Chandler Time

Gestern war Chandler time angesagt. Nein, nicht Chandler aus Friends, sondern Raymond Chandler, der Autor. Und nein, es hat nichts damit zu tun, seine Romane zu lesen.

Chandler setzte sich jeden Tag an den Schreibtisch und zwang sich dazu, dort eine Stunde sitzenzubleiben. Wenn er dabei was schrieb, gut, wenn nicht und nur in die Luft starrte, auch gut, aber er machte wenigstens sonst nichts anderes, was ihm mehr Spaß bereitet hätte. Diese Stunde war für Schreiben reserviert, und meistens war er währenddessen produktiv, weil es verdammt langweilig ist, eine Stunde vor einem leeren Blatt Papier zu sitzen und nichts zu tun.

Meine Chandler-Zeit findet auf der Couch statt. Kein Internet, kein Fernsehen, keine Gesellschaft, nur der Laptop und Kopfhörer (Musik lenkt mich nicht ab). Vorteil: Ich kann nichts anderes tun, nicht mal ein winziges PC-Spielchen zwischendurch, weil die Maus nur im Notfall eingesetzt wird und auf der Couchlehne parkt. Kein idealer Untergrund für schnelle Klicks.

Ergebnis gestern: vorletzte Szene von F&F fertig geschrieben. Wurde irgendwie nicht so, wie ich sie mir vorgestellt hatte, vor allem viel länger (Wen überrascht das jetzt? Niemanden?), aber sie ist immerhin beendet.
Fehlt noch eine halbe Szene, wo eine Kugel noch immer in der Luft schwebt, dann ist eine erste Fassung fertig.

Ich sollte öfter Chandler time haben. So ganz ohne Ablenkung geht schnell was weiter. Gestern 1,6k in einer knappen Stunde. Sonst schaffe ich nur 1k die Stunde.

Versucht es mal – eine Stunde weit weg von jeder Form der Ablenkung, kein Telefon, kein Internet, kein TV, nicht mal der Hund, außer er verhält sich ruhig 🙂 Und weil die Muse sonst nichts tun kann, wird sie irgendwann einsteigen und mitarbeiten, weil ihr langweilig ist, immer nur auf den gleichen weißen Monitor zu starren.

J

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Über Jery Schober

author translator daydreamer dogperson bookcollector candlejunkie Übersetzt Romane, schreibt Fantasy, liest querbeet und malt unerfolgreich.
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2 Antworten zu Chandler Time

  1. para68 schreibt:

    Diese Chandler-Time wäre etwas für meine Wochenenden. Wenn ich im Büro Leerlauf habe, schreibe ich irgendwann sowieso aus purer Langeweile. Aber an den letzten (mindestens) sechs Wochenenden habe ich gar nichts geschrieben. Das muss wieder anders werden, da ich mir für MB 2 selbst eine Deadline gesetzt habe, die ich unbedingt einhalten will. Die Muse macht es mir dabei nicht leicht, weil sie sich so von anderen Projekten ablenken lässt.

    Aber 1,6k in einer Stunde sind wirklich super! Vor allem, weil die Novelle damit fast beendet ist. Wahrscheinlich findet Deine Muse es witzig, eine Kugel möglichst lange in der Luft schweben zu lassen und hebt sich diese Szene deswegen bis zum Schluss auf. 🙂

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    • jery22 schreibt:

      Meine Muse findet immer die Sachen witzig, die mich in den Wahnsinn treiben. Wie unaufgelöste Szenen, wo ich keine Ahnung habe, wie es weitergeht, weil ich mal wieder eine Szene angefangen habe, ohne mir zu überlegen, wie meine Charaktere da rauskommen. Das nenne ich den Labormaus-Ansatz: Man nehme einen oder eine Handvoll Charaktere, werfe sie in eine Situation und schaue ihnen dabei zu, wie sie versuchen, da rauszukommen. Lebend. Meine Figuren finden das nicht witzig. Die Muse schon. Ich guck einfach nur zu und schreib auf, was meine Leute unternehmen.

      Chandler-time habe ich viel zu selten, weil es schon einige Überwindung kostet, alle äußeren Ablenkungen wie Handy und Internet abzuschalten. Bei mir liegt der Schlüssel darin, die Maus dorthin zu packen, wo ich sie nur mit Mühe benutzen kann, weil ich sonst ja doch im Netz surfen könnte. Und wenn ich wirklich durch nichts abgelenkt bin, kann ich erstaunlich schnell tippen. Sonst bin ich mehr der 1k/h Schreiber (1.000 Wörter in einer Stunde).

      Ich wollte dieses WE wieder eine Chandler-time aufrufen, wurde aber nichts draus, weil so lästige Sachen wie lange aufgeschobene Dinge im Haushalt erledigt gehörten. Leider. Gekoppelt mit einem äußerst miesen Samstag führte das zu einem Wordcount von Nullkommanix. 😦

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