Der Autor und sein soziales Leben

Ein Autor hat keines, weil er seine Zeit mit Schreiben verbringt.
Ein Autor braucht eines, um seine Fantasie mit neuen Anregungen zu versorgen, aus seiner eigenen imaginären Welt auszubrechen, sich daran zu erinnern, dass es auch noch andere Dinge als Schreiben gibt und um einfach mal wieder ein Mensch zu sein.

Freunde und Familie geben uns Rückhalt und muntern uns auf. Sie sind die unverzichtbaren Cheerleader, die ihre Pompons schwingen, wenn wir ein Tief haben, und die sich geduldig unsere fiktiven Probleme mit erfundenen Figuren in einer imaginären Welt anhören. Sie bestärken uns in unserem Vorhaben, Schriftsteller zu sein, und begleiten uns durch die Zeiten von Zweifel und Angst.
Oder, wenn sie wie meine Betas sind, treten sie einem in den Hintern, wenn man zu viel jammert, drohen mit der Wasserspritze, wenn man Bejuweled spielt anstatt zu schreiben und nehmen einem die Lieblingsspiele-CD weg, damit auch der diesjährige NaNo geschafft wird. Das Konzept der positiven Bestärkung ist manchen meiner Betas fremd, aber he, ich hab gelernt, damit umzugehen 😉

Ich bewundere jeden, dem der Spagat gelingt zwischen Romanschreiben und aktivem sozialen Leben, ohne auch nur eines davon zu vernachlässigen. Ich konzentriere mich mehr aufs Schreiben, merke aber selbst, dass ich nach Wochen in selbst gewählter Isolation unrund werde und ein Treffen mit Freunden brauche, um durchzuschnaufen und über alles Mögliche, nur nicht übers Schreiben zu reden oder nachzudenken. Ins Kino oder Essen gehen, ein DVD-Abend zuhause oder auch nur ein Shoppginbummel bringen mich vom Autorenmodus in den normalen Menschmodus, und der ist dringend nötig, um neue Eindrücke zu sammeln, die mein Unterbewusstsein aka Die Muse verarbeitet, transformiert und Monate oder Jahre später als Idee wieder ausspukt.

Also, liebe Autoren, raus aus dem Haus, unter Menschen und einmal die Welt der Bücher vergessen – ihr werdet erfrischt und begeistert wieder an Feder bzw. Tastatur gehen.

J

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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4 Antworten zu Der Autor und sein soziales Leben

  1. udo75 schreibt:

    Es ist sicher nicht leicht da einen guten Kompromiss, oder überhaupt einen Kompromiss zu finden. Auf Kommando kreativ sein, nur weil nun die Zeit dafür ist, ist sehr, sehr schwer. Am kreativsten ist man meistens dann, wenn es jetzt gerade gar nicht passt, oder man gerade irgendwo ist und nix zum Schreiben, Zeichnen, Fotografieren oder sonst was bei sich hat.
    Aber um das ganze halbwegs professionell anzugehen und auch noch am echten Leben da draußen teilnehmen zu können, ist es wahrscheinlich notwendig für sein Hobby fixe Zeiten einzuplanen, damit die Umwelt (und auch das eigene Leben) nicht völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Und diesen Spagat zu meistern ist sicher nicht leicht.
    Die Betas wollen doch nur das beste aus dem Autor herausholen, die Methoden sind teilweise sicher fragwürdig, aber solange sie den erwünschten Effekt erzielen werden sie eingesetzt *g*
    Die Betas lieben den Autor.

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    • jery22 schreibt:

      Am Spagat bzw. Kompromiss arbeite ich noch, wie du weißt. Mal gelingt er besser, mal schlechter. Und da ich Schreiben weniger als Hobby und mehr als Job ansehe, ist eine professionelle Einstellung gut und richtig. Was bedeutet, dass die Muse zu spuren hat, ob sie will oder nicht, weil ich nur eine beschränkte Zeit zur Verfügung habe und nicht darauf warten kann, dass sie in Stimmung ist. Ich geh jetzt die Peitsche holen…

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  2. para68 schreibt:

    Hmmm…. ist das nun ein Vorwand dafür, dass Du nicht jeden Monat so viel schreibst wie im November? *lach*

    Nein, Spaß beiseite. Natürlich braucht man aus den verschiedensten Gründen Auszeiten: man möchte verhindern, dass Familie und Freunde vergessen, dass man existiert; ab und zu sollte man an die frische Luft kommen; wenn man die Muse zu sehr und zu häufig zum Arbeiten antreibt, streicht sie irgendwann die Segel und lässt die Autorin im Stich; und last but not least: woher sollen neue Ideen kommen, wenn man nie neue Eindrücke sammelt?

    Ich glaube nicht, dass ein starrer Arbeits- und Freizeitplan die Ideallösung ist. Man muss mit sich selbst vereinbaren, dass man sich eine Auszeit nimmt, wenn Körper und Seele danach schreien und nicht immer das Lechzen nach dem Wordcount gewinnen lässt. Wenn man sich allerdings zu gemütlich auf der Couch einrichtet, wird es irgendwann auch wieder Zeit dem inneren Schweinehund eins überzubraten. 🙂

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    • jery22 schreibt:

      Och, kein Vorwand, mehr eine Ausrede… 😉
      Tja, mit der Einteilung von Arbeit und Freizeit tu ich mir noch schwer, zumal ich den Eindruck habe, dass die Muse partout dann am kreativsten ist, wenn ich nicht schreiben kann, weil ich was anderes tun muss. Als ob sie wüsste, dass ich keine echte Mitarbeit von ihr verlange, sondern ihr maximal zuhören kann, während sie sich was ausdenkt, was keine Bewährungsprobe beim Schreiben selbst bestehen muss.
      Und ich denke, mein Schweinehund ist eine Hündin und pennt wahnsinnig gern auf der Couch, gleich neben Sir Arkis 🙂

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