Ein guter Feind – oder Warum mich negative Motivation antreibt

Es wird viel darüber geschrieben, wie man als Autor Motivation findet und aufrecht hält. Die ganzen Tricks und Kniffe, um die Muse bei Laune zu halten, sie zu Höchstleistungen zu motivieren und das Beste aus ihr herauszuquetschen, füllen ganze Bücher. In Ratgebern, Blogs und Interviews gibt es eine Vielzahl an Hinweisen, Tipps und Anleitungen, wie man als Autor ein Buch anzufängt und, wichtiger noch, beendet. Wie man dabei gut gelaunt und voller Hoffnung und Schreibfreude bleibt, damit einen Familie und Freunde nicht mit dem Entzug von Sozialkontakt drohen.

Ich lese selten über negative Gefühle, die einen Autor vorantreiben. Es ist nicht nett, zuzugeben, dass man neidisch ist. Es ist uncool zu sagen, dass man aus Trotz weiterschreibt. Oder weil man es jemandem heimzahlen will.
Und doch treiben uns solche Gefühle genauso voran wie die Freude am Schreiben, der Spaß an Kreativität und die Lust am Erfinden und Formulieren.

Ich habe eine Menge negativer Emotionen, die mich motivieren. Ich bin dankbar, dass ich sie habe, wenn sie mich vorantreiben und dazu führen, dass ich etwas beende, mich verbessere, mich weiterentwickle.
Versteht mich nicht falsch – ich finde es nicht wundervoll, manchmal mit Gefühlen geschlagen zu sein, die meinem Selbstbild eines gelassenen, optimistischen Autors nicht entsprechen. Aber sie sind nun mal da, und ich kam drauf, dass ich sie zu meinem Vorteil nutzen kann. Ich werde sie nicht unterdrücken, wenn mir helfen, meinem Ziel näher zu kommen. Ich fördere sie nicht und bin froh, wenn sie vergehen, doch solange sie da sind, kann ich sie gezielt einsetzen.

Hier geht es auch nicht um Neid auf andere Autoren. Im Gegenteil, ich freue mich für jeden, der es schafft, ein Buch zu veröffentlichen. Denn davor steht immer der Weg, es allein zu schreiben, und dass dieser Weg lang und steinig ist, wissen alle Autoren. Selbst wenn mir das Buch nicht gefällt, honoriere ich doch die Arbeit, die dahinter steckt. Andere Leser, andere Geschmäcker… Chacun à son goût, um mal den Bildungsbürger raushängen zu lassen. Oder um eine von Robbie Williams‘ Tätowierungen zu zitieren 😉

Ich schreibe, weil ich es liebe. Weil ich nichts Entspannenderes, Schöneres, Aufregenderes und Befriedigenderes kenne oder mir vorstellen kann (außer Sex). Ich schreibe für mich, für meine Familie und Freunde. Für Leser, die mich nicht kennen, die ich nicht kenne. Für jeden, der es lesen will.

Aber ich schreibe auch für alle, die mir einreden wollten, ich könnte es nicht.
Für alle, die mir rieten, ich sollte es lassen. Ich würde es nicht schaffen.
Für alle, die mir sagten, es hat keinen Sinn. Daraus wird nie was.
Und ich schreibe für den einen, der mir so viel genommen hat. Ich werde nicht zulassen, dass er mir auch diesen Traum zerstört.

Wenn ich nicht vorankomme, wenn ich keine Lust habe, wenn Plotprobleme Überhand nehmen, Charaktere herumzicken und ich mich frage, warum ich mir das antue; wenn ich einen Tritt in den Hintern brauche, mich Selbstzweifel quälen und ich nicht weiß, warum ich das je für eine gute Idee hielt, dann erinnere ich mich an alle, die meinem Traum im Weg standen und stehen.
Sie werden nicht gewinnen.

Manchmal hilft ein guter Feind mehr als gute Freunde, ein Buch zu beenden.

J

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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6 Antworten zu Ein guter Feind – oder Warum mich negative Motivation antreibt

  1. para68 schreibt:

    Ich kann Deine Gefühle und Reaktionen gut nachvollziehen. Das Hobby Schreiben ist vermutlich so selten, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie mit dieser Information umgehen sollen. Da sogar das Lesen zugunsten der neuen Medien immer weiter in den Hintergrund rückt, beschäftigen sich nach Ansicht Vieler nur Exzentriker mit dem Schreiben von Romanen.
    So ruft dieses Hobby leider oft ein herablassendes Lächeln oder gar offenen Spott hervor. Wer sich mit „so etwas“ beschäftigt, weiß nach Meinung der Spötter nichts Besseres mit seiner Freizeit anzufangen. Schließlich kann man damit kein Geld verdienen (dazu fehlt einem doch mit Sicherheit die Begabung), pflegt dadurch keine sozialen Kontakte und hält sich nicht fit. Damit fällt es als Hobby in den Augen der Mehrheit durch.
    Der Laien-Autor hat nur drei Möglichkeiten, damit umzugehen:

    1. es vollkommen ignorieren und sich so ein dickes Fell anschaffen, dass man an Spott keinen zweiten Gedanken verschwendet
    2. man beginnt, an sich selbst zu zweifeln, riskiert eine Schreibblockade oder gibt das Schreiben gar irgendwann ganz auf
    3. man reagiert mit Trotz: jetzt erst recht, ich werde euch allen zeigen, dass ich es kann

    Ich finde die dritte Reaktion am besten und übe fleißig, sie mir anzueignen.

