Das Rüstzeug eines Autors # 2 – Computer

Nachdem kaum einer mehr mit der Hand schreibt, gehe ich davon aus, dass die meisten von euch eure Geschichten mit Hilfe von moderner Technik zu Papier bringen. Nicht, dass das Schreiben mit einem schönen Füller nicht eine wunderbare Angelegenheit wäre, aber ich tippe bedeutend schneller, als ich mit der Hand schreibe. Im Gegensatz zu meiner Sauklaue kann einen Computerausdruck jeder lesen.
Da meine ersten Fassungen ein Schlachtfeld an gestorbenen Szenen, zerbombten Absätzen und verunstalteten Wörtern sind, ist es bedeutend einfacher, das Ganze am PC zu verarzten, als mühsam mit der Hand alles neu schreiben zu müssen, oder die Zettel zu zerschneiden und die Szenen und Absätze in neuer Reihenfolge wieder zusammenzukleben.
Ich habe als Teenager noch mit der Hand geschrieben, weil ich keinen PC hatte. Als ich mit 17 eine elektronische Schreibmaschine bekam, entdeckte ich die Wunder des einfachen Änderns. Mit 18 schuftete ich einen Sommer lang, um mir meinen ersten PC kaufen zu können, die damals noch ein Vermögen kosteten, für einen Bruchteil der Leistung, den sie jetzt bringen. Daran seht ihr, wie alt… äh, lebenserfahren ich bin 😀

Hardware:
Ich schreibe auf einem Laptop, sehr selten auch auf einem Netbook, aber das ist mir eigentlich zu klein. Ich habe gerne eine große Tastatur und einen guten Monitor. Auf einem Tablett oder gar Handy bringe ich gar nichts zustande. Ich gehöre noch einer Generation an, die für eine SMS einen einzigen Finger benutzt und nicht beide Daumen 😉
In meinem Arbeitszimmer habe ich den Luxus von 2 Monitoren. Zusammen mit einer Karte neben einem Monitor, einer weiteren hinten an der Wand und zwei Plänen hinter der Tastatur habe ich einen recht guten Überblick, wo welcher Teil der Geschichte spielt. Zumindest theoretisch.

Mein Arbeitsplatz

Mein Arbeitsplatz

Oh, und essentiell für mich zum Schreiben sind eine Duftkerze und Aufmunterungskarten meiner Cheerleader. Naschwerk ist optional. Bestechungsversuche durch Cheerleader, die Muffins kredenzten, um den Autor zum Schreiben zu motivieren, sind erfolgreich, werden aber viel zu selten eingesetzt *hint*

Mittlerweile musste mein alter Dell-Laptop mit dem hübschen Giraffendekor einem größeren, leichteren Sony weichen, den ich heiß und innig liebe. Für den ich extra eine Tasche kaufte, damit ich ihn überall hin mitschleppen kann (Ausrede fürs Shopping).
Ich schreibe sowohl auf der Laptop-Tastatur als auch auf einer seperaten. Wer Probleme mit den Handgelenken oder Sehnen hat, sollte eine gute, ergonomisch angepasste Tastatur und Maus benutzen. Wer keine Probleme hat, sollte es trotzdem tun, damit keine Probleme entstehen. Als Autor tippt man nun mal viel und lange, und eine Sehnenscheidenentzündung oder das gefürchtete Karpaltunnelsyndrom als „Berufskrankheit“ braucht wirklich keiner. Tut saumäßig weh und legt für Wochen lahm.

Zum Ausdrucken hat mir meine bessere Hälfte einen kleinen, günstigen Schwarz-Weiß-Laserdrucker geschenkt, den ich zuerst für unnötig hielt, jetzt aber nicht mehr missen will. Er ist schnell und im Verbrauch billiger als ein Tintenstrahldrucker, was man wirklich zu schätzen weiß, wenn man die erste Version eines 700-Seiten-Manuskripts ausdruckt und dafür keine halbe Stunde braucht.

