 Das 2. Buch hat bereits über 100k weniger Wörter, es wird langsam mit mir…
      Falls du mehr Text brauchst: Ich kann hervorragend schwafeln und mit vielen Worten nichts ausdrücken. Diese vollkommen unnütze Gabe stelle ich Dir gerne zur Verfügung 😉

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      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Im Moment arbeite ich mit Betalesern, weil ich leider zwar erkenne, wo ein Fehler ist, wenn ich ihn sehe, aber nur auf der diffusen Ebene „da stimmt was nicht“ und dann jemanden brauche, der mir sagt, wieso.
        Der Beta nimmt meine Schreibe aber auch Satz für Satz auseinander, wir telefonieren oder reden stundenlang darüber und am Ende mache ich mir Notizen, was ich unbedingt ändern muss und wo noch ein Kapitel hinzugefügt werden sollte etc.
        Und dann arbeite ich Kapitel für Kapitel das Buch chronologisch durch. Das geht aber nur bei dem Buch, das ich auch chronologisch mit einer Timeline geschrieben habe.

        Andere Bücher von mir schreibe ich nicht chronologisch. Da überarbeite ich schon mal im Verlauf ein Kapitel, weil mir was Wichtiges dazu eingefallen ist. Oder ich stelle fest, dass ein Kapitel, das ich schon vor sechs Monaten geschrieben habe, erst Sinn macht mit dem Fragment, das ich heute geschrieben habe und Voila… ich kann dem uralten Fragment ein Datum zuordnen.
        Ich arbeite also gelegentlich völlig chaotisch…. das gebe ich ehrlich zu.
        Da gefällt mir deine systematische Herangehensweise viel besser. Aber ich kann mich einfach nicht disziplinieren, was das angeht. Noch jedenfalls nicht.

        Mein Problem bei meinem aktuell zu überarbeitenden Roman ist by the way, dass er viel zu kurz ist und ich nicht da beschreibe, wo ich eigentlich beschreiben sollte, sondern immer nur erwähne. Und nur die nötigsten Szenen drinhabe. Wie ein grobes Skelett.
        Ich muss also eher überlegen: Brauche ich da noch was, damit der Übergang flüssig wird?

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        • jery22 schreibt:

          Ein Hoch auf die Betaleser! Wenn du einen hilfreichen gefunden hast, dann unbedingt behalten, so was ist Gold wert.
          Das mit den Szenen, die erst hinterher Sinn machen, kenne ich zur Genüge… Man schreibt was, von dem man nicht weiß, wo und ob überhaupt es in die Geschichte passt, einige Monate später kommt eine weitere Szene oder ein Plotstrang dazu, und auf einmal macht alles Sinn und passt perfekt. Ich halte mich an ein organisiertes Chaos – ich gebe die Struktur des Plots vor, die Muse tanzt munter darin herum macht innerhalb dieses Rahmens, was ihr gefällt. Und oft genug außerhalb.
          Ein grobes Skelett ist doch gut, dann weißt du immerhin, ob es tragfähig und richtig für einen Roman zusammengesetzt ist. Fleisch in Form von mehr Szenen und Erweiterungen draufpacken kannst du immer noch, falls es wirklich nötig sein sollte. Oft sieht man als Autor nicht mehr, was wirklich zu wenig Schilderung ist und was der Leser auch bei knappen Beschreibungen mitbekommt, weil man keine Distanz zum Werk hat. In dem Fall – Betaleser fragen. Oder ein Jahr warten, ohne das Werk anzusehen. Erste Variante ist aber praktischer, weil dann nicht so viel Zeit draufgeht.

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          • Evanesca Feuerblut schreibt:

            So ist es, es ist sehr schwer, gute Betaleser zu finden und sie dann auch zu halten.

            Klar, aber ein grobes Skelett ist eben nicht alles und das merke ich dann spätestens beim Überarbeiten oder beim Schreiben endloser Listen mit Dingen, die irgendwie fehlen *g*.
            Und wenn einem das Fleisch dann partout nicht einfallen will, ist das doof *g*.

            Ich bevorzuge auch die Variante „Betaleser fragen“, spart wirklich viel Zeit und man kann überarbeiten, solange es noch frisch ist.

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