Fastenzeit für Autoren – oder so ähnlich

Letzte Woche begann wieder mal die Fastenzeit, und ich las dauernd von Abwandlungen des ursprünglich religiös motivierten Fastens – die einen fasten mit Gemüsesäften, die anderen essen 40 Tage lang vegetarisch, vegan oder nur Selbstgekochtes. Viele machen Konsumfasten und kaufen bis Ostern nichts, was nicht lebensnotwendig ist.
Es brachte mich zum Nachdenken – wenn ich auf etwas verzichten sollte, was würde das sein? Was würde den Autor in mir am besten beeinflussen?
Ich entschied mich, bis Ostern auf mein Lieblingsspiel zu verzichten. Der Zeitraum schien mir machbar, ich würde mir damit eine halbe bis ganze Stunde am Tag einsparen, in der ich dem Autor in mir nicht zur Verfügung stehe. Im Idealfall würde ich diese Zeit nutzen, um weiter an neuen Geschichten zu schreiben, die alten zu überarbeiten und zu die vielen ungelesenen Bücher anzugehen.
Ich gab am Aschermittwoch die CD ab (das Spiel ist so alt, dass es nicht einmal eine DVD davon gibt). Rechnete nicht ernsthaft mit Entzugserscheinungen, nicht mal mit schlechter Laune, wenn mir meine Abendentspannung verwehrt bliebe.
Und die hatte ich auch nicht, weil ich nicht spielen konnte. Sondern weil sich trotz der zusätzlichen Zeit nichts an meinem Tagesablauf änderte. Oder der Motivation. Inspiration. Was auch immer.
Anscheinend brauche ich nach der Arbeit eine gewisse Zeit, um von Dayjob auf Privatleben zu schalten. Für gewöhnlich verbrachte ich diese ein bis zwei Stunden mit Hausarbeit, Kochen, DVD schauen und Computerspielen.
Wenn ich letzters weglasse, heißt das nicht, dass ich früher bereit fürs Schreiben bin. Es heißt nur, dass ich andere Sachen machen, um mich abzulenken, in die richtige Stimmung zu bringen oder mein Vorhaben rauszuzögern. Ich surfe im Internet, lese mich durch Rezensionen und Blogs, erforsche die letzten Trends auf dem Selfpublishing Sektor und informiere mich über Agenten und Verlage. Das hat immerhin im weitesten Sinn mit dem Schreiben zu tun.
Und ist doch nicht anderes als Rausschieben. Sich vor der Arbeit drücken. Prokrastinieren, um hier mal ein Wort zu benutzen, von dem mir nicht klar ist, ob es ein Anglizismus ist oder doch eine Verbbildung eines seltenen Fremdwortes.

Fazit: Es macht keinen Unterschied, ob ich ein Spiel spiele oder im Internet surfe. Ich vergeude die meiste Zeit damit, alles andere zu machen außer Schreiben. Was am Sinn des Autor-Seins vorbeigeht.
Lösung: Der Muse in den Hintern treten. Was sich schwierig gestaltet, da sie keinen Körper besitzt. Bzw. sich ihren mit mir teilt.

Es bleibt wie immer dabei: Wenn du etwas wirklich willst, wirst du einen Weg finden. Wenn nicht, wirst du eine Ausrede finden.

J

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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2 Antworten zu Fastenzeit für Autoren – oder so ähnlich

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Auch wenn es dir nicht mehr Schreibzeit eingebracht hat, so ist es auf jeden Fall ein Experiment. Es hätte ja sein können, DASS es dir mehr Schreibzeit bringt. Man muss immer mal austesten und schauen.