Software:
Es gibt eine Menge an Software speziell für Autoren. Ich fing ganz banal mit Word an, schrieb zwischendurch mit OpenOffice und landete schließlich bei Scrivener. And she never looked back…
Ich kann mir nicht mehr vorstellen, wie ich vorher geschrieben habe. Es ist um so vieles einfacher, wenn man ein Programm dafür hat, dass auf meine Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Karteikarten? Ich liebe sie. Outline-Modus? Kann nicht mehr ohne leben. Szenen in die richtige Reihenfolge bringen? Pinwand, ich bete dich an. Farbmarkierte POVs bei den einzelnen Szenen? Halleluja!
Scrivener hat den Vorteil, dass es relativ günstig ist, für NaNo-Gewinner sogar noch billiger, weil sie einen großzügigen Nachlass erhalten. Ich kann es auf etlichen PCs installieren, es gibt laufend Updates, ein hilfreiches Forum und natürlich eine kostenlose Testversion. Das Wörterbuch kann sich zwar nicht mit dem Duden messen, aber ich habe nützliche Spielereien wie einen Namensgenerator, ich kann Notizen und Kommentare direkt zur betreffenden Szene pappen, und der für mich momentan größte Vorteil: Die Konvertierung auf ein eBook-Format meiner Wahl braucht 3 Mausklicks und dauert 30 Sekunden. Und das, wo ich schon dachte, ich müsste mich mit Calibre rumschlagen…
Lest mal euer eigenes Buch auf einem eBook-Reader. Gibt einen Wahnsinnskick und hat den Vorteil, dass man das Buch mit ganz neuen Augen sieht. Fehler fallen auf, die man auf dem PC-Monitor 4 Mal überlesen hat, und man gewinnt emotionale Distanz, was beim Überarbeiten unumgänglich ist.
Ich habe auch viel Gutes über das deutsche Papyrus gehört. Nachdem das aber mehr als 5 Mal soviel wie Scrivener kostet, war für mich die Entscheidung leicht. Und nein, ich bekomme keine Provision für diese Werbung, ich bin einfach begeistert von diesem Programm.

Ich probierte auch ein Diktierprogramm aus, war damit aber nicht sehr zufrieden. Nachdem ich dem Programm vier Stunden lang Texte vorlas, nur damit es lernt, mit meiner Aussprache umzugehen, und es danach noch immer nicht schaffte, auch nur einen Satz korrekt wiederzugeben, gab ich vorerst auf. Aber vielleicht wird das noch was zwischen mir und dem Drachen (ich versuchte Dragon).

Was auch immer ihr benutzt, eine Regel gilt für alle: Sichert oft und sichert regelmäßig. Ja, ja, ich weiß, tut ihr doch alle… wieso lese ich dann immer wieder Hilferufe, dass die Festplatte tot ist und der Roman futsch?
Meine bessere Hälfte hat mich mit seiner Datensicherungsparanoia angesteckt. Ich sichere auf dem Laptop, einer Docking Station und 2 externen Festplatten. Eine Hardcopy liegt bei einem Freund, eine Freundin bekommt alles per E-Mail. Nur für den Fall, dass das Haus mit allen technischen Geräten abbrennt… obwohl wir hoffen, dass das kein zweites Mal passiert.

Dann haut mal in die Tastatur und füllt den leeren Bildschirm mit Leben!

J

Advertisements

Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
Dieser Beitrag wurde unter Rüstzeug eines Autors, Schreiben abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Das Rüstzeug eines Autors # 2 – Computer

  1. udo75 schreibt:

    Datensicherungsparanoia? … Naja vielleicht doch ein bisschen, aber wenn man(n) weiß, dass das Wiederherstellen einer kaputten Festplatte mit ca. 1 € pro MB Festplattenkapazität zu Buche schlägt, kann sich jeder ausrechnen, was es bei einer 1 TB Platte kostet, seine geliebte Daten wieder zu bekommen, und dann ist es auch nicht sicher, dass die wichtigen Daten wieder vollständig wiederhergestellt werden können.
    Wer es ganz sicher haben möchte, kann unter „Großvater-Vater-Sohn-Prinzip“ unter Wikipedia nachlesen, wie es richtig geht.
    Auch wichtig, dass man eine Sicherung nicht im der Nähe des Rechners lässt, sondern, wenn schon nicht außer Haus, dann zumindest in einem anderen Raum aufbewahrt.
    Also mein Aufruf an alle: Sichert oft, sichert alles, aber sichert mit System !

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s