Das Rüstzeug eines Autors # 1 – Sprache

Ein Maler hat Farben, Pinsel und eine Leinwand, ein Bildhauer Marmor und Meißel, ein Autor hat Wörter und Satzzeichen. Nicht besonders viel und im Gegensatz zu den anderen Künstler nichts, was sich angreifen lässt. Und doch ist es alles, was wir brauchen.
Umso erschütternder finde ich es, wenn ich über Auszüge und Leseproben stoße, in denen es von Fehlern wimmelt.
Ich habe kein Problem damit, wenn in einem Blogbeitrag Tippfehler vorkommen oder Wörter vergessen werden. Passiert schon mal in der Hektik. Aber in einem Buch oder einem Auszug? Das eine Werbung für den Autor sein soll, im Idealfall neugierig machen und zum Kauf animieren soll? Da ist meine Toleranzgrenze so niedrig wie momentan die Schneefallgrenze.

Nun sind nicht alle mit dem umfassenden Wissen eines Duden ausgestattet, und wir alle wissen, dass man die Fehler in seinen eigenen Texten nur zu oft übersieht, weil man diese Texte kennt und im Hirn daher automatisch vervollständigt, sobald man den ersten Teil des Wortes gelesen hat. Daher mein Rat: Gebt es jemandem zum Korrektur lesen. Und zwar jemandem, der gut in Deutsch ist.
Ich rede hier nicht mal von Stil. Das ist eine persönliche Angelegenheit. Was dem einen gefällt, findet der andere vielleicht furchtbar. Obwohl auch hier einige allgemeine Regeln gelten, nach denen sich guter Stil definieren lässt, wie Vermeidung von Passivkonstruktionen, aussagekräftige Verben und Substantive statt einer Ansammlung von Adjektiven oder Adverbien, keine Sätze über eine ganze Seite und nichts doppelt Gemoppeltes.
Ich meine die Basis unserer Sprache – Grammatik und Rechtschreibung. Wobei letztere noch am leichtesten auszumerzen ist. Wovon ich in letzter Zeit zu viel gesehen habe, sind Grammatikfehler – da wird der Dativ mit dem Akkusativ verwechselt, erhalten Substantive im Plural Verben im Singular und kommen Gliedsätze vor, bei denen das falsche Bindewort gesetzt wird.
Satzzeichen sind oft ein Ausdruck von Stil und werden auch verwendet, wenn man etwas hervorheben will, und da bin ich nicht besonders streng, aber wenn nach einem Fragezeichen ein Komma gesetzt wird, rollen sich mir die Fußnägel auf. Heute las ich ein Beispiel, wo nicht einmal direkte Reden korrekte Satzzeichen erhielten.
Da hört sich mein Verständnis auf. Es ist unser Job als Autor, den Inhalt der Geschichte mit einer Sprache zu transportieren, die es dem Leser leicht macht, diesem Inhalt zu folgen. Mir wird das verwehrt, wenn ich einen Satz erst zwei Mal lesen muss, um ihn zu verstehen, und das nicht, weil so viele Fremdwörter vorkommen, sondern weil ich ihn schlicht und einfach grammatikalisch nicht verstehe.
Wenn ich als Autor unsicher bin, kann ich nachschlagen. Es gibt den Duden auch online. Wenn ich schlecht in Grammatik bin, dann muss ich lernen und üben, wie auch ein Maler üben muss. Und wenn das auch nicht reicht, dann muss ich mir gute Korrektoren suchen.

Mich ärgert es, wenn ich veröffentlichte Texte lese, die vor Fehlern strotzen. Niemand ist gefeilt vor Tippfehlern, das kommt selbst in Verlagswerken vor. Ich rede hier von der Masse an selbstpublizierten ebooks, von denen manche aussehen, als hätte sie nicht einmal der Autor ein zweites Mal durchgelesen. Und dafür soll ich Geld ausgeben? Wenn in der Leseprobe bereits auf der ersten Seite 3 Fehler zu finden sind, werde ich das Buch nicht kaufen, egal, wie gut der Inhalt sein mag. Ich erwarte für mein Geld ein gutes Produkt. Es muss kein perfektes sein, aber es sollte erkennbar sein, dass der Autor sich nicht nur auf die Autokorrektur von Word verließ.
Und was ist mit der Inflation von Adjektiven los? Ich las heute einen Absatz von 7 Zeilen, in dem 12 Adjektive vorkamen. Ja, ich hab sie abgezählt. Ich verstehe den Zweck von dieser inflationären Verwendung, und bei jedem unter 20 habe ich auch kein Problem damit. Alle anderen sollten genug gelesen haben, um mitzubekommen, dass es andere Arten der Beschreibung gibt. Vor allem welche, wo nicht von einer „dunklen und finsteren Nacht, in der sich die bleiche Sichel des silbern schimmernden, hellen Mondes gegen das leuchtende Licht der strahlenden Sterne abhob“ – Beispiel von mir erfunden, aber symptomatisch für das, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Wobei ich „dunkel und finster“ leider nicht erfunden habe.

Vermutlich habe ich in den letzten Tagen einfach zu viele Leseproben auf Amazon und Autoren-Homepages gelesen, wo mir die Fehler ins Auge sprangen. Wenn ab und zu was falsch ist, sehe ich ja darüber hinweg, aber in Summe war das ein wenig zu viel für dieses geplagte Autorenherz, das nicht versteht, warum man seine Texte nicht überprüfen lässt. Es muss kein Profi sein, oft reicht schon ein Freund. Vier Augen sehen immer mehr als zwei.

Wörterbücher sind unsere Freunde und nicht nur dazu da, um Spinnen zu erschlagen.

J

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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