    Nach dem NaNoWriMo im November letzten Jahres dachte ich, ich wäre von nun an immer so produktiv. Nichts da. Nach dem NaNo habe ich wochenlang gar nichts geschrieben, weil ich für den Moment schreibmüde war, obwohl durchaus Ideen/Inspirationen vorhanden waren.
    Ich weiß noch, wie ich fast euphorisch dachte, dass eingeschränktes Internet (das Internet im Studentenwohnheim ging nicht, mein Surfstick als Rettung für solche Fälle war kaputt und mir blieb nur das wenige Surfen zwischen Lehrveranstaltungen an der Uni, das sich oft auf 45 Minuten beschränkte) würde mir mehr Schreibzeit lassen.
    Statt dessen stellte ich fest, dass ich ohne Internet nicht schreiben konnte. Dauernd stolperte ich mitten im Schreibfluss über Dinge, die ich dringend googeln und nachschauen musste, ehe ich weitermachen konnte. Und noch frustrierender war es, weder übers Schreiben twittern noch mit meinem Freund darüber chatten zu können. Sowas tut man automatisch, man merkt es gar nicht.
    Statt dessen habe ich in der Zeit einen Haufen Computerspiele getestet und die Testberichte auf meinem USB-Stick gehortet, um sie an der Uni zu posten.

    Jetzt ist die Frage: Fastest du weiter oder erklärst du das Experiment für vorüber und holst dir dein Spiel zurück?

    (Und ich wollte dir noch schreiben, dass ich dir seit gestern über Bloglovin folge – irgendwie mag ich deine Schreibe und habe das Gefühl, dass man sich mit dir gut unterhalten kann, deswegen auch z.B. dieser ewiglange Kommentar ^^ )

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  2. jery22 schreibt:

    Oh, danke *rotwerd* Ich freue mich immer über Follower. Mich findest Du seit einigen Monaten als Anhänger der Weltenschmiede… 🙂
    Ich schreibe hier im Blog hauptsächlich für mich selbst, um meine Gadanken zu sortieren. Wenn es sonst irgend jemandem nützt, zur Aufheiterung, Inspiration oder Abschreckung, dann freut mich das. Wie ich immer sage: Wenn du kein leuchtendes Vorbild sein kannst, dann sei wenigstens ein abschreckendes Beispiel 😉 Vielleicht erkennen so ein paar Autoren, wie man es NICHT machen sollte.

    Ich halte dieses Spiel-Fasten-Experiment durch bis Ostern. Gezwungenermaßen, denn ich weiß nicht, wo meine bessere Hälfte das Spiel versteckt hat.
    Heute fing ich an, diese gewonnene Stunde in die Überarbeitung meines Monsters (1. Roman) zu stecken. Wenn ich das durchhalte, bekomme ich das Buch dieses Jahr hoffentlich fertig. Das ist zumindest mein Plan.

    Das mit NaNo kenne ich – die ersten paar Tage im Dezember gehen noch, da schreibe ich meistens ein paar Szenen fertig, daber danach setzt erst mal die literarische Flaute ein. Leergeschrieben. Meistens bis Jänner, manchmal Februar. Das Tempo von NaNo könnte ich unterm Jahr nur durchhalten, wenn ich den ganzen Tag Zeit hätte, aber das lässt der Dayjob nicht zu.
    Beim Internet geht’s mir ähnlich wie dir – ich verfluche es, weil es mich so sehr ablenkt, aber ganz ohne bringt auch nichts, weil ich immer dann auf ein Plotproblem stoße, wenn ich keine Recherche betreiben kann. Muss eine Abwandlung von Murphy’s Gesetz sein. Oft kann man nicht mal drum herumschreiben und es nicht einfach freilassen, sondern es ist essentiell für den weiteren Handlungsverlauf. Dafür nehme ich gerne in Kauf, dass ich mal 2 Stunden mit zielgerichteter Recherche verbringe. Leider surfe ich oft genug ziellos durchs Netz und lasse mich zu sehr ablenken, wenn Schreibzeit wäre *seufz* Wenn irgendjemand Selbstdisziplin in Flaschen verkaufen würde, würde ich ihn reich machen.

    Was ist aus Deinem NaNo-Projekt geworden? Ist der Roman fertig?

    Lg,
    J

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