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    • jery22 schreibt:

      Ich frage mich immer, warum Schreiben nie als Hobby akzeptiert wird. Jemand, der in seiner Freizeit gerne Tennis spielt, fragt auch niemand, wann er gedenkt, ins Profilager zu wechseln. Aber beim Schreiben kommt sofort die Frage, ob und was man damit verdienen kann. Anscheinend glaubt niemand, dass man schreibt, weil es Spaß macht. Als Hobby erntet es nur Unverständnis, sofern man nicht dazu sagt, dass man mehrere Bestseller schreiben will, und wenn man das angibt, kommen die herablassenden Kommentare.
      Wobei ich Glück habe, weil in meiner Umgebung die meisten sehr positiv darauf reagiert haben. Zwar in der Mehrheit mit der Frage „und wenn du nach der Veröffentlichung deines ersten Buches reich bist, was machst du dann?“ (die armen Uninformierten), aber doch selten spöttisch. Zumindest lachen sie mir nicht ins Gesicht 🙂
      Das mit dem Ignorieren klappt ganz gut, weil ich schlicht und einfach keine Unterhaltung mit jemanden führe, der sich über mein Hobby lustig macht. Selbstzweifel habe ich genug, die sich in der Art meines Schreibens begründen, da ist kein Platz für extern ausgelöste Zweifel 😉 Mit Trotz reagiere ich vermehrt, wenn mir jemand sagt, etwas geht nicht, ich aber der Überzeugung bin, es geht doch, wenn man nur lang und hart genug daran arbeitet. Erwähnte ich schon mal, dass ich stur bin?
      Wir zwei werden weiterüben, bis wir als die beiden Trotzköpfe in die Literaturgeschichte eingehen 🙂

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  2. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Ich kenne das so gut… Wenn man teilweise in einer Umgebung lebt, in der man regelmäßig zu hören bekommt, Schreiben wäre Zeitverschwendung, es gäbe Millionen von Schreibern, warum sollte ausgerechnet man selbst erfolgreich werden – und erst recht ausgerechnet ich…
    Wenn ich für jedes Mal, wenn ich mir das anhören darf, einen Euro bekommen würde, wäre ich jetzt reich.
    Daran ändern auch erste Veröffenlichungen leider gar nichts. Nicht das Geringste.

    Früher bin ich deswegen an die Decke gegangen.
    Mittlerweile kontere ich mit gut recherchierten Informationen:

    – Wie wahrscheinlich es allein zahlenmäßig ist, in einer Anthologie unterzukommen (und wie sehr die Wahrscheinlichkeit allein dadurch steigt, einen in Betracht auf RS, Grammatik und Logik sinnvollen Text abgeliefert zu haben – das ist alles andere als selbstverständlich)
    – dass man schon mit Anthologieveröffentlichungen erste eigene Cents verdienen kann und somit zwar nicht von seinem Hobby leben, aber sich zumindest einen Schokoriegel mehr leisten kann als vorher
    – dass viele Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien die Chance auf eine Romanveröffentlichung erhöhen (und wenn man ein offenes Auftreten hat, gut vernetzt ist und zeigt, dass man eine arbeitsame Kämpfernatur ist, die einen Text fünfzig mal schleift, bis alle zufrieden sind)

    Dass man also eine Chance hat, wenn man hart arbeitet.
    Die meisten Neider oder Skeptiker haben keine Ahnung vom Buchmarkt oder wie man es bis zu einer Veröffentlichung bringt. Oft besiegt man sie schon dadurch, dass man sie informiert.

    Dazu aber muss man selbst informiert sein.

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    • jery22 schreibt:

      Danke für die Auslistung der Infos, die man den negativen Stimmen um die Ohren hauen kann. Mein nächstes Etappenziel ist nicht nur ein Schokoriegel, sondern ein ganzes Essen für 2 Personen, das ich mir allein vom Schreibverdienst leisten können will. Ja, ja, größenwahnsinnig, ich weiß, aber ohne solche Träume wäre ich nicht hier 😉
      Oh, und das mit der Rechtschreibung, Grammatik und Logik stimmt, auch wenn ich immer ungläubig angestarrt werde, wenn ich behaupte, dass es keine Selbstverständlichkeit ist. Nicht jeder Autor ist der geborene Rechtschreibfanatiker. Muss man ja auch nicht sein, aber dann muss man jemanden kennen, der die Fehler ausbessert. Alles andere ist eine Zumutung für den Leser. Wenn ich mir so manche Veröffentlichungen anschaue, teilt diese Meinung nicht jeder Autor. Und das nicht nur auf dem self pub Sektor 😦
      Ein Hoch auf die Information, und Dir weiterhin viel Erfolg als „arbeitsame Kämpfernatur“. Der Ausdruck gefällt mir 🙂 Ich glaube, den adoptiere ich.

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      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Immer wieder gern – ehrlich gesagt, gab es eine Zeit (die längste Zeit ^^) als ich selbst keine Ahnung von diesen Infos hatte. Mir haben sie sehr geholfen, nun sollen sie anderen helfen :).

        Das ist ein schönes Etappenziel und ich wünsche dir viel Erfolg!

        Eben – wenn man keine Rechtschreibung kann, aber tolle Geschichten zu erzählen weiß, gibt es Betaleser, die so nett sind und das Korrektorat machen. Idealerweise erklären sie noch mit Engelsgeduld die Rechtschreibregeln dahinter (jedenfalls mache ich das so, wenn ich bei jemandem betalese).
        Aber ja, leider erreicht so manches Buch den Leser, das aufgrund dieser Fehler kaum lesbar ist -.-

        Danke schön :). Der Ausdruck wird sich bei dir wohl fühlen 🙂

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  3. Pingback: Ein guter Feind – Nachtrag | Marmor und Ton – Schreiben mit MUT

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