Wie man den richtigen Titel findet

Gar nicht. Zumindest, wenn man ich ist.
Seit drei Jahren überlege ich an einem Titel für ein Buch herum. Ein einziges. Ich hab einen Arbeitstitel, der mir aber auch erst nach eineinhalb Jahren einfiel. Den ich nicht so schlecht finde, aber es fehlt ein gewisses Maß an „oompf“. Was darin liegen mag, dass der Nachfolgeband von Anfang an einen Titel hatte, der mir hervorragend gefällt. Ist natürlich nicht von mir, sondern einem Gedicht von Rilke entnommen (he, und damit verstoße ich nicht mal gegen das Copyright).

Der perfekte Titel passt zum Inhalt und den Charakteren, ist leicht zu merken, einzigartig und mit einem poetischen Touch.
Der richtige Titel passt zur Geschichte, und damit wär ich schon zufrieden anstatt irgendwelche Platzhalter zu verwenden, damit ich das Buch im Gespräch irgendwie anders bezeichnen kann als „erstes Buch, zweites Buch…“.

Meine Muse war früher ausgezeichnet darin, Titel zu finden. Sie hatte mehr Titel als Geschichten auf Lager. Sie gab mir Titel zu Geschichten, die nie geschrieben wurden. Sie fand Titel für die Geschichten von Freunden.
Jetzt?
Hüllt sie sich die meiste Zeit in Schweigen. Oder kommt mit idiotischen Alliterationen. Oder so dämlichen Vorschlagen, als wollte sie damit erreichen, dass ich sie bloß nie wieder um einen Titel bitte. Auszug gefällig? Ihr wurdet gewarnt…
Berits Beute (ja, ja, sie liebt Alliterationen)
Liebe, Diebe, Triebe (der Titel fiel ihr vor über 15 Jahren ein, und seitdem versucht sie, ihn mir schmackhaft zu machen)
Die Minen von Menagas (nachdem sie zuviel HdR geguckt hatte)
Diebe der Nacht (ich schau mir an, wie sie versuchen, die Nacht zu stehlen…)
Träume von Reichtum (davon träumen wir doch alle)
Und mein Favorit aus der Kategorie „nicht der geringste Bezug zum Inhalt“ – holt eure Schmalzpfannen heraus, es trieft gleich: Das Licht an meiner dunklen Seite.
Ja klaaar. Gut, die Muse hat recht, in einem Bergwerk ist es finster, und da ist ein Typ dabei, der eine Fackel hält… Aber ansonsten wäre das wirklich hübsch für eine schmalzige Liebesgeschichte mit einem gequälten Helden und der strahlenden Unschuld, die seine Seele vor dem Untergang rettet.

Was also tun, wenn nichts eine Inspiration liefert? Wenn weder Gedichte, noch Lieder oder der Text selbst eine Zeile enthalten, die als Titel taugen?
Sich mit etwas begnügen, was nicht wirklich passt. Oder zu banal ist. Andere um Rat fragen, die die Geschichte auch gelesen haben und eine lyrische Ader besitzen.
Oder so wie ich weiter die Muse quälen. Sie kann gute Titel liefern, wenn sie nur will. Wenn sie das in letzter Zeit nicht dreimal bewiesen hätte, würde ich nicht weiter hoffen, dass sie mit einem Knaller um die Ecke kommt, bei dem ich genau weiß, dass DAS der richtige Titel ist.

Viel Erfolg bei der Titelgebung eurer Geschichten –

J

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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6 Antworten zu Wie man den richtigen Titel findet

  1. para68 schreibt:

    Fast immer empfinde auch ich es als schwierige Aufgabe, den passenden Titel für einen Roman zu finden. Manchmal habe ich unglaubliches Glück und die Muse gönnt mir ein gute Idee. Meistens verwende ich aber einen beliebigen, griffigen Arbeitstitel, der später geändert werden soll. Dazu ist es aber bisher nie gekommen. Immer wenn ich deswegen bei meiner Muse anfrage, gähnt sie nur.

    Ich tröste mich dann hiermit: im Normalfall ist das Ziel des Autors, dass sein oder ihr Projekt veröffentlicht wird. Und dann gilt: egal, wie gut der Titel ist, den man seinem Manuskript gegeben hat, der Verlag wird voraussichtlich sowieso einen anderen Titel wählen und der Autor muss sich fügen. Also versuche ich, mich nicht zu sehr zu ärgern, wenn die Muse wieder die Mitarbeit bei der Titelsuche verweigert.

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    • jery22 schreibt:

      Das Ärgern habe ich auch aufgegeben, es wäre mir nur lieb, wenn die Muse nicht immer mit bescheuerten Vorschlägen kommt. In der Anfangsphase hatte sie wöchentlich einen tollen Titel, in den sie ganz verliebt war, bis der nächste auftauchte, der ihr besser gefiel… im Rückblick waren alle eher nichtssagend und langweilig, weil zu oft gehört.
      Dafür habe ich Titel, die wunderbar sind, nur nicht zu den Geschichten passe, die ich schreibe. Ob ich die zur Adoption anbieten soll? 😉

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  2. para68 schreibt:

    Nachtrag:

    Wenn Du Alliterationen so magst, wie wäre es mit „Dunkler Diebeszug“? 🙂

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  3. udo75 schreibt:

    Wenn es nach mir geht, läßt sich ein Titel (für ein Buch, ein Bild oder sonst was) nicht finden oder erarbeiten, sondern er erscheint wenn es ihm passt! Leider aber auch oft erst viel zu spät *g*
    Hätte da noch ein paar Vorschäge (beziehen sich auf Bers Situation) „Spiel ohne Magie“ , „Dunkle Zukunft“, „Verlorene Zukunft“ (wobei schwer zu erklären ist wie man die Zukunft verlieren kann) oder bodenständiger „Kruzifix des muß a ohne gehn“ 😉
    Der Titel „Liebe, Diebe, Triebe“ erinnert mich aber eher an ein Schmuddelfilmchen aus den 70ern.
    Ich bin überzeugt davon das sich der richtige Titel schon noch bei dir vorstellt.

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    • jery22 schreibt:

      Wow, ich krieg hier sogar Vorschläge… ich sollte öfter meine Verzweiflung kundtun und auf Mitleidshilfe setzen 🙂
      Was die Schmuddeltitel angeht… Du kennst meine Muse. Sie ist dauernd in der Gosse zuhause, und ich muss sie mit Gewalt daraus hervorholen, weil sie sonst dauernd Leute miteinander verkuppelt, nur damit sie sich Sexszenen ausdenken kann. Versautes kleines Biest.
      Und so merkwürdig das jetzt klingen mag… Du hattest Recht. Nicht immer, aber immer öfter. Anscheinend kam heute ein Titel dahergeflogen, während dem Anschauen einer TV-Doku, es machte PING, und später kam ich drauf, dass dieser Titel bereits seit einigen Wochen in der Auswahl steht. Mal schauen, ob ich ihn in einer Woche auch noch gut finde, oder die Muse mit was Besserem ankommt.

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  4. Pingback: Off Topic – Titelfindung | Marmor und Ton – Schreiben mit MUT